Siebenschläfertag

Mit dem Siebenschläfertag am 27. Juni gibt es im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt einen weiteren Beitrag aus der Kategorie der Anlässe mit meteorologischem Bezug. Denn dieses Datum steht laut dem liturgischen Kalender der christlichen Kirchen zum einen für den Gedenktag der sieben Schläfer von Ephesus, zum anderen aber auch als einer der sogenannten Lostage für eine Wetterprognose über die anstehenden Witterungsverhältnisse der kommenden Juni- und Juli-Wochen. Grund genug, der Geschichte mit den folgenden Zeilen nachzugehen.

Bauernregel zum Siebenschläfertag: Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag. Kuriose Feiertage - 27. Juni: Siebenschläfertag (c) 2018 Sven Giese
Bauernregel zum Siebenschläfertag: Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag. Kuriose Feiertage – 27. Juni: Siebenschläfertag (c) 2018 Sven Giese

Wie der Siebenschläfertag zu seinem Namen kam – die sieben Schläfer von Ephesus

Entgegen der häufig kolportierten Ansicht, dass sich der Name des heutigen Siebenschläfertages vom gleichnamigen Nagetier ableite, verweisen die tatsächlichen Ursprünge des heutigen Anlasses auf eine christliche Überlieferung aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.

Die erste schriftliche Erwähnung der Legende geht dabei auf Gregor von Tours (538–594 n.Chr.) zurück, der den Text erstmals im 6. Jahrhundert n.Chr. ins Lateinische übersetze, dabei wohl aber auf mehrere syrische bzw. griechische Ursprungsquellen zurückgreifen konnte. Auch der Koran berichtet in der Sure 18 unter dem Titel „Die Höhle“ über die Geschichte der sieben Schläger von Ephesus. Und deren Inhalt geht in etwa so:

Während der Regentschaft des römischen Kaisers Decius (ca. 250 n.Chr.) sollen in Ephesus auf dem Gebiet der heutigen Türkei sieben Söhne von Familien vornehmer Abstammung, die als Palastdiener bei Decius angestellt waren, aufgrund ihres christlichen Glaubens verraten und angeklagt worden sein. Namentlich handelt es sich bei diesen sieben jungen Männern um die folgenden Namen (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Constantinus,
  • Dionysius,
  • Johannes,
  • Malchus,
  • Martinianus,
  • Maximinianus und
  • Serapion.

Der römische Herrscher stellte die Angeklagten vor die Wahl, zwischen der Verurteilung zum Tode oder der Abkehr vom christlichen Glauben zu wählen, gewährte den sieben zugleich auch eine Bedenkzeit. Die Männer konnten jedoch aus ihrer Gefangenschaft fliehen und versteckten sich in einer nahegelegenen Berghöhle. Ihre Flucht wurde jedoch bemerkt und römische Soldaten fanden die die Gruppe schließlich schlafend an diesem Ort. Decius ließ zur Strafe den Eingang dieser Höhle zumauern und der Vorfall geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit.

Warum fällt der Siebenschläfertag auf den 27. Juni?

Der Legende nach überlebten die sieben Männer allerdings schlafend in besagter Höhle bei Ephesus und wurden am 27. Juni 446 n.Chr., also 195 Jahre später, gefunden. So berichten die Quellen hier vom Besitzer des Landes, der in diesem Jahr beschloss, die Höhle wieder zu öffnen, um diese als Viehstall zu nutzen. Durch den Lärm erwachten die sieben Schläfer in der Höhle – natürlich im Glauben, dass sie nur einen Tag geschlafen hätten – und, man ahnt es schon, bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten und verstarben schließlich. Insofern ergibt auch die heute häufig verwendete Bezeichnung der Sieben Entschlafenen durchaus einen Sinn (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Da unter der Regentschaft des Kaisers Theodosius II (408 – 450 n.Chr.) das Christentum inzwischen zur offiziellen Staatsreligion geworden des Römischen Reiches geworden war, ließ der Herrscher eine Kirche bzw. Kapelle zu Ehren des Herrn über der Höhle errichten. Die sieben Männer tauchen auch heute noch im Heiligenkalender der christlichen Konfessionen als Schutzpatrone gegen Schlaflosigkeit auf. Wer sonst könnte hier auch besser qualifiziert sein.

Ob sich dies aber auch für die Patronate gegen Fieber bzw. zum Schutz der Fischer in dieser Form sagen lässt, kann anhand der überlieferten Geschichte nur bedingt nachvollzogen werden. ;) Während sich das oben genannte Datum des 27. Juni im Großteil Europas etabliert hat, sieht man die Sache einzig in Finnland etwas anders. Denn dort feiert man den Siebenschläfertag als Unikeonpäivä (dt. Tag der Schlafmütze) erst am 27. Juli.

Siebenschläfer als Lostag – Bauernregeln und Wettervorhersage

Wie eingangs bereits erwähnt zählt man den Siebenschläfertag zu den sogenannten Lostagen, also Daten im Kalender, die eine Wettervorhersage für die kommenden Wochen und Monate ermöglichen. Dieser Umstand spiegelt sich auch in den zahlreichen europäischen Bauernregeln wieder, deren kleinster gemeinsamer Nenner besagt, dass die Wetterlage am Siebenschläfertag sich auch in den kommenden sieben Wochen halt wird. Insofern passt der heutige Anlass hervorragend in den Kalender der meteorologischen Feiertage.

Zwar gilt es in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass aufgrund der gregorianischen Kalenderreform dieses Datum nach heutiger Rechnung eigentlich auf den 7. Juli fallen müsste, die grundsätzliche Trefferquote dieser Wetterprognose allerdings mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von bis zu 70 Prozent relativ hoch liegt. Zumindest wenn man den Start der Prognose in den Zeitraum zwischen dem 27. Juni und 8. Juli ansetzt. Immerhin zeigte sich die europäische Wetterlage im Frühsommer (bisher) relativ stabil.

Und wer von Euch nichts mit Wettervorhersagen bzw. Bauernregeln anfangen kann, für den/die bleibt noch die Option des Mitfühlens für Menschen mit Schlafstörungen; oder der ebenfalls heute begangene US-amerikanische Tag der Sonnenbrille (engl. National Sunglasses Day) bzw. Happy Birthday to You-Tag (engl. Happy Birthday to You Day) oder der Internationale Tag der Ananas (engl. International Pineapple Day) als kalendarische Alternativen.

In diesem Sinne: Hoffen wir mal auf gutes bzw. schönes Wetter. :)

Weitere Informationen zum Siebenschläfertag

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