Fest des Hilarius von Poitiers – der kälteste Tag des Jahres in Großbritannien

Die Folklore unserer europäischen Nachbarn auf den britischen Inseln kann auf eine lange und weitverzweigte Geschichte zurückblicken. Vor allem die Kombination aus keltischer Folklore und christlicher Lehre hat hier eine Reihe von bemerkenswerten Festen hervorgebracht. Ein Anlass aus dieser Reihe ist das Fest des Hilarius von Poitiers (engl. Hilary of Poitiers), das in England auch als der kälteste Tag des Jahres (engl. The Coldest Day of the Year) bekannt ist. Grund genug, diesen Ehrentag einen eigenen Beitrag im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt zu spendieren und seine Geschichte mit den folgenden Zeilen etwas näher zu beleuchten.

Eiszapfen an einem Holzgeländer. Kuriose Feiertage - 13. Januar: Fest des Hilarius von Poitiers - der kälteste Tag des Jahres in Großbritannien (c) 2018 Sven Giese
Eiszapfen an einem Holzgeländer. Kuriose Feiertage – 13. Januar: Fest des Hilarius von Poitiers – der kälteste Tag des Jahres in Großbritannien (c) 2018 Sven Giese

Wer war Hilarius von Poitiers?

Der Bischof und Kirchenlehrer Hilarius von Poitiers (engl. Hilary of Poitiers, franz. Saint-Hilaire (ca. 315 – 367 n.Chr.) einer der bedeutendsten Trinitarier-Vertreter in der Westlichen Kirche. Hierbei wird vor allem seine Vermittlerrolle von östlicher und lateinischer Theologie während des Arianischen Streits im 4. Jahrhundert n.Chr. Nicht umsonst zählt man ihn zu den wenigen Kirchenvätern, die sowohl in der katholisch-evangelischen als auch in der Orthodoxen Kirche geschätzt werden.

Dies spiegelt sich auch in dem Umstand, dass der Schutzpatron von Poitiers, La Rochelle und Luçon; schwächlicher Kinder und gegen Schlangenbiss auch Namenspatron zahlreicher Kirchen in vielen Regionen ist.

Kirchenhistoriker gehen heute davon aus, dass Hilarius wahrscheinlich auch einer der ersten Bischöfe war, der lateinische Kirchenlieder verfasste und somit die Tradition selbstverfasster christlicher Hymnen aus dem Osten importierte. Seit 1851 erhob Papst Pius IX den Franzosen in den Status eines Kirchenlehrers.

Warum fällt der kälteste Tag des Jahres auf den 13. Januar?

Wie mit den einleitenden Passagen bereits angedeutet bezieht sich die Wahl des Datums auf den Gedenktag des Bischofs Hilarius von Poitiers, dessen Gedenktag konfessionsübergreifend von allen christlichen Kirchen am 13. Januar begangen wird (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten). Dabei bezieht sich die Wahl dieses Datums auf die seine Beisetzung im französischen Poitiers.

Ein zugefrorener Bach. Kuriose Feiertage - 13. Januar: Fest des Hilarius von Poitiers - der kälteste Tag des Jahres in Großbritannien (c) 2018 Sven Giese
Ein zugefrorener Bach. Kuriose Feiertage – 13. Januar: Fest des Hilarius von Poitiers – der kälteste Tag des Jahres in Großbritannien (c) 2018 Sven Giese

Soweit die historischen bzw. kirchengeschichtlichen Hintergründe, die auf den ersten Blick allerdings nicht wirklich klar machen, was der St Hilary’s feast day nun mit dem angeblich kältesten Tag des Jahres zu tun hat.

Nun, die Verbindung ist tatsächlich relativ profan. Denn obwohl die offizielle Temperaturmessung nur bis 1684 zurückreicht, finden sich auch schon für frühere Jahrhunderte zahlreiche Berichte, die auf eisige Temperaturen während bzw. um diesen Januar-Termin herum verweisen. Dazu exemplarisch ein paar historische Beispiele:

  • 1086: Als derzeit frühester Hinweis auf besonders niedrige Temperaturen um den 13. Januar herum gilt ein Bericht aus diesem Jahr.
  • 1205: Um den St Hilary’s feast day begann einer der kältesten und härtesten Winter des Landes, in dessen Verlauf sogar die Themse zufror. Aufzeichnungen aus diesem Jahr berichten davon, dass gelagertes Ale und Wein zu Eis wurden und dementsprechend nur nach Gewicht verkauft wurden.
  • 1684: Die Temperaturen fielen in diesem Januar so tief, dass die Themse für zwei Monate eine dicke Eisschicht trug.
  • 1739: Bis in den Januar fielen die Temperaturen in Großbritannien konstant auf -9 Grad Celsius.
  • 1881: Mitte Januar wurden die britischen Inseln von einem schweren Blizzard getroffen, der weite Teile Südenglands mit einer Schneehöhe von bis zu 60 cm eindeckte.
  • 1927: Der Jahreswechsel zu 1928 brachte einen der stärksten Schneefälle, die Großbritannien im 20. Jahrhundert erlebte.
  • 1940: Die Temperaturen fielen so stark ab, dass die Themse erstmals seit 1880 wieder zugefroren war.
  • 1963: Im Januar dieses Jahres erreichten die Temperaturen so niedrige Werte, dass sogar Teile der Nordsee an der britischen Küste Eisschollen trugen.
  • 1978: Schon wieder der Januar, der es im Monatsdurchschnitt lediglich auf -0,4 Grad brachte.

In diesem Sinne: Zieht Euch warm an und habt einen entspanntes Fest des Hilarius von Poitiers. Egal ob in Großbritannien, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

P.S.: Und wer nichts mit kalten Temperaturen oder historischen Kirchenlehrern anfangen kann, für den/die bietet der 13. Januar mit dem US-amerikanischen Tag der Aufkleber (engl. National Sticker Day), dem Tag des Quietscheentchens (engl. Rubber Ducky Day) bzw. dem Verwirkliche-Deine-Träume-Tag (engl. Make Your Dreams Come True Day) oder dem skandinavischen St.-Knut-Tag eine ganze Reihe kalendarischer Alternativen.

Weitere Informationen zum The Coldest Day of the Year in Großbritannien

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Kategorien Historische Kuriositäten, JanuarTags 13. Januar, der kälteste Tag des Jahres in Großbritannien, Fest des Hilarius von Poitiers

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