Beginn der Eisheiligen am 11. Mai 2021

Der 11. Mai steht in vielen mitteleuropäischen Ländern für den Beginn der sogenannten Eisheiligen. Bis zum 15. Mai sind es insgesamt fünf aufeinander folgende Gedenktage für christliche Bischöfe und Märtyrer aus dem 4. bzw. 5. Jahrhundert, die laut tradierter regionaler Bauernregeln die letzten möglichen Frostnächte des Frühjahres markieren. Grund genug, die Geschichte der Gestrenge Herren, Eismänner und Maifröste auch im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt zu erzählen.

Eisheilige. Kuriose Feiertage - 11. Mai © 2021 Sven Giese - Bild 1
Eisheilige. Kuriose Feiertage – 11. Mai © 2021 Sven Giese – Bild 1

Wann sind die Eisheiligen?

Die Eisheiligen finden traditionell immer vom 11. bis zum 15. Mai statt. Regional gibt es allerdings einige Unterschiede. Während die katholische Kirche Norddeutschlands Mamertus als ersten Eisheiligen am 11. Mai feiert, beginnt man in Süddeutschland, der deutschsprachigen Schweiz und Österreich erst mit Pankratius am 12. Mai. Folgende Termine stehen im Kalender:

  • Mai Mamertus
  • Mai Pankratius
  • Mai Servatius
  • Mai Bonifatius
  • Mai Sophie oder: kalte Sophie

Woher stammt die Bezeichnung Eisheilige?

Die Eisheiligen bezeichnen meteorologische Witterungsregelfälle in Mitteleuropa und gehören zur Kategorie der Lostage im Bauernjahr (siehe dazu auch die Beiträge zum Johannistag am 24. Juni, dem Siebenschläfertag am 27. Juni und dem Jakobstag am 25. Juli).

So sind im Volksmund und zahlreichen Bauernregeln unerwartete Kälteeinbrüche überliefert, die durch eine von Norden kommende kalte Polarluft bedingt sind. Die kalte Luft kann dabei zu starker nächtlicher Frost führen. Erst nach der kalten Sophie am 15. Mai, so die tradierten Bauernregeln, stabilisiert sich das milde Frühlingswetter und die meisten Pflanzen lassen sich gefahrlos in die Erde pflanzen.

Soweit die Theorie. Denn in der Realität gilt es folgenden Umstand zu beachten. Obwohl die Eisheiligen auf sehr alten Wetterbeobachtungen basieren, lassen sich diese Lostage meteorologisch nicht mehr bestätigen.

Wesentlicher Grund dafür: Als Gedenktage des liturgischen Kalenders basieren auch die Eisheiligen auf dem julianischen Kalender, der zeitlich ca. 10-12 Tage hinter dem gregorianischen Kalender liegt. Da die Termine der jeweiligen Ehrentage aber bei der kalendarischen Umstellung im Jahr 1582 beibehalten wurden, ergibt sich hieraus die zuvor geschilderte Abweichung.

Vor diesem Hintergrund müssten die Eisheiligen eigentlich erst auf den Zeitraum vom 23. bis zum 27. Mai fallen (siehe dazu auch den Beitrag zum US-amerikanischen Observe the Weather Day (dt. Tag der Wetterbeobachtung) am 25. Januar).

Wer sind die Eisheiligen?

Die Eisheiligen sind keine fiktiven Figuren, sondern christliche Bischöfe und Märtyrer des 4. und 5. Jahrhunderts. Im Detail: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius sowie als einzige Frau, Sophie bzw. die kalte Sophie. Insofern sind die alternativen Bezeichnungen der Gestrengen Herren bzw. Eismänner eigentlich irreführend.

Wobei diese sich regional tatsächlich nur auf die männlichen Figuren beziehen. Einige Historiker verweisen im Kontext der meteorologischen Kälteeinbrüche auf eine zeitlich spätere Ergänzung von Sophia, die auf die von Norden kommende Kaltluft anspiele, die je nach Wetterlage erst einen Tag später in südlichen Regionen eintreffe (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten sowie dem Beitrag zum Welttag der Meteorologie bzw. Weltwettertag (engl. World Meteorological Day) am 23. März).

Wer war Mamertus?

Der katholische Bischof Mamertus (ca. 400 bis 477) lebte in Frankreich und wirkte als Erzbischof von Vienne. Sein Name leitet sich vom römischen Kriegsgott Mars ab und sein katholischer Gedenktag ist der 11. Mai. Laut der Überlieferung soll er die drei Bittgänge vor den Feiern zu Christi Himmelfahrt eingeführt haben (siehe dazu auch den Beitrag zum parallel in Deutschland gefeierten Vatertag). Mamertus ist Schutzpatron der Hirten und Feuerwehrleute und soll gegen Dürre, Fieber sowie Brusterkrankungen helfen.

Wer war Pankratius?

Pankratius (dt. der alles Besiegende) war ein römischer Märtyrer, der ca. 289 in Phrygien auf dem Gebiet der heutigen Türkei geboren wurde und um 304 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet wurde. Sein (nicht gebotener) Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 12. Mai.

Wer war Servatius?

Servartius (ca. 340 bis 384) wirkte als Bischof von Tongern auf dem Gebiet des heutigen Belgiens. Seine genaue Todesursache ist umstritten, die Legende besagt aber, dass mit einem Holzschuh erschlagen worden sein soll. Es gibt innerhalb der Forschung inzwischen einige Zweifel an der historischen Existenz der Figur, vielmehr vermutet man, dass Servatius in seiner überlieferten Form ein idealisiertes Konstrukt aus mehreren Personen darstellt. Sein katholischer Gedenktag ist der 13. Mai (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Wer war Bonifatius?

Bonifatius von Tarsus (früher auch: Bonifaz) wurde in Rom geboren, wobei das genaue Geburtsjahr der Figur unbekannt ist. Sein Gedenktag ist der 14. Mai. Die christliche Überlieferung berichtet, dass der altkirchliche Märtyrer, als Heide den Auftrag erhielt, Reliquien christlicher Märtyrer aus der Region um Tarsus (heute Türkei) zurück nach Rom zu bringen. In Tarsus erlebte er die Christenverfolgung unter Kaiser Galerius und ließ sich, beeindruckt durch den unerschütterlichen Glauben der gefolterten Christen, selbst taufen. Das Bekenntnis zu seinem neuen Glauben brachte ihm 306 dann allerdings Tod durch siedendes Pech.

Wer war Sophia?

Das genaue Geburtsdatum der auch als „Kalte Sophie“ bekannten Sophia von Rom ist nicht überliefert. Die Quellenforschung geht aber davon aus, dass die christliche Märtyrin um 304 während der Diokletianischen Christenverfolgung ums Leben kam. Ihr Gedenktag ist der 15. Mai und Sophia nimmt im Rahmen der Eisheiligen eine doppelte Sonderrolle ein. Sie ist zum einen die letzte Figur dieser Riege, zum anderen die einzige Frau. Dies erklärt auch, weshalb sie vor allem zum Schutz gegen Spätfrost und dem Gedeihen der Saat angerufen wurde (siehe dazu u.a. auch den Beitrag zur Walpurgisnacht am 30. April).

Wer von Euch nichts mit den Eisheiligen am Hut hat, für den/die bietet der 11. Mai mit dem US-amerikanischen Iss-was-Du-willst-Tag (engl. Eat What You Want Day) und dem Tag der Twilight Zone (engl. National Twilight Zone Day) sowie dem bundesweiten Tag der gleichfarbigen Socken in Deutschland einige kalendarische Alternativen.

In diesem Sinne: Euch einen guten Start in die Eisheiligen. Egal ob in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen und Quellen zu den Eisheiligen vom 11. bis zum 15. Mai