Der bundesweite Tag der Currywurst in Deutschland am 4. September

Currywurst mit Pommes gehört zu den Klassikern der deutschen Imbisskultur. Insofern ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass hierzulande am 4. September der Tag der Currywurst begangen wird. Weshalb das so ist und wieso man sich dabei ausgerechnet für dieses Datum entschieden hat, versucht der vorliegende Beitrag aus dem Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt zu erklären. Seit 2024 ist allerdings wieder ordentlich Bewegung in die Frage gekommen, wer die Currywurst eigentlich erfunden hat. Neue Recherchen führen nicht nach Berlin, sondern ins Ruhrgebiet und datieren eine frühe Form des Gerichts bereits auf das Jahr 1936. Seit 2025 begeht Duisburg deshalb sogar einen eigenen Tag der Currywurst am 22. September.

Currywurst mit Pommes Frites in einer weißen Pappschale, serviert auf einer grauen Tischoberfläche. Die Currywurst ist mit einer dunklen Soße bedeckt, die mit Curry gewürzt ist.
Zum Tag der Currywurst habe ich mir doch glatt mal eine klassische Currywurst mit Pommes gegönnt. :)
Inhaltsverzeichnis

Kurz erklärt: Wann und warum feiern wir den Tag der Currywurst?

Der Tag der Currywurst wird in Deutschland jedes Jahr am 4. September begangen. Das Datum bezieht sich auf die traditionelle Berliner Ursprungsgeschichte, nach der Herta Heuwer am 4. September 1949 in Berlin-Charlottenburg ihre Currywurstsoße entwickelt haben soll. Ob Heuwer damit tatsächlich die Currywurst erfand, lässt sich nach heutigem Forschungsstand allerdings nicht mehr eindeutig sagen.

Neuere Recherchen sprechen dafür, dass der Duisburger Gastronom Peter Johann Hildebrand bereits 1936 Wurst mit Tomatensoße und Currypulver serviert haben könnte. Seit 2025 begeht Duisburg deshalb zusätzlich am 22. September, Hildebrands Geburtstag, einen eigenen Tag der Currywurst.

Wann ist Tag der Currywurst?

In Deutschland fällt der bundesweite Tag der Currywurst immer auf den 4. September. Wurst-Fans sollten sich dementsprechend schon einmal die folgenden Wochentage für diesen kulinarischen Anlass im Kalender notieren:

JahrDatumWochentag
20264. SeptemberFreitag
20274. SeptemberSamstag
20284. SeptemberMontag
20294. SeptemberDienstag
20304. SeptemberMittwoch
20314. SeptemberDonnerstag
20324. SeptemberSamstag
20334. SeptemberSonntag
20344. SeptemberMontag
20354. SeptemberDienstag
20364. SeptemberDonnerstag

Wer hat den Ehrentag der Currywurst ins Leben gerufen?

Trotz der bundesweiten Popularität der Wurst scheint so gut wie nichts über die Ursprünge bzw. Hintergründe des deutschen Ehrentags der Currywurst bekannt zu sein.

So konnte ich im Zuge der Recherchen für den vorliegenden Beitrag weder einen möglichen Initiator noch das genaue Gründungsjahr herausfinden (siehe dazu auch den Beitrag zum Welt-Mettbrötchen-Tag am 14. Februar). Ein Verdachtsmoment lag bei den Machern des Deutschen Currywurst-Museums in Berlin. Das hat seit dem 21. Dezember 2018 allerdings dauerhaft seine Pforten geschlossen und insofern bleibt hier leider auch eine Antwort aus (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Insofern lässt sich zwar das Datum detailliert erklären, die eigentliche Urheberschaft dieses kulinarischen Aktionstags bleibt weiterhin im Dunkeln.

Nahaufnahme einer Currywurst mit dicker Soße und Pommes Frites, serviert in einer Pappschale. Die goldenen Pommes liegen neben der Currywurst, die mit einer pikanten Soße überzogen ist.
Tag der Currywurst. Kuriose Feiertage – 4. September © 2015 Sven Giese – Bild 2

Weshalb fällt der bundesweite Tag der Currywurst auf den 4. September?

Zumindest gibt es aber einen Hinweis darauf, warum die Wahl des Datums für den Tag der Currywurst auf den 4. September fällt, denn der Legende nach soll die Berliner Imbissbuden-Besitzerin Herta Heuwer (1913–1999) die Currywurst am 4. September 1949 im Stadtteil Charlottenburg erfunden haben.

Insofern hat die Wahl des Datums definitiv nichts mit dem parallel gefeierten US-amerikanischen Tag des Zeitungsausträgers (engl. Newspaper Carrier Day), dem Tag der Macadamianüsse (engl. National Macadamia Nut Day) oder dem Tag der Wildtiere (engl. National Wildlife Day) zu tun. Dies gilt auch für den Iss-mehr-als-ein-Dessert-Tag (engl. Eat an Extra Dessert Day), der ebenfalls auf den 4. September fällt.

Die Geschichte von Herta Heuwer und die Erfindung der Currywurst in Berlin

Da an diesem Tag wenig zu tun war, begann die 1913 in Königsberg geborene Heuwer in ihrer Imbissbude an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße zu experimentieren. Sie mischte frisch geschnittenen Paprika, Paprikapulver, Worcestershiresauce, Tomatenmark und Gewürze zu einer Soße, die sie über eine gebratene, gestückelte Brühwurst goss. Heuwer legte zeitlebens Wert auf die Feststellung, dass sie weder Ketchup noch Curry für ihre Rezeptur verwendet habe.

Aber wie dem auch sei: Dieses kulinarische Experiment soll die Geburtsstunde der uns heute bekannten Currywurst gewesen sein und liefert die Begründung für die Wahl des 4. Septembers als Datum des Tags der Currywurst. Siehe dazu auch die thematisch verwandten Beiträge zum bundesweiten Tag der Weißwurst am 22. Februar und zum US-amerikanischen Tag der Bratwurst (engl. National Bratwurst Day) am 16. August.

Immerhin ließ sich Heuwer ihre Soße im Januar 1959 unter dem Namen „Chillup“ beim Münchner Patentamt als Marke registrieren (Patentnummer 721319), und gemäß dieser Lesart ist die Currywurst eine echte Berliner Erfindung.

An dieser Stelle gilt es aber, eine entscheidende Einschränkung zu machen, denn Heuwer hatte nicht die Currywurst als solche patentiert, sondern lediglich den Markennamen für ihre Soße schützen lassen.

Hat Herta Heuwer die Currywurst patentieren lassen?

Nein. Diese häufig wiederholte Behauptung gehört zu den hartnäckigsten Irrtümern rund um die Geschichte der Currywurst.

Herta Heuwer ließ weder die Currywurst noch ihr Rezept patentieren. Am 21. Februar 1958 meldete sie beim Deutschen Patentamt vielmehr die Bezeichnung „Chillup“ an. Am 21. Januar 1959 wurde die Wort-/Bildmarke unter der Nummer 721319 als Warenzeichen für eine „Spezial-Sosse“ eingetragen. Das Deutsche Patent- und Markenamt weist in seiner aktuellen Darstellung ausdrücklich auf diesen Unterschied hin. Geschützt war die Marke „Chillup“, nicht die Rezeptur und schon gar nicht die Currywurst als Gericht.

Die bis heute gelegentlich auftauchende Formulierung von einer „Patentnummer 721319“ ist daher falsch. Bei 721319 handelt es sich um die Nummer der eingetragenen Marke. Im Laufe der Zeit ist dieser kleine, aber feine Unterschied in der allgemeinen Wahrnehmung stark verwässert worden.

Wobei die originalen Zutaten heute nicht mehr bekannt sind. Heuwer hatte 1978 angeblich alle schriftlichen Aufzeichnungen über die originale Rezeptur und die Zutaten vernichtet. So merkt die deutsche Historikerin Petra Foede in ihrem Buch Wie Bismark auf den Hering kam (2009) an, dass es eigentlich keinen triftigen Grund für diese Handlung gab. Immerhin hätte auch ein Tresor das Originalrezept vor neugierigen Blicken schützen können (ebd., Seite 50). Das Ergebnis bleibt aber gleich. Denn bis zu ihrem Tode am 3. Juli 1999 in Berlin hütete Heuwer dieses Geheimnis und nahm es schließlich mit ins Grab (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Gedenktafel für Herta Heuwer, die Erfinderin der Currywurst, an der Stelle ihres ehemaligen Imbiss-Stands in Berlin. Die Inschrift ehrt ihre Erfindung der pikanten Chillup®-Sauce, die weltweit bekannt wurde.
Gedenktafel für Herta Heuwer an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin © 2021 Thomas Huntke

Wer hat die Currywurst erfunden?

Damit kommen wir zum eigentlich spannenden Teil. Denn neben Herta Heuwer beanspruchen mehrere Städte und Regionen die Urheberschaft der Currywurst für sich. Lange konnte man diese konkurrierenden Geschichten mehr oder weniger als unterhaltsame kulinarische Folklore betrachten. Seit 2024 besitzt zumindest die Duisburger Version eine deutlich stärkere Quellenbasis. Schauen wir uns die verschiedenen Ursprungsgeschichten deshalb etwas genauer an.

Peter Pomm und die Currywurst in Duisburg im Jahr 1936

Die derzeit älteste ernsthaft diskutierte Ursprungsgeschichte führt ins Duisburg der 1930er‑Jahre. Im August 2024 veröffentlichten die Autoren Tim Koch und Gregor Lauenburger ihr Buch Alles Currywurst – oder was? Die ganze Wahrheit über das Kultobjekt. Für ihre Recherche werteten sie nach eigenen Angaben historische Dokumente aus und sprachen mit Zeitzeugen. [

Im Mittelpunkt steht der Duisburger Gastronom Peter Johann Hildebrand, genannt Peter Pomm. Hildebrand betrieb in Duisburg-Marxloh unter anderem eine Wurstproduktion und später „Peter Pomms Pusztetten-Stube“. Laut den Recherchen von Koch und Lauenburger soll Hildebrand seinen Arbeitern bereits 1936 eine Wurst in Tomatensoße serviert und darüber Currypulver gestreut haben. Das wäre 13 Jahre vor Herta Heuwers Berliner Currywurst.

Für Aufsehen sorgte hauptsächlich ein historischer Beleg über die Lieferung von britischem Currypulver an Hildebrand. Nach Angaben der Autoren existieren entsprechende Rechnungen bereits für das Jahr 1935. Dazu kommen Zeitzeugenberichte, auf die sich ihre Rekonstruktion stützt. Damit ist zumindest dokumentiert, dass Hildebrand vor dem Zweiten Weltkrieg Currypulver bezog. Ob sich daraus zweifelsfrei ableiten lässt, dass er 1936 bereits exakt das Gericht servierte, das wir heute als Currywurst bezeichnen, bleibt schwieriger zu beantworten.

Die Duisburger These verfügt inzwischen über deutlich mehr Substanz als eine bloße lokale Legende. Einen zeitgenössischen Speiseplan, ein Rezept oder einen anderen unmittelbaren Beleg mit der Bezeichnung „Currywurst“ aus dem Jahr 1936 gibt es nach dem derzeit öffentlich dokumentierten Forschungsstand allerdings nicht. Der WDR formulierte die Sache im Juni 2026 deshalb passend vorsichtig: Die Currywurst wurde wahrscheinlich in Nordrhein-Westfalen erfunden. Selbst das Deutsche Patent- und Markenamt führt Duisburg inzwischen ausdrücklich als konkurrierenden Erfindungsort und verweist auf eine mögliche Currywurst in „Peter Pomm’s Pusztetten-Stube“ im Jahr 1936 (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Ludwig Dinslage und die Erfindung der Currywurst auf Schloss Bückeburg im Jahr 1946

Neben diesen beiden Versionen des Currywurst-Ursprungs tauchte 2018 dann noch eine dritte Variante auf. So ließ Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe in der Bild-Zeitung vermelden, dass die Currywurst auf das Jahr 1946 zurückginge.

Konkret auf den Koch Ludwig Dinslage, der in den Nachkriegsjahren auf Schloss Bückeburg in Niedersachsen angestellt gewesen sei. Fürst zu Schaumburg-Lippe ließ es sich als Besitzer des Gebäudes nicht nehmen, folgende Geschichte als Beleg zu liefern: 1946 kamen britische Offiziere der Rheinarmee auf das Schloss. Aufgrund fehlender Vorräte sei der Koch zur Improvisation gezwungen gewesen und habe eine Soße aus Aprikosenmarmelade, Tomatenketchup, Curry und Salz kreiert. Mit Erfolg. Denn das Gericht sei hervorragend bei den britischen Gästen angekommen (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Bis auf die Aussagen in der Presse ist diese Geschichte aber nicht weiter belegt, sodass hier zumindest Zweifel angebracht sind.

Eine Pappschale mit einer Portion Currywurst mit dicker Soße und Pommes Frites auf einem Tisch. Die Pommes sind goldbraun frittiert und die Currywurst ist mit einer reichhaltigen Soße bedeckt.
Tag der Currywurst. Kuriose Feiertage – 4. September © 2015 Sven Giese – Bild 3

Currywurst im Hamburg des Jahres 1947 – der Schriftsteller Uwe Timm und seine Novelle Entdeckung der Currywurst

Laut dem deutschen Schriftsteller Uwe Timm und seiner 1993 veröffentlichten Novelle Die Entdeckung der Currywurst muss die Currywurst aus Hamburg stammen. Konkret auf die Figur der Lena Brückner, die laut dem Autor somit als Erfinderin der Currywurst zu sehen sei. Timm besteht darauf, dass der Text – trotz aller Fiktionalität – auf seinen eigenen Kindheitserinnerungen basiere und er 1947 persönlich eine Currywurst am Hamburger Großneumarkt verzehrt habe (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten). Allerdings „gesteht“ er später auch die winzige historische Authentizität dieser Aussage.

Immerhin liegt diese Zeitangabe zwei Jahre vor Herta Heuwer. Außer dieser subjektiven Erinnerung und dem literarischen Text gibt es aber keinen weiteren Beleg für diese Behauptung. Siehe dazu exemplarisch auch den Beitrag zum internationalen Wir-lieben-Memoiren-Tag (engl. We Love Memoirs Day) am 31. August.

Interessante Randnotiz an dieser Stelle: Tatsächlich entstand im Zuge der Veröffentlichung des Werks ein eigentlich nie ganz entschiedener Streit zwischen Uwe Timm und seinem Kollegen Gerd Rüdiger, der Herta Heuwers Geschichte in seinem Buch Currywurst. Ein anderer Führer durch Berlin (1995) beleuchtet. Die Presse betrachtete diesen vermeintlichen Streit als Marketinggag. 2003 erhielt die Geschichte dann allerdings eine gewisse Schärfe. Denn mit Bekanntgabe der Berliner Gedenktafel für Herta Heuwer kam erheblicher Gegenwind aus dem Norden der Republik, der primär durch eine, wohl nicht ganz ernst gemeinte Artikelserie der Hamburger Morgenpost, diese Ehrung als Anmaßung anprangerte. Flankiert wurde dies durch den damaligen Hamburger Innensenator Ronald Schill, der in Anlehnung an die Novelle von Uwe Timm eine Gedenktafel an einem Haus am Großneumarkt enthüllte (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten). Die Hamburger Plakette ist inzwischen nicht mehr vorhanden, während die Berliner Gedenktafel nach wie vor an ihrem Platz zu besichtigen ist (siehe das Foto oben).

Konnopke’s Imbiss – Max und Charlotte Konnopke bringen die Currywurst 1960 nach Berlin

Nur wenige Monate, nachdem Herta Heuwer ihre Chillup-Soße als Marke hat registrieren lassen, tauchte die Currywurst auch im Ostteil der Stadt auf. Konkret im Jahr 1960, in dem das ostberliner Ehepaar seine Imbissbude unter dem U-Bahn-Viadukt Schönhauser Allee im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg eröffnete. Tatsächlich existierte das Geschäft der Familie Konnopke aber schon seit dem 4. Oktober 1930. Zunächst noch als Bauchladen, der an der Ecke Schönhauser Allee/Danziger Straße. Ab 1947 dann als Wurstwagen und ab 1960 in der Imbissbude, die auch heute noch an ihrem ursprünglichen Standort zu finden ist (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Wie sind die Ostberliner dann aber – unabhängig von Herta Heuwer – zur Currywurst gekommen? Die Geschichte kursiert in verschiedenen Varianten, am wahrscheinlichsten ist aber folgende Version: Konnopkes Sohn arbeitete in den 1950er-Jahren im Westteil Berlins und berichtete seinem Vater von der Currywurst. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt zwar schon geteilt, jedoch stand die Mauer zu dieser Zeit noch nicht. Da echtes Ketchup in der damaligen DDR nicht zu bekommen war, musste eine Tube aus dem Westen als Vorlage dienen. Laut Aussagen von Waltraud Ziervogel, der Tochter der Konnopkes, versuchte die Familie mit Tomatenmark und Tomatenpüree, den Geschmack zu reproduzieren. Sehe dazu auch den Beitrag zum US-amerikanischen Ketchup-Tag (engl. National Ketchup Day) am 5. Juni.

So entstand die Konnopke-Mischung für die DDR-Variante der Currywurst. Beide Geschichten machen somit Berlin zur international bekannten Geburtsstätte der Currywurst.

Currywurststücke in roter Sauce mit Currypulver, dazu knusprige Baguettescheiben auf schwarzem Tablett.
Tag der Currywurst. Kuriose Feiertage – 4. September © 2026 Sven Giese – Bild 4

Seit 2025 hat Duisburg einen eigenen Tag der Currywurst am 22. September

Die Duisburger Ursprungsthese hat inzwischen sogar kalendarische Folgen. Am 22. September 2025 enthüllte die Stadt an Peter Pomms ehemaliger Pusztetten-Stube in Duisburg-Marxloh eine Messingtafel, die an Peter Johann Hildebrand und die angebliche Erfindung der Currywurst im Jahr 1936 erinnert.

Gleichzeitig erklärte das Duisburger Stadtmarketing den 22. September zum lokalen Tag der Currywurst. Das Datum entspricht dem Geburtstag Peter Johann Hildebrands.
Damit existieren inzwischen zwei unterschiedliche Currywursttage mit zwei unterschiedlichen historischen Bezugspunkten:

Der etablierte 4. September verliert dadurch nicht automatisch seine Berechtigung. Sein Datum verweist weiterhin auf Herta Heuwers Berliner Currywurst-Geschichte. Der Duisburger 22. September erzählt inzwischen eine zweite Version dieser kulinarischen Erinnerungskultur.

DatumAktionstagHistorischer Bezug
4. SeptemberTag der Currywurst in DeutschlandÜberlieferte Erfindung der Currywurst bzw. Chillup-Soße durch Herta Heuwer am 4. September 1949 in Berlin
22. SeptemberDuisburger Tag der CurrywurstGeburtstag von Peter Johann Hildebrand, der nach neueren Recherchen bereits 1936 in Duisburg eine frühe Currywurst serviert haben soll

Berlin, Duisburg, Bückeburg oder Hamburg – wer hat die Currywurst nun wirklich erfunden?

Nimmt man die heute verfügbaren Quellen zusammen, lässt sich die Erfindung der Currywurst nicht mehr seriös und eindeutig Herta Heuwer zuschreiben.

Die Berliner Geschichte ist besonders gut dokumentiert, wenn es um Herta Heuwers Chillup-Soße, ihre Marke und die Popularisierung der Currywurst ab 1949 geht. Dass am 4. September 1949 an ihrem Imbissstand eine entsprechende Soßenkreation entstand, gehört fest zur Berliner Erinnerungskultur und wird durch die Gedenktafel dokumentiert.

Die Duisburger Recherche verschiebt die zeitliche Perspektive erheblich. Historische Unterlagen belegen, dass Peter Johann Hildebrand bereits Mitte der 1930er-Jahre Currypulver bezog. Nach den ausgewerteten Zeitzeugenberichten soll er 1936 Wurst mit Tomatensoße und Curry serviert haben. Damit besitzt Duisburg derzeit den ältesten ernsthaft dokumentierten Anspruch.  Bückeburg folgt mit einer auf 1946 datierten Geschichte um Küchenmeister Ludwig Dinslage. Hamburg verweist auf Uwe Timms Erinnerung an eine Currywurst im Jahr 1947. Berlin besitzt mit Herta Heuwer schließlich den berühmtesten und institutionell am stärksten verankerten Ursprungsmythos von 1949.

OrtJahrZugeschriebene PersonQuellenlage
Duisburg1936Peter Johann Hildebrand alias Peter PommHistorische Curry-Lieferungen und spätere Zeitzeugenberichte; derzeit ältester substanziell dokumentierter Anspruch
Bückeburg1946Ludwig DinslageSpätere Erinnerungen und Presseberichte; kein unmittelbarer zeitgenössischer Nachweis des Gerichts
Hamburg1947Lena Brücker / Uwe TimmLiterarische Verarbeitung und persönliche Kindheitserinnerung Uwe Timms
Berlin1949Herta HeuwerGut dokumentierte Chillup-Tradition, Markenregistrierung und Gedenktafel; frühere ähnliche Gerichte inzwischen plausibel
Ost-Berlin1960Familie KonnopkeUnternehmensgeschichte dokumentiert die Einführung der Currywurst in Ost-Berlin

Möglich ist weiterhin, dass verschiedene Köche unabhängig voneinander auf ähnliche Kombinationen aus Wurst, Tomatensoße bzw. Ketchup und Currypulver kamen. Die Zutaten waren keineswegs vollkommen unbekannt. Curry und Ketchup waren bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erhältlich, wenn auch wesentlich weniger verbreitet als später.

Gerade die neue Duisburger Spur spricht dafür, die Currywurst weniger als plötzliche Erfindung einer einzelnen Person und stärker als kulinarische Entwicklung zu betrachten.

Auch die lange verbreitete Aussage, die Currywurst selbst sei eindeutig ein Kind der deutschen Nachkriegszeit, benötigt deshalb eine kleine Korrektur. Ihre große Karriere als deutsches Imbissgericht gehört zweifellos in die Nachkriegszeit. Sollte die Duisburger Rekonstruktion stimmen, reichen ihre kulinarischen Vorläufer allerdings mindestens bis in die 1930er-Jahre zurück.

Wer die Currywurst nun tatsächlich als Erster serviert hat, bleibt damit weiterhin offen. Bemerkenswert ist immerhin, dass das Deutsche Patent- und Markenamt seine aktuelle Darstellung vom März 2026 mit einer erfreulich eindeutigen Antwort auf diese Frage beendet: Man weiß es nicht.

Aber egal, wer sie letztlich erfunden hat, lecker ist sie auf jeden Fall. Und passend dazu habe ich mir heute am Duisburger Hbf auch erst mal eine Currywurst mit Pommes (siehe dazu auch den US-amerikanischen Pommes-Tag (engl. National French Fry Day) am 13. Juli) gegönnt. An dieser Stelle auch nochmals vielen lieben Dank an meinen alten Freund Thomas Huntke, der mir das Bild von der Berliner Gedenkplakette für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. :)

Faktencheck zum Tag der Currywurst und seiner Entstehung

Abschließend noch ein kurzer Faktencheck der zentralen Aussagen rund um den Tag der Currywurst und die Geschichte des Gerichts. Die angegebenen Vertrauensstufen sind redaktionelle Einschätzungen auf Basis von Quellenqualität, Quellenanzahl und Übereinstimmung der Belege. Sie stellen keine statistischen Messwerte dar.

BehauptungStatusVertrauensstufeBegründung
Der Tag der Currywurst wird in Deutschland am 4. September begangen.WAHR95 %Der Termin ist seit Jahren in Kalender- und Medienquellen dokumentiert. Ein offiziell staatlich festgelegter Aktionstag ist er nicht.
Ein eindeutig belegter Initiator des Tags der Currywurst am 4. September ist bekannt.UNGEPRÜFT20 %In den untersuchten Quellen findet sich weder ein belastbarer Initiator noch ein eindeutig dokumentiertes Gründungsjahr.
Der 4. September bezieht sich auf Herta Heuwers Currywurst-Geschichte aus dem Jahr 1949.WAHR95 %Die Berliner Gedenktafel nennt ausdrücklich den 4. September 1949 als Datum der Entstehung ihrer Chillup-Soße. Diese Überlieferung erklärt die Datumswahl plausibel.
Herta Heuwer hat zweifelsfrei die Currywurst erfunden.UNGEPRÜFT55 %Berlin besitzt eine gut dokumentierte Tradition ab 1949. Ältere Ansprüche aus Duisburg, Bückeburg und Hamburg verhindern inzwischen eine eindeutige historische Zuschreibung.
Herta Heuwer ließ die Currywurst bzw. ihr Rezept patentieren.FALSCH99 %Heuwer ließ kein Currywurstrezept patentieren. 1959 wurde die Wort-/Bildmarke „Chillup“ unter der Nummer 721319 als Warenzeichen für „Spezial-Sosse“ eingetragen.
Peter Johann Hildebrand servierte bereits 1936 in Duisburg eine Form der Currywurst.TEILWEISE80 %Historische Belege dokumentieren Curry-Lieferungen an Hildebrand bereits vor 1936; Zeitzeugenberichte stützen die Zubereitung von Wurst mit Tomatensoße und Curry. Ein unmittelbarer zeitgenössischer Nachweis des fertigen Gerichts fehlt bislang.
Duisburg begeht seit 2025 einen eigenen Tag der Currywurst am 22. September.WAHR99 %Am 22. September 2025 wurde in Duisburg-Marxloh eine Gedenktafel für Peter Johann Hildebrand enthüllt. Duisburg Kontor erklärte seinen Geburtstag zugleich zum lokalen Tag der Currywurst.
Konnopke’s Imbiss brachte die Currywurst 1960 nach Ost-Berlin.WAHR98 %Die Unternehmenschronik von Konnopke dokumentiert 1960 als Jahr der Einführung der Currywurst in Ost-Berlin.
Ludwig Dinslage erfand die Currywurst 1946 auf Schloss Bückeburg.TEILWEISE60 %Die Geschichte ist bereits seit den 1980er-Jahren dokumentiert und wird durch spätere Erinnerungen gestützt. Ein zeitgenössischer Beleg aus dem Jahr 1946 liegt öffentlich nicht vor.
Uwe Timm aß bereits 1947 in Hamburg Currywurst.UNGEPRÜFT45 %Timm hat diese Kindheitserinnerung mehrfach selbst geschildert. Unabhängige zeitgenössische Belege für eine Hamburger Currywurst von 1947 sind nicht bekannt.
In Deutschland werden jährlich rund 800 Millionen Currywürste gegessen.UNGEPRÜFT50 %Die Zahl wird seit vielen Jahren zitiert und geht auf ältere Angaben rund um das ehemalige Deutsche Currywurst Museum zurück. Eine aktuelle, transparente Erhebung oder amtliche Statistik ist nicht ersichtlich.
Die Currywurst kann historisch eindeutig einer einzigen Erfinderin oder einem einzigen Erfinder zugeschrieben werden.FALSCH95 %Die verfügbaren Quellen lassen mehrere plausible Entwicklungslinien erkennen. Auch das DPMA kommt in seiner aktuellen Darstellung zu keiner eindeutigen Zuschreibung.

In diesem Sinne: Guten Appetit und Euch allen einen tollen Tag der Currywurst.

Egal, ob in Berlin, Duisburg, Bückeburg, Hamburg oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen und Quellen zum Tag der Currywurst

Kategorien Kulinarische Kuriositäten, September Schlagwörter 4. September

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