Internationaler Plastiktütenfreier Tag – International Plastic Bag Free Day 2019

Seit 2011 steht der 3. Juli als Internationaler Plastiktütenfreier Tag (engl. International Plastic Bag Free Day) ganz im Zeichen der aktiven Müllvermeidung. Was es mit diesem Aktionstag gegen Plastiktüten im Detail auf sich hat, untersuchen die folgenden Zeilen des Kalenders der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Worum geht es dabei?

Frau trägt Pflanzen in einer weißen Plastiktüte. Internationaler Plastiktütenfreier Tag - International Plastic Bag Free Day. Kuriose Feiertage - 3. Juli (c) 2019 Sven Giese
Frau trägt Pflanzen in einer weißen Plastiktüte. Internationaler Plastiktütenfreier Tag – International Plastic Bag Free Day. Kuriose Feiertage – 3. Juli (c) 2019 Sven Giese

Wer hat den International Plastic Bag Free Day ins Leben gerufen?

Wie bei vielen anderen Beiträgen aus dem Kalender der Umweltaktionstage sind auch die Hintergründe bzw. Ursprünge des International Plastic Bag Free Day relativ gut dokumentiert. So geht die Initiative für diesen Anti-Plastiktüten-Tag auf einen regionalen Aktionstag in Katalanonien zurück. Hieraus entstand dann unter Leitung des europäischen Netzwerks „Zero Waste“ im Jahre 2011 die Kampagne zum Internationalen Plastiktütenfreien Tag. In Deutschland unterstützt man diesen internationalen Aktionstag seit 2014 (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Warum fällt der internationale Aktionstag gegen Plastiktüten auf den 3. Juli?

Demgegenüber ist allerdings nicht ganz klar, weshalb sich die Initiatoren hier ausgerechnet den 3. Juli als Datum für den internationalen Aktionstag gegen Plastiktüten ausgesucht haben. Ob hierbei die ursprüngliche Veranstaltung in Katalonien eine Rolle gespielt hat oder ob es sich bei diesem Termin um eine relativ willkürliche Setzung im Kalender handelt, konnte ich im Zuge der Recherchen für den vorliegenden Beitrag nicht herausfinden (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Diese Unklarheit gilt auch für eine mögliche inhaltliche Verbindung zum ebenfalls heute gefeierten US-amerikanischen Schmeichle-Deinem-Spiegelbild-Tag (engl. Compliment Your Mirror Day), dem Tag der Klimaanlage (engl. Air Conditioning Appreciation Day), dem Tag der Schokoladen-Waffeln (engl. National Chocolate Wafer Day), dem Tag des Ungehorsams (engl. Disobedience Day) oder dem Iss-Deine-Bohnen-Tag (engl. National Eat Your Beans Day).

Ziele und Intention: Worum geht es beim Plastic Bag Free Day?

Der Name ist beim International Plastic Bag Free Day natürlich Programm. Denn der 3. Juli versucht weltweit mit zahlreichen Aktionen, Konzerten, Demonstrationen und Events die Öffentlichkeit auf die Problematik der Umweltverschmutzung durch Plastik bzw. ihre Folgen aufmerksam zu machen. Hier geht es allerdings weniger um den moralischen Zeigefinger und Schuldzuweisungen inkl. Ablasshandel, als vielmehr um das Aufzeigen, von Alternativen und Möglichkeiten, wie sich Plastiktüten in Zukunft vermeiden lassen.

Die Plastiktüte als Umweltverschmutzer und Bestandteil des globalen Müllproblems

Plastiktüren sind seit den 1960er Jahren in Gebrauch. Günstig in der Herstellung und praktisch im alltäglichen Gebrauch. Diese Kombination sorgte dafür, dass weltweit jedes Jahr ca. eine Billionen Plastiktüten und Tragetaschen aus Plastik im Umlauf sind (siehe dazu auch den Beitrag zum US-amerikanischen Tag der Papiertüte (engl. National Paper Bag Day) am 12. Juli).

Und auch wenn man sich in Deutschland gerne als Vorreiter in Sachen Umweltschutz und Recyclingbetrachtet, kommt man laut den statistischen Angaben des Umweltbundesamtes auch hierzulande auf einen bundesweiten Plastiktütenverbrauch von ca. 6,1 Milliarden Stück im Jahr (siehe dazu auch den Beitrag zum Global Recycling Day (dt. Welt-Recycling-Tag) am 18. März).

Neben der schieren Masse an Plastikmüll hat die Plastiktüte noch einen weiteren gewichtigen ökologischen Nachteil. Denn zum einen entsteht bei ihrer Herstellung (und Entsorgung) eigentlich vermeidbares CO2, zum anderen benötigt man Erdöl in der Produktion, das als Rohstoff eine immer knapper werdende Ressource ist.

Besonders schwerwiegend ist der Einfluss von Plastiktüten auf die Weltmeere. So finden sich im Pazifik, im Atlantischen und Indischen Ozean, im Roten Meer und an den Küsten der Nord- und Ostsee tonnenschwere Müllstrudel, die sich durch Wind und Strömungen zu riesigen schwimmenden Müllhalden entwickelt haben (siehe dazu auch den Beitrag zum Tag des Meeres (engl. World Oceans Day) am 8. Juni). Mit verheerenden Folgen für diese maritimen Ökosysteme:

  • In diesen Gebieten auf ein Kilogramm Plankton ca. sechs Kilogramm Plastikabfälle, von denen eben ein Großteil Plastiktüten sind.
  • Viele Meerestiere verenden, weil sie das Plastik für Nahrung halten und dieses fressen (siehe dazu exemplarisch den Tag der Meeresschildkröten (engl. World Sea Turtle Day) am 16. Juni).
  • Mikroplastik und chemische Plastikzusätze gelangen auf diese Weise in die Nahrungskette. Ein Teufelskreis, der vom Mensch in Bewegung gesetzt wurde.
  • Der Plastikmüll verdreckt aber nicht nur die Ozeane selbst, sondern stellt auch eine Gefahr für die Strände und Küstenregionen dar.

Internationale Strategien und Bemühungen zur Vermeidung von Plastiktüten

Seit Beginn der 2000er Jahre gibt es aber auch eine ganze Reihe nationaler und internationaler Bemühungen, die entstandenen Problemen durch das Verbot von Plastiktüten in den Griff zu bekommen.

  • 2014 verabschiedete die EU-Kommission ein Gesetz, welches den Verbrauch von Plastiktüten, die dünner als 50 μm (0,05 mm) sind, schrittweise einschränken soll. Ziel ist hier, dass alle Mitgliedsstaaten bis 2025 den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten auf 40 reduzieren. Sicherlich ein vernünftiger Ansatz, der allerdings auch seine Tücken hat.
  • Denn wie diese Ziele in den einzelnen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden (freiwillig oder über Steue- bzw. Gebührenabgaben) überlässt die EU den nationalen Regierungen. In Deutschland versucht man dies z.B. über eine kostenpflichtige Abgabe durch den Handel umzusetzen, um so den Verbrauch an Plastiktüten in den nächsten zehn Jahren zu halben.
  • Weiterhin sind von dieser Regelung stabile Plastik-Mehrweg-Tüten, die in vielen Ländern schon kostenpflichtig sind, sowie Obst- und Gemüsetüten mit einer Wandstärke geringer als 15 μm (0,015 mm). Deutlich weiter ist man hier in den USA, Asien und Afrika.
  • In Bangladesch erfolgte bereits 2002 ein vollständiges Verbot von Plastiktüten.
  • Ruanda entschloss im Jahre 2006 ebenfalls zu einem solchen drastischen Schritt, da man die Müllberge aus Plastik nicht mehr in den Griff bekam.
  • China hat ein landesweit sowohl die kostenlose Abgabe von Plastiktüten als auch die Produktion ultradünner Tüten durchgesetzt.
  • Während man in San Francisco seit 2007 die Nutzung von Plastiktüten untersagt hat, greift seit Juli 2015 in ganz Kalifornien das Verbot von Einweg-Plastiktüten.
  • Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche lokale bzw. regionale Aktionstage, die der Plastikverschmutzung den Kampf angesagt haben. Exemplarisch sei hier auf den Internationalen Tag des Surfens (engl. International Surfing Day) am dritten Samstag im Juni und den US-amerikanischen Strand-Tag (engl. National Beach Day) am 30. August verwiesen.

Selbst ist der Mensch: Fünf Alternativen zur Plastiktüte, die jeder leicht umsetzen kann

Passend zum heutigen Aktionstag und der einleitend skizzierten Intention gibt es abschließend noch eine Liste mit fünf Alternativen zur Plastiktüte, die wirklich jeder leicht umsetzen bzw. in seinen/ihren Alltag integrieren kann.

  • Stoffbeutel und Tragetaschen nehmen nicht viel Platz weg und lassen sich leicht in die Tasche bzw. den Rucksack packen. Ich für meinen Teil habe immer einen Stoffbeutel mit dabei.
  • Planung ist auch beim Einkauf die halbe Miete: Warum nicht einen passend großen Rucksack mitnehmen? Der macht Plastiktüten überflüssig.
  • Wenn der Rucksack bzw. die Tragetasche zu klein ist, kann man problemlos auch einen zweiten Beutel mitnehmen.
  • Wer gänzlich auf Verpackungen verzichten möchte, kann sich viele Lebensmittel auch direkt in eigene, mitgebrachte Behälter geben lassen. Einfach mal nett im Supermarkt fragen. Die meisten Geschäfte reagieren hier sehr positiv.
  • Leider bekommt man in vielen Geschäften immer noch (ungefragt) Plastiktüten zum Einkauf dazu. Einfach dankend ablehnen und das Personal auf die Umwelt- und Klimaproblematik aufmerksam machen. Ggf. auch eine nette E-Mail an das Unternehmen schreiben und sein Anliegen schildern.

In diesem Sinne: Euch allen einen erfolgreichen, hoffentlich Internationalen Plastiktütenfreien Tag. Egal ob in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen zum Anti-Plastiktüten-Tag am 3. Juli