Tag der schlechten Wortspiele

Der 12. November steht seit 2009 ganz im Zeichen rhetorischer Figuren, die ihren Effekt durch kleine sprachliche Veränderungen erzielen. Zumindest wenn es nach dem Cartoonisten und Blogger Bastian Melnyk geht, der dieses Datum zum Tag der schlechten Wortspiele erklärt hat. Natürlich darf ein solcher Tag, auch wenn er sich eher mit den abgründigen Seiten der Sprache beschäftigt, in der vorliegenden Sammlung der kuriosen Feiertage aus aller Welt nicht fehlen. Um was geht es dabei?

Kuriose Feiertage - 12. November -Tag der schlechten Wortspiele (c) 2016 Sven Giese-1

Kuriose Feiertage – 12. November – Tag der schlechten Wortspiele (c) 2016 Sven Giese

Wer hat den Tag der schlechten Wortspiele ins Leben gerufen?

Wie eingangs bereits erwähnt, geht die Initiative für diesen Ehrentag der schlechten Wortspiele auf den deutschen Cartoonisten Bastian Melnyk zurück. Neben einigen anderen Namen wie z.B. das US-amerikanische Ehepaar Ruth und Thomas Roy muss Bastian mit seiner (fredtastischen) Website fonflatter.de inzwischen als eine echte Instanz in Sachen kuriose Feier- und Aktionstage gesehen werden.

Immerhin  kann er – wenn ich richtig gezählt habe -, inzwischen auf weit über 200 eigene Anlässe verweisen. Darunter solch großartige Ideen wie die folgenden Anlässe:

Warum fällt der Tag der schlechten Wortspiele auf den 12. November?

Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es für die Wahl des Datums eigentlich keine konkrete Begründung. Ob Bastian hier allerdings den in USA gefeierten Hühnersuppe-für-die-Seele-Tag (engl. National Chicken Soup for the Soul Day), den Pizza-mit-allem-Möglichen-außer-Anchovis–belegt-Tag (engl. National Pizza with the Works Except Anchovies Day) oder den mexikanischen Tag der Briefträger (span. Día del Cartero) als Inspiration gesehen hat, vermag ich nicht zu sagen. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach dem Jahr der ersten Feier dieses Aktionstages. Geht man der Sache nach, so findet sich hier zwar vermehrt der Hinweis auf das Jahr 2006 als Datum der ersten Auflage dieses kuriosen Sprachtages.

Die Website fonflatter.de führt dieses Datum allerdings erstmals am 12. November 2009 als eigenständigen Anlass mit entsprechendem Fred-Comic und unter Verweis auf den damals erschienen Fred-Kalender (siehe dazu auch die Liste weiterführender Links unten). Insofern ist auch davon auszugehen, dass der spätere Termin eher den Tatsachen entspricht.

Wortspiel – eine definitorische bzw. rhetorische Annäherung

Per Definition ist das Wortspiel eine rhetorische Figur, mit der ihr Verfasser durch entsprechende Wort- oder Buchstabenveränderungen in erster Linie als humorvoll und/oder besonders geistreich erscheinen will.

Passend zum heutigen Tag der schlechten Wortspiele liegt hier die Betonung natürlich auf der Absicht bzw. der sehr subjektiven Auffassung von Sprachwitz, die nicht unbedingt von der Allgemeinheit geteilt werden muss. Aber dies nur als Randnotiz. Befragen wir weiter die Rhetorik: Hier unterscheidet man weiterhin bzw. genau genommen mehrere Wortspielkategorien, von denen die drei folgenden wohl am häufigsten vorkommen:

  • Buchstabendreher: „Kentucky (s)chreit ficken“ (Kentucky Fried Chicken).
  • Paronomasie: Wortspiel basierend auf der klanglichen Ähnlichkeit von Wörtern wie z. B. „Eile mit Weile“ oder auch der päpstliche Segen „Urbi et Orbi“.
  • Polysemie: Die Nutzung der Mehrdeutigkeit von Wörtern. Beispiel: „Lieber arm dran als Arm ab“.

Was also mit einem schlechten Wortspiel gemeint ist, dürften die genannten Beispiele hinreichend andeuten. Dementsprechend ruft der heutige 12. November dazu auf, den stilistischen Abgründen der deutschen Sprache und ihrer Möglichen zu frönen.

Aber bitte NUR heute, sonst lieber nicht! Danke. 😉

Weitere Informationen zum Tag der schlechten Wortspiele

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Autor: Sven Giese

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