Jakobstag – Lostag zu Ehren des Apostels Jakobus

Der 25. Juli liefert mit dem Jakobstag (alternativ auch: St. Jakob, Jakobus- oder Jakobitag) im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt einen weiteren Eintrag aus der Kategorie der sogenannten Lostage. Was es mit diesem Ehrentag aus dem Heiligenkalender und den an ihn gekoppelten Bauernregeln bzw. Wettervorhersagen auf sich hat, beleuchten die Zeilen des vorliegenden Beitrags. Was feiern wir also am Jakobus-Tag?

Bauernregel: Wenn der Jakobi kommt heran, man Roggen schneiden kann. Kuriose Feiertage - 25. Juli: Jakobstag (c) 2018 Sven Giese
Bauernregel: Wenn der Jakobi kommt heran, man Roggen schneiden kann. Kuriose Feiertage – 25. Juli: Jakobstag (c) 2018 Sven Giese

Wer hat den Jakobus-Tag ins Leben gerufen?

Im Gegensatz zu vielen anderen der hier versammelten kuriosen Feier- und Aktionstage sind die Wurzeln des Jakobus-Tags relativ eindeutig. Denn als kirchlichen Fest- bzw. Gedenktag für Jakobus den Älteren kennt man den 25. Juli in Mitteleuropa bereits seit dem achten Jahrhundert n.Chr. Kurzum, ins Leben gerufen wurde der St. Jakobs-Tag von der christlichen Kirche(n).

Immerhin gehört der Apostel Jakobus der Ältere, Bruder des Evangelisten Johannes, auch in globaler Perspektive der verschiedenen christlichen Konfessionen zu einem der am meisten verehrten Heiligen überhaupt. Neben hunderten von Jakobskirchen tragen auch zahlreiche Städte in spanischsprachigen Ländern seinen Namen. Abgeleitet vom lateinischen Sanctus Jacobus findet sich der Schutzpatron Spaniens seit dem 16. Jahrhundert auch heute noch als Santiago wieder. Exemplarisch sei hier auf: Santiago de Chile, Santiago de Cuba, Santiago de los Caballeros usw. verwiesen. Darüber hinaus gilt St. Jakob aber auch als Schutzpatron der Arbeiter, für Äpfel und Feldfrüchte und für das Wetter. Gerade die beiden letztgenannten Aspekte spielen im Brauchtum des heutigen Feiertages, wie später noch zu sehen sein wird, eine nicht unwesentliche Rolle.

Warum fällt der Jakobi-Tag auf den 25. Juli?

Wie üblich liefert die christliche Liturgie bzw. Mythologie auch die passende Begründung für das gewählte Datum. Im Falle des Jakobustages bezieht sich dies auf den 25. Juli 816 n.Chr., dem Tag, an dem die Reliquien des Apostels in der Kirche eines neu errichteten Wallfahrtszentrums im spanischen Compostela beigesetzt wurden. Der Überlieferung nach soll Jakobus direkt nach Christi Himmelfahrt in Spanien gepredigt und Jünger mit der Prophezeiung bekehrt haben, dass auf dem Gebiet des Sternenfelds, einem vorchristlichen Friedhof auch nach seinem Ableben zahlreiche Menschen den christlichen Glauben annehmen werden.

Obwohl das eigentliche Grab des Apostels zunächst in Vergessenheit geriet, offenbarte er sich später dem spanischen Eremiten Pelayo (lat. Pelagius) und aufgrund dieser Überlieferung begann man dort 813 n. Chr. ein Wallfahrtszentrum zu seinen Ehren zu errichten. Aus diesem Grund feiert man den Jakobustag am 25. Juli (siehe dazu auch die Liste weiterführender Links unten).

In diesem Zusammenhang sollte allerdings auch erwähnt werden, dass die verschiedenen christlichen Kirchen sehr unterschiedliche Termine für diesen Ehrentag des Heiligenkalenders anführen. Neben dem heutigen 25. Juli gibt es nämlich auch noch den 12. April (koptische Kirche), den 30. April (griechisch-orthodoxe Kirche) und den 28. Dezember (äthiopische Kirche).

Gedenktag, Brauchtum und Bauernregeln: Wie feiert man den Jakobstag?

Fokussieren wir uns an dieser Stelle aber auf den 25. Juli, der den Gedenktag des heiligen Jakobus seit dem europäischen Mittelalter vor allem als eines der ersten Erntefeste des Jahres führt. Fester Bestandteil dieser Tradition sind z.B. die typischen Sommer-Kirmessen, die im Kalender der lokalen Bauern für alle Mägde und Knechte ein freier Tag waren, an dem sie einen Teil ihres Jahreslohnes als sogenannten Jakobzech ausgehändigt bekamen. Ein Schelm, wer denkt, dass angesichts der Feierlichkeiten wirklich finanzielle Rücklagen gebildet wurden. ;)

Die Bedeutung als Erntefest spiegelt sich weiterhin aber auch in zahlreichen Bauernregeln, die an dieses Datum gekoppelt sind/waren. So begannen die europäischen Bauern des Mittelalters zu dieser Zeit mit dem Mähen des Roggens, um hieraus das erste Korn des Erntejahres zu gewinnen. Dieser erste Schnitt war insofern von großer Bedeutung, als zu dieser Zeit des Jahres die Kornvorräte aus dem Vorjahr in der Regel fast aufgebracht waren. Vor diesem Hintergrund lautet auch eine der bekanntesten Bauernregeln zum Jakobstag: Wenn der Jakobi kommt heran, man Roggen schneiden kann (siehe dazu auch die Liste weiterführender Links unten).

Damit aber nicht genug, denn die im vorherigen Abschnitten skizzierten Patronate äußern sich auch darin, dass Ende Juli nicht nur die Zeit des ersten Getreideernte des Jahres darstellt, sondern auch die ersten reifen Äpfel, sprich Frühäpfel und Beeren hervorbringt. Nicht umsonst bezeichnet(e) man diese Apfelernte auch als Jakobi-Äpfel bzw. die am Jakobstag gepflückten Wildbeeren als Jakobsbeeren. Passend dazu gibt es auch die Bauernregel: Sankt Jakob nimmt hinweg die Not, bringt erste Frucht und frisches Brot.

Die Jakobsmuschel. Eines der Insignien des Apostels Jakobus der Ältere. Kuriose Feiertage - 25. Juli: Jakobstag (c) 2018 Dietmar Giese
Die Jakobsmuschel. Eines der Insignien des Apostels Jakobus der Ältere. Kuriose Feiertage – 25. Juli: Jakobstag (c) 2018 Dietmar Giese

Der Jakobstag als Lostag und Datum der Wetterprognose

Die zentrale Bedeutung des Jakobstags und seiner zahlreichen Bauernregeln äußert sich abschließend auch in seinem Status als einer der sogenannten Lostage, die im bäuerlichen Jahresverlauf feste Termine verkörperten, deren jeweilige Wetterlage eine Vorhersage für die kommenden Wochen und Monate liefern sollte (siehe dazu exemplarisch auch den Siebenschläfertag am 27. Juni).

Rufen wir uns in diesem Zusammenhang auch nochmals ins Gedächtnis, dass Jakobus der Ältere auch als Schutzpatron des Wetters geführt wurde. Im Falle des St. Jakob-Tages ging man in den überlieferten Bauernregeln u.a. davon aus, dass ein schöner bzw. warmer Sommer nicht nur ein Zeichen für eine gute Ernte, sondern auch ein klarer Indikator für einen kalten Winter sein sollte: Jakobi klar und rein, wird’s Christfest frostig sein.

Obwohl diese archaischen Formen der Wetterprognose durchaus auf lokalen Beobachtungen bzw. Erfahrungen vorheriger Generationen beruhten, weist das Konzept der Lostage – neben Standortfaktoren und mikroklimatischen Unterschieden – einen entscheidenden Fehler auf: das Problem der Schaltjahre. Auf diese Weise verschiebt sich der gesamte Kalender alle vier Jahre um jeweils einen Tag und das müsste eine solche Konzeption ebenfalls berücksichtigen.

Auf der anderen Seite hat dieses Prinzip über Jahrhunderte funktioniert. ;)

Und wer von Euch nichts mit Erntefesten und Bauernregeln anfangen kann, für den/die bietet der 25. Juli mit dem US-amerikanischen Nadel-Einfädelungstag (engl. National Thread The Needle Day), dem Tag der Kulinariker (engl. National Culinarians Day) und dem Käse-und-Wein-Tag (engl. National Wine and Cheese Day) eine ganze Reihe kalendarischer Alternativen.

In diesem Sinne: Euch allen einen tollen Jakobstag. Hoffentlich mit schönem Wetter. :)

Weitere Informationen zum Jakobi-Tag in Europa

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