Tag des Daiquiri – der US-amerikanische National Daiquiri Day

Kuba, Rum und der Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway (1899 – 1961). Diese Kombination feiern die USA am 19. Juli als ihren nationalen Tag des Daiquiri (engl. National Daiquiri Day). Was es mit diesem Ehrentag für einen der klassischen kubanischen Cocktails aus der Familie der Sours und der eingangs skizzierten Verbindung auf sich hat, beleuchtet der vorliegende Beitrag im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Cheers mit einen Shortdrink auf der Basis von weißem Rum.

Ernest Hemingway Statue in der Bar El Floridata in Havanna, Kuba. Tag des Daiquiri - der US-amerikanische National Daiquiri Day. Kuriose Feiertage - 19. Juli (c) 2013 Sven Giese
Ernest Hemingway Statue in der Bar El Floridata in Havanna, Kuba. Tag des Daiquiri – der US-amerikanische National Daiquiri Day. Kuriose Feiertage – 19. Juli (c) 2013 Sven Giese

Wer hat den National Daiquiri Day ins Leben gerufen?

US-amerikanische Ehrentage für Alkoholika gab es bisher ja schon eine ganze Reihe in der vorliegenden Sammlung kurioser Welttage. Ihnen allen gemeinsam ist, dass die Hintergründe bzw. Ursprünge dieser Anlässe sehr schlecht dokumentiert zu sein scheinen.

Zwar listen die meisten der gängigen Online-Kalender diesen Nationaltag des Rum-Cocktails für den 18. Juli, konkrete Angaben über einen möglichen Initiator oder das genaue Gründungsdatum fehlen bei diesen Beiträgen (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten). Doch ganz so leicht sollte man sich im Zuge einer Recherche nicht geschlagen geben und so führt eine mögliche Spur zum US-amerikanischen Food Blogger John-Bryan Hopkins und sein Projekt foodimentary.com.

Immerhin hat Hopkins seit 2006 zahlreiche eigene Food Holidays in die Welt gesetzt, die sich seit 2010 auch in gesammelter Form auf seiner Website foodimentary.com und seit 2017 auch in Buchform finden. Die frühste Version des Beitrags zum heutigen Daiquiri-Tag geht hier auf den 19. Juli 2012 zurück und auch das Foodimentary-Buch aus dem Jahre 2017 listet diesen Drink Holiday für diesen Termin (siehe dort Seite 141). Wobei die Buch-Variante allerdings auf den Zusatz National verzichtet. Diese Verkürzung scheint in der Printausgabe aber eher aus Gründen eines Ordnungsmusters gemacht worden zu sein, immerhin erscheint es wenig sinnvoll, dass alle Tage mit N(ational) beginnen (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten und vor allem den verlinkten Beitrag von Diana Ransom aus dem November 2014 auf slate.com).

Vor diesem Hintergrund halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass der US-Amerikaner auch der tatsächliche Initiator des National Daiquiri Day ist.

Warum fällt der Nationaltag des Daiquiri in den Vereinigten Staaten auf den 19. Juli?

Demgegenüber ist allerdings nicht ganz klar, weshalb die Wahl des Datums für den US-amerikanischen Nationaltag des Daiquiri auf den 19. Juli gefallen ist. Hopkins hat in diversen Interviews darauf hingewiesen, dass er die Lücken des Kalenders nach seinen eigenen Vorstellungen und Ideen gefüllt hat. Insofern kann dies auch für den 19. Juli angenommen werden (siehe dazu auch exemplarisch den unten verlinkten Beitrag von Diana Ransom aus dem November 2014 auf slate.com).

Mit Blick auf den letztgenannten Punkt scheint mir eine Verbindung zum ebenfalls heute in den USA begangenen Tag des Himbeerkuchens (engl. National Raspberry Cake Day) bzw. dem Streck-die-Zunge-raus-Tag (engl. Stick Out Your Tongue Day) oder dem bundesweiten Simson-Tag in Deutschland allerdings eher unwahrscheinlich zu sein.

Abgesehen davon passt der heutige Daiquiri-Ehrentag aber ganz wunderbar zu den anderen hier versammelten Longdrink-Anlässen. Wer hier also nach einer geschmacklichen Alternative sucht, der/die sollte sich exemplarisch die folgenden Termine anschauen:

Trotzdem gibt es zum Tag des Daiquiri eine mehr als interessante Geschichte zu erzählen. Und um die soll es im vorliegenden Beitrag gehen. :)

Ernest Hemingway und seine Stammkneipe El Floridata

Von Hemingway, der ab 1932 zunächst als Dauergast des Hotels Ambos Mundos in Havanna, ab 1939 dann auf seiner Finca Vigía in San Francisco de Paula, einem kleinen Ort nahe der kubanischen Hauptstadt, ingesamt 22 Jahre auf Antilleninsel lebte, ist folgende Geschichte überliefert.

Während seiner Zeit in Havanna nahm er regelmäßig seinen Daiquiri in der Bar La Forida – später auch als La Floridita bekannt – zu sich. Oder wie er es selbst im Gästebuch eines seiner Stammlokale formulierte: Meinen Mojito in der Bodeguita, meinen Daiquiri im Floridita. Die Bar an der Ecke Monserrate/Habana Vija war ursprünglich eine schlichte Schnapsbude, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer der besten Adressen der Stadt. Neben Hemingway haben zahlreiche andere prominente Akademiker, Künstler und Politiker hier ihren Daiquirí getrunken: Nat King Cole, Gary Cooper, Ava Gardner, Jean Paul Sartre, Spencer Tracy oder Tennessee Williams.

Und selbst heute noch hat der amerikanische Literatur-Nobelpreisträger seinen festen Stammplatz an der Theke des El Floridata. Denn die Bar ehrt ihren ehemaligen berühmten Stammgast mit einer lebensgroßen Bronzestatue. Aber zurück zum Daquiri, dessen Name sich entweder von einem kubanischen Strand oder einer Mine gleichen Namens ableitet.

Außenansicht der Bar El Floridata in Havanna, Kuba. Tag des Daiquiri - der US-amerikanische National Daiquiri Day. Kuriose Feiertage - 19. Juli (c) 2013 Sven Giese
Außenansicht der Bar El Floridata in Havanna, Kuba. Tag des Daiquiri – der US-amerikanische National Daiquiri Day. Kuriose Feiertage – 19. Juli (c) 2013 Sven Giese

Papa Doble oder Hemingway Special?

Zu Hemingways Zeit auf Kuba arbeitete der Kubaner Constantino Ribalaigua Vert, von allen nur “Constante” genannt, als Barkeeper im El Floridata. Auf ihn sollen vor allem 4 verschiedene Daquiri-Rezepte zurückgehen. Der Einfachheit halber wurden diese lediglich als Daquiri #1 bis #4 auf der Karte geführt, die später um den Haus-Daquri, den sogenannten Floridita Daiquiri erweitert (siehe dazu auch den Beitrag zum World Cocktail Day (dt. Welt-Cocktail-Tag) am 13. Mai)

Hemingway soll einen dieser Daiquiri probiert haben und daraufhin begeistert gewesen sein. Allerdings nicht ohne den Hinweis, dass er seinen Daiquiri ohne Zucker und der doppelten Menge Rum bevorzuge. Zu der Sache mit dem Zucker sei erwähnt, dass Hemingway um seine Diabetes-Erkrankung gewusst hat und insofern grundsätzlich darauf verzichtete. Constante soll diese Empfehlung aufgegriffen und daraus dann die Daiquiri-Variante Papa Doble kreiert haben.

Eine spätere Version des Cocktails, die mit Grapefruitsaft und Maraschino zubereitet wird, firmiert seitdem auf den Getränkekarten dieser Welt unter dem Namen Hemingway Special (siehe dazu auch die anderen Beiträge aus dem Kalender der Alkohol-Feiertage in der vorliegenden Sammlung).

Ernest Hemingway Statue am Tresen der Bar El Floridata in Havanna, Kuba. Tag des Daiquiri - der US-amerikanische National Daiquiri Day. Kuriose Feiertage - 19. Juli (c) 2013 Sven Giese
Ernest Hemingway Statue am Tresen der Bar El Floridata in Havanna, Kuba. Tag des Daiquiri – der US-amerikanische National Daiquiri Day. Kuriose Feiertage – 19. Juli (c) 2013 Sven Giese

Wer hat den Daiquiri erfunden?

Ob es sich hierbei allerdings um zwei verschiedene oder identische Getränke handelt, ist alles andere als eindeutig. Denn weder Hemingways angeblicher Wunsch nach der doppelten Menge Rum noch das Weglassen von Zucker wird in den meisten heutigen Rezeptsammlungen aufgeführt.

Wer sich ein bisschen mit Hemingways Biografie beschäftigt, wird ebenfalls Zweifel anmelden. Denn der amerikanische Autor war berühmt-berüchtigt dafür, sich eigene Mythen um seine Person zu schaffen. Darüber hinaus nennen einige Quellen nicht Kuba, sondern die USA als Entstehungsort des Daiquiri, der dort – wieder angeblich – von dem amerikanischen Mineningeneur Jennings Cox um 1890 kreiert worden sein soll.

Da er keinen Gin zur Verfügung hatte, soll Cox damit begonnen haben, den Rum mit verschiedenen Zutaten zu mischen, bis er mit der Kombination Rum, Zucker und Zitrone die für ihn beste Variante gefunden hatte.

Seinen Namen soll der Cocktail dann von dem italienischen Minenarbeiter Pagliuchi erhalten haben, der während eines Aufenthaltes auf Kuba zugleich auch die Rezeptur nach Havanna brachte. Aber auch dies ist kaum hinreichend belegt.

Und zum Schluss ein Daiquiri Hemingway Special Rezept

Aber egal welche Geschichte nun wahr ist, ich nehme den heutigen National Daiquiri Day zum Anlass und erheben das Glas mit einem selbst gemixten Hemingway Special. Und dazu gibt es die folgende, klassische Rezept-Empfehlung:

Zutaten:

  • 60 ml weißer Rum
  • 15 ml frisch gepressten Limettensaft
  • 10 ml frisch gepressten Grapefruitsaft
  • 1 BL Maraschino
  • 1 BL Zuckersirup

Zubereitung:

  • Cocktailglas vorkühlen.
  • Den Shaker mit Cracked oder Crushed Ice füllen.
  • Alle Zutaten dort zusammen hineingeben.
  • Kräftig schütteln. Empfohlen ca. 10-15 Sekunden – wir haben die beste Erfahrung mit 12 Sekunden gemacht. ;)
  • Den Inhalt in das vorgekühlte Cocktailglas abseihen.

In diesem Sinne: Vielen Dank an meine Eltern, die mir die hier abgebildeten Fotos von ihrer Kuba-Reise im Jahr 2012 zur Verfügung gestellt haben. Cheers und Euch allen einen entspannten National Daiquiri Day. Egal ob auf Kuba, in den Vereinigten Staaten oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen rund um den National Daiquiri Day in den Vereinigten Staaten

Kategorien Alkohol-Feiertage, Juli Schlagwörter 19. Juli

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