Internationaler Tag des Faultiers – International Sloth Day 2018

Sind Faultiere faul? Von wegen! Daran erinnert der Internationaler Tag des Faultiers (engl. International Sloth Day) am 20. Oktober. Was es mit diesem weltweiten Aktionstag zum Schutz der Unterordnung der zahnarmen Säugetiere auf sich hat und weshalb er einen festen Platz im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt verdient, beleuchten die folgenden Zeilen. Warum feiern wir heute also die Folivora?

Ein Dreifinger-Faultier hängt im Baum. Internationaler Tag des Faultiers - International Sloth Day. Kuriose Feiertage - 20. Oktober (c) 2018 Sven Giese
Ein Dreifinger-Faultier hängt im Baum. Internationaler Tag des Faultiers – International Sloth Day. Kuriose Feiertage – 20. Oktober (c) 2018 Sven Giese

Wer hat den International Sloth Day ins Leben gerufen?

Im Gegensatz zu vielen anderen Beiträgen aus dem Kalender der Tier-Feiertage sind die Ursprünge des International Sloth Day relativ gut dokumentiert. So geht die Initiative für diesen Aktionstag auf die kolumbianische Tierschutzorganisation AIUNAU Foundation und das Jahr 2010 zurück.

Genauer gesagt, auf den November 2010, wo die Einführung eines internationalen Tag des Faultiers im Rahmen der im kolumbianischen Medellin abgehaltenen Konferenz First international meeting about the wellbeing, rehabilitation and conservation of sloths beschlossen wurde (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Warum fällt der Ehrentag der Faultiere auf den 20. Oktober?

Mit Blick auf das gewählte Datum gibt es allerdings leicht widersprüchliche Angaben. Während die offizielle Website hier auch die Option eines flexiblen Termins am jeweils dritten Samstag im Oktober andeutet, scheint sich inzwischen aber der 20. Oktober als feststehender Eintrag im Kalender etabliert zu haben. Dies belegt auch die Vielzahl der vorhandenen Online-Publikationen und Presseartikel über den internationalen Faultier-Tag in den letzten Jahren.

Demgegenüber bleibt die Begründung für die Wahl des 20. Oktober als Datum für den internationalen Ehrentag der Faultiere leider unklar. Ob hier eine Verbindung zu einem für die AIUNAU Foundation relevanten Termin vorliegt oder sich der 20. Oktober auf ein für die Faultier-Forschung bedeutsames Ereignis bezieht, wird von den Initiatoren nicht näher benannt. Mit der oben beschriebenen Gründungskonferenz aus dem November 2010 hat es auf jeden Fall nichts zu tun.

Immerhin verweist die Organisatorin Sarita Kendall y Tinka Plese darauf, dass der Oktober insofern ein grundsätzlich guter Zeitraum für einen solchen Aktionstag sei, da sich hier eine ganze Reihe thematisch verwandter (?) Anlässe finden lasse und der zehnte Monat des Jahres zugleich auch der Monat der Kinder sei (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Ob es hinsichtlich der letztgenannten Punkte dann eine inhaltliche Brücke bzw. Verbindung zum ebenfalls heute gefeierten Internationalen Tag der Köche (engl. International Chefs Day), dem US-amerikanischen Tag des Shampoos (engl. National Shampoo Day), dem Tag des Grabsteins in Deutschland oder dem Weltosteoporosetag (engl. World Osteoporosis Day) gibt, konnte ich im Zuge der Recherchen für den vorliegenden Beitrag allerdings nicht herausfinden.

Ziele und Intention: Um was geht es beim internationalen Faultier-Tag

Nun sind Faultiere tatsächlich nicht faul, zählen inzwischen aber leider auch zu den bedrohten bzw. gefährdeten Arten. Neben der Umweltverschmutzung ist hier vor allem die Vernichtung des natürlichen Lebensraums dieser primär in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas beheimateten Säugetiere als Ursache für ihre Gefährdung zu sehen (siehe dazu u.a. auch den Beitrag zum Internationalen Tag des Orang-Utans (engl. International Orangutan Day) am 19. August).

Dementsprechend versucht der internationale Faultier-Tag hier vor allem auch ein öffentliches Bewusstsein für die Problematik der Abholzung von Regenwäldern und die daraus resultierende Bedrohung der Faultiere zu schaffen.

Tierwissen: Fünf kuriose Fakten, die man über Faultiere kennen sollte

  • Wie eingangs bereits angedeutet zählen Biologen die Faultiere (lat. Folivora) zur Unterordnung der zahnarmen Säugetiere (lat. Pilosa) und sind somit direkte Verwandte von Ameisenbären und Gürteltieren. Man unterscheidet hier wesentlich zwischen sechs rezenten Arten, die sich auf die Gattungen der sogenannten Zweifinger-Faultiere und der Dreifinger-Faultiere verteilen.
  • Faultiere leben als Einzelgänger auf bzw. in den Bäumen der Regenwälder. Diese verlassen sie auch nur, wenn es unbedingt sein muss. Sie sind darüber hinaus mit den ca. 10 cm langen Krallen der Vorderbeine und den etwas kürzen Hinterbeinen perfekt auf diese Umgebung angepasst. Während alle Faultiere drei Krallen an den Hinterbeinen besitzen, unterscheidet sich dies bei den Zweifinger- und Dreifinger-Faultieren. Nämlich jeweils zwei bzw. drei lange Krallen. Daher auch die jeweilige Gattungsbezeichnung.
  • Die Säugetiere sind in der Regel Vegetarier und ernähren sich von Baumblättern und Knospen. Ausnahmen bilden hier die Zweifinger-Faultiere, die gelegentlich auch Früchte, Insekten oder kleinere Wirbeltiere verzehren. Alle Faultiere verfügen über zusätzliche Halswirbel, die das Drehen bzw. Heben des Kopfes deutlich vereinfacht.
  • Sind Faultiere denn tatsächlich faul? Mitnichten, ihr Stoffwechsel arbeitet im Vergleich zu ähnlich großen Säugern nur sehr, sehr langsam und ist perfekt auf einen minimalen Energieverbrauch ausgerichtet. Dafür gibt es aber auch einen guten Grund. Denn die Pflanzen ihres natürlichen Lebensraums, die Regenwälder in Mittel- und Südamerikas, liefern tatsächlich nur sehr wenig Nährstoffe. Diese werden durch den starken bzw. häufigen Regen aus dem Boden gewaschen und wer hier als Pflanzenfresser überleben will, muss entweder sehr viele Blätter verzehren oder – wie es das Faultier macht – die vorhandene Energiezufuhr optimal nutzen. Dies äußert sich u.a. auch durch ca. 15 – 18 Stunden Schlaf am Tag, langsame Bewegungen und einer äußerst langsamen Verdauung, die nur sehr wenige „Toilettengänge“ notwendig macht.
  • Das lange Fell der Faultiere besteht aus feiner Unterwolle, über die eine Mähne aus Strähnen fällt. Und dies weist gleich zwei Besonderheiten auf. Zum einen tragen die Tiere ihren Scheitel am Bauch, sodass aufgrund der Rückenlage in den Bäumen die Behaarung seitlich herabhängt und Regenwasser gut ablaufen kann. Zum anderen stellt das Fell einen Lebensraum für diverse Untermieter dar. Hier finden sich in symbiotischer Gemeinschaft mit dem Faultier diverse Algen, Motten, Milben, Zecken, Käfer und sogar Nachtfalter. Dachten Wissenschaftler lange Zeit, dass die grüne Färbung der Algen vor allem zur Tarnung im Blätterwerk diente, hat man inzwischen herausfinden können, dass es sich hierbei vor allem eine energiereiche Zusatznahrung handelt.

In diesem Sinne: Rettet den Regenwald und schützt die Faultiere. Nicht nur am heutigen International Sloth Day. :)

Weitere Informationen zum Internationalen Tag des Faultiers

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