Bloody-Mary-Tag in den USA – der amerikanische National Bloody Mary Day

Zum Start ins neue Jahr widmen sich die kuriosen Feiertage aus aller Welt einem der klassischen Cocktails überhaupt. Denn der 1. Januar steht bei unseren US-amerikanischen Nachbarn ganz im Zeichen des sogenannten National Bloody Mary Day (dt. Tag der Bloody Mary). Grund genug, diesen Anlass mit in die Sammlung der kuriosen Welttage aufzunehmen und einen näheren Blick auf seine Geschichte bzw. die Entstehung dieses Cocktails zu werfen. Warum feiern wir heute also die Bloody Mary?

Kuriose Feiertage - 1. Januar -Bloody-Mary-Tag in den USA – der amerikanische National Bloody Mary Day (c) 2017 Sven Giese

Kuriose Feiertage – 1. Januar -Bloody-Mary-Tag in den USA – der amerikanische National Bloody Mary Day (c) 2017 Sven Giese

Wer hat den National Bloody Mary ins Leben gerufen?

Wie bei so vielen kuriosen Feier- und Aktionstagen aus den Vereinigten Staaten gilt leider auch im Falle des National Bloody Mary Day, dass so gut wie nichts über seine Ursprünge bzw. Hintergründe bekannt zu sein scheint.

So findet sich dieser Anlass zwar auf zahlreichen US-amerikanischen Websites und Online-Portalen, konkrete Angaben über einen möglichen Urheber bzw. ein Gründungsjahr gibt es bei diesen Einträgen aber leider nicht.

Darüber hinaus passt der National Bloody Mary Day natürlich ganz wunderbar in die Liste der Feiertage für alkoholische Getränke. Exemplarisch sei dazu auf die folgenden Termine verwiesen:

Warum fällt der Ehrentag der Bloody Mary auf den 1. Januar?

Diese Unklarheit gilt dann auch für die Wahl des Datums. Zwar gilt die Bloody Mary aufgrund ihres hohen Anteils an Tomatensaft irrtümlich als probates Kater-Gegenmittel und würde dementsprechend zum Neujahrstag passen, wirklich begründet ist dies aber nicht. Insofern lässt sich  zumindest aber ein Grund für die Wahl des Datums 1. Januar erahnen.

Ob es darüber hinaus eine inhaltliche Verbindung zum ebenfalls heute begangenen Tag des Buchstaben Z (engl. Z-Day), dem Bonza-Bottler-Day oder dem Verschenk-einen-Apfel-Tag (engl. Apple Gifting Day) gibt, ist ebenfalls unklar.

Blood Mary – Die Entstehung eines amerikanischen Cocktail-Klassikers

Wie es sich für einen klassischen Cocktail gehört, zunächst eine Einordnung in die entsprechende Spirituosen-Kategorie: Die Bloody Mary, die – wie eingangs bereits angemerkt – wesentlich aus Tomatensaft und Wodka gemixt wird, gehört zu den sogenannten Corpse Reviver bzw. Pick-me-up-Cocktails.

Bezüglich des Mischungsverhältnisses gibt es allerdings recht unterschiedliche Angaben bzw. Auffassungen. Während das ursprüngliche Rezept von 1921 auf einem ausgeglichenen Verhältnis von Alkohol und Saft basierte, führt die International Bartenders Association (IBA) in ihrem Bloody Mary-Rezept eine Tomatensaft- Wodka-Mischung von 2:1.

Garniert wird die Bloody Mary entweder mit einer Zitronenscheibe am Glasrand oder – was wohl die häufigste Variante darstellt – mit einem Stück Selleriestaude. Später wurde dann auch eine alkoholfreie Alternative der Bloody Mary entwickelt, die als Virgin Bloody Mary bzw. Virgin Mary bezeichnet wird. Wie aber kam es zur Erfindung der Bloody Mary und woher stammt der Name?

Von Paris nach New York – Fernand Petoit und die Bloody Mary

Man geht heute davon aus, dass die erste Bloody Mary 1921 in der Pariser Harry’s New York Bar von dem Franzosen Fernand Petoit (1900 – 1975) gemixt wurde. Der Legende nach soll er dort übrigens auch dem guten Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald diesen Drink serviert haben, was sich aus der Distanz aber nicht mehr eindeutig belegen lässt.

1925 verließ Petoit allerdings die französische Metropole und ging in die USA. Dort stellte er den Drink zunächst in Canton, Ohio vor, ab 1934 dann in der King Cole Bar des New Yorker St. Regis Hotel. Petoits dortige Anstellung fiel mit dem Ende der Prohibitionszeit und dem Beginn der wirtschaftlichen Rezession (engl. Great Drepression) zusammen.

Da man die Verwendung des Wortes bloody (engl. eigentlich blutig, umgangssprachlich aber auch: attributiv scheiß-(…) bzw. verdammt – z. B. bloody hell) als zu anstößig für das Publikum der Bar einstufte, firmierte der Cocktail im St. Regis für kurze Zeit unter dem Namen Red Snapper (Gäste sollen hier u.a. Joe DiMaggio und Ava Gardner gewesen sein).

Diese Bezeichnung konnte sich jedoch langfristig nicht durchsetzen, so dass die Bloody Mary schließlich unter ihrem ursprünglichen Namen als einer der klassischen amerikanischen Cocktails bekannt wurde.

In der Folge verfeinerte Petoit sein ursprüngliches Rezept und verschärfte den Drink mit Salz (zumeist Selleriesalz), schwarzem Pfeffer, Tabasco, Worcestershiresauce und recht häufig auch mit Zitrone. Während Petoit während seiner Zeit in Paris die ursprüngliche Variante der Bloody Mary noch mit Wodka mixen konnte, musste er in den Vereinigten Staaten wohl relativ häufig auf Gin zurückgreifen.

Zum einen war Wodka in den USA zu dieser Zeit noch nicht sehr verbreitet, zum anderen kämpften die Bars des Landes immer noch mit den Folgen/Nachwirkungen der Prohibition, in deren Rahmen hochprozentiger Alkohol nur schwer zu beschaffen war.

Wie die Bloody Mary zu ihrem Namen kam

Über die Hintergründe der Namensgebung dieses amerikanischen Klassikers gibt es recht unterschiedliche Aussagen. Einer der großen (inzwischen allerdings widerlegten) Mythen rund um die Bloody Mary ist der Hinweis auf Ernest Hemingway (1899 – 1961) als Erfinder und Namensgeber des Cocktails.

So soll Hemingway nach eigener Aussage das Bloody Mary-Rezept 1941 in Hongkong erfunden haben, was aufgrund der zahlreichen Berichte über Petoits Tätigkeit in Paris und New York so kaum haltbar erscheint. Nimmt man hinzu, dass Hemingway eine ganze Menge für die Schaffung seines eigenen Images getan hat, kann man wohl auch folgende Anekdote hinsichtlich der Namensgebung ins Reich der Mythen verweisen.

Die Geschichte dazu geht wie folgt: Hemingway soll der Cocktail erstmals in der Bar des Pariser Ritz serviert worden sein. Da seine Ärzte ihm aus gesundheitlichen Gründen eigentlich jeglichen Alkoholkonsum untersagt hatten und Hemingways damalige Ehefrau Mary Welsh (1908 – 1986) streng darauf achtete, soll der Name angeblich eine Referenz auf die „bloody wife“ verkörpern (vgl. dazu auch das Buch von Philip Greene: To Have and Have another; Perigee Trade 2012). Grundsätzlich lassen sich aber die folgenden beiden Versionen als die geläufigsten Varianten der Namensgebung benennen:

  • Das historische Vorbild der englischen Königen Maria I. Tudor (1516 – 1558), die aufgrund der blutigen Protestantenverfolgung im England des 16. Jahrhundert den Beinamen Bloody Mary von Ihrer Thronnachfolgerin Elisabeth I. (1533 – 1603) erhielt. Trotz dieses konkreten historischen Bezugs gilt diese Version der Namensgebung der Bloody Mary als relativ unwahrscheinlich. Dies scheint eher auf die alkoholfreie Variante der Virgin Mary zu passen, da Marias Nachfolgerin Elisabeth auch unter dem Namen The Virgin Queen in die Geschichte einging.
  • Carol Bradley, die Enkelin von Fernand Petoit, verweist in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters aus dem Jahre 2008 darauf, dass der Name nichts mit besagter Maria I. Tudor zu tun hätte, sondern vielmehr auf einen Kunden ihres Großvaters zurückgehe, der hiermit auf eine Kellnerin namens Mary referierte, die in der Chicagoer Bar Bucket of Blood Club gearbeitet habe (siehe dazu auch die unten aufgeführten Links). Dies wurde wesentlich auch von Petoit selbst bestätigt. So nennt die Website der King Cole Bar namentlich einen gewissen Serge Obolensky, auf den der Name der Bloody Mary als Referenz an eben jene Mary aus dem Bucket of Blood Club in Chicago zurückgehen soll.

In diesem Sinne Euch allen ein Frohes Neues Jahr und einen guten Start ins neue Jahr. Hoffentlich nicht mit einem Kater. Falls doch, hilft vielleicht der zum heutigen Bloody-Mary-Tag passende Cocktail.

Cheers. 🙂

Weitere Informationen zum Bloody-Mary-Tag

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Autor: Sven Giese

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