Panik-Tag – National Panic Day in den Vereinigten Staaten

Durchatmen. Ruhig werden. Den 9. März feiern die USA als nationalen Panik-Tag (engl. National Panic Day). Kein Grund zur Panik. Was es mit diesem Aktionstag im Detail auf sich hat und warum dieser panische Tag einen festen Platz im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt verdient, erzählt der vorliegende Beitrag. Ist dieses Datum also ein Grund zur Panik?

National Panic Day - Panik-Tag in den USA. Kuriose Feiertage - 9. März © 2020 Sven Giese
National Panic Day – Panik-Tag in den USA. Kuriose Feiertage – 9. März © 2020 Sven Giese

Wann feiern die USA ihren nationalen Panik-Tag?

Der Panik-Tag (engl. Panic Day) findet in den USA jedes Jahr am 9. März statt.

Wer hat den Panic Day ins Leben gerufen?

Darf man älteren Ausgaben von Chase Calendar of Events, dem internationalen Standardwerk in Sachen kuriose Feiertage, glauben, so steht hinter dem Panic Day das sogenannte International Sky is Falling Committee. Bei näherer Betrachtung erweist sich dieses Komitee allerdings als Erfindung des US-amerikanischen Ehepaars Ruth und Tom Roy. So berichtet Tom Roy in einem Interview mit Richard E. Meyer von der LA Times vom 19. November 1996:

„Chase’s holiday form requires the name of the sponsoring person or agency. For „Panic Day,“ he called himself the International Sky is Falling Committee.“

(Quelle: Richard E. Meyer: A Healthier Nation Via . . . Bathtub Party Day – auf: latimes.com am 19. November 1996 – siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten)

Der Panic Day ist somit eine Erfindung der Familie Roy. Mit ihrer Website wellcat.com gelten die beiden als eine echte Instanz in Sachen kalendarischer Kuriositäten und haben seit Beginn der 2000er Jahre auf dieser Plattform insgesamt 85 markenrechtlich geschützten Anlässe online gestellt. Darunter solch großartige Schöpfungen wie z.B. den Erfinde-Deinen-eigenen-Feiertag-Tag (engl. Make Up Your Own Holiday Day) am 26. März (siehe dazu auch die Liste weiterführender Links unten – hier vor allem die Übersicht im verlinkten Wikipedia-Eintrag und den CNN-Beitrag von Doug Criss).

Im Falle des US-amerikanischen Panik-Tages datiert die frühste bekannte Version eines Beitrags auf der Website wellcat.com für den Mai 2000. Tatsächlich reichen die Ursprünge dieses Anlasses noch weiter zurück. So hat Tom Roy bereits während seiner Tätigkeit als Radiomoderator und Journalist in den späten 1980er Jahren mit der Schaffung eigener Feiertage begonnen. Der erste Anlass, den der US-Amerikaner zu dieser Zeit bei der Redaktion von Chase Calendar of Events einreichte, war der Northern Hemisphere Hoodie-Hoo Day (dt. Hoodie-Hoo-Tag auf der Nordkugel) am 20. Februar. Kurz darauf folgten der internationale Tag der Frustrationsschreie (engl. International Moment of Frustration Scream Day) am 12. Oktober und eben der Panik-Tag.

„Panic Day was “either the second or third“ holiday Roy created.“

(Quelle: Daniel de Vise:  What, you worried? Don’t be alarmed by this holiday – auf: herald.com am 9. März 2003  – siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten)

Seit wann gibt es den US-amerikanischen Panik-Tag?

Mit Blick auf das Gründungsjahr schafft hier ein Beitrag von Rick Greenberg aus der Washington Post vom 12. Oktober 1994 Klarheit. Dieser verortet den US-amerikanischen Panik-Tag ca. vier Jahre vor dem Erscheinen des Beitrags (engl. „(…) the Roys, a couple from Lebanon, Pa., who dreamed up the holiday about four years ago“). Also entweder 1989 oder 1990. In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Richard E. Meyer in der LA Times, der auf die Gründung des Panic Day in den späten 1980er/frühen 1990er Jahren verweist (siehe dazu auch die Liste weiterführender Links unten).

Weshalb fällt der Tag der Panik auf den 9. März?

Wie bei den meisten anderen kuriosen Feiertagen aus dem Hause Roy gibt es auch im Falle des Panic Day keine konkrete Begründung für das gewählte Datum am 9. März. Diese eher zufällige Verortung im Kalender bestätigt Tom Roy auch ausdrücklich in einem Gespräch mit Daniel de Vise vom Miami Herald vom 9. März 2003:

„The date, March 9, is purely arbitrary, chosen mainly because it wasn’t already claimed by another major holiday. But every year, Roy said, a confluence of world events leads some observers to conclude that he is prophetic.“

(Quelle: Daniel de Vise:  What, you worried? Don’t be alarmed by this holiday – auf: herald.com am 9. März 2003  – siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten)

Insofern ist eine direkte inhaltlichen Verbindung zum parallel am 9. März begangenen US-amerikanischen Tag der Fleischbällchen (engl. National Meatball Day), dem Finde-Dich-damit-ab-Tag (engl. Get Over It Day) oder Barbies Geburtstag eigentlich auszuschließen. Zumindest konnte ich im Zuge der Recherchen für den vorliegenden Beitrag dazu nichts herausfinden.

Ziele und Intention: der nationale Panik-Tag als Aufruf zum bewussten Umgang mit Panik

Der Begriff Panik beschreibt einen psychischen Zustand intensiver Angst vor einer realen/vermuteten Bedrohung, welche den menschlichen Organismus unter starken Stress setzt. Diese geht in vielen Fällen einher mit einer ganzen Reihe von vegetativen Symptomen und kann u.U. auch zu starken Einschränkungen bzw. Versagen der höheren menschlichen Fähigkeiten führen

Tom Roy liefert im Kontext der zuvor genannten Zeitungsartikel gleich auch noch eine Begründung für die Intention dieses nationalen Panik-Tages. Und diese sind biografisch begründet. So habe er als junger Mann unter Panikattacken und Versagensängsten gelitten, die ihn schließlich in eine Tablettenabhängigkeit getrieben hätten. Schließlich habe ein Therapeut ihm den Tipp gegeben, sein panisches Verhalten durch Schauspielerei zu bekämpfen. Auf diese Weise habe er die Kontrolle über sein Leben und Vertrauen in seine Fähigkeiten zurückgewonnen (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Zur Feier dieses Sieges habe er den nationalen Panik-Tag ins Leben gerufen. Roy gab sich und allen anderen Menschen am 9. März die kalendarische Erlaubnis, an mindestens einem Tag des Jahres bewusst panisch durch die Gegend zu laufen. Allerdings nicht, um vor der Panikattacke zu kapitulieren, sondern diese als Teil des Lebens zu akzeptieren. Wenn man, so Roy weiter, seinen Stress ein bisschen rauslässt, gehe man am Ende des Tages tatsächlich mit einem besseren Gefühl ins Bett.

Aufmerksamen Leser der kuriosen Feiertage wird an dieser Stelle auch die inhaltliche Nähe zum Internationalen Panik-Tag (engl. International Panic Day) am 18. Juni auffallen. Neben dem Datum und der internationalen Ausrichtung geht es hier im Ansatz aber um dieselbe Sache.

Denn im Prinzip betonen beide Anlässe, wenn ich es richtig verstehe, einen bewussten Umgang mit Panik bzw. panischem Verhalten. Sozusagen ein Tag zum Durchatmen und Herunterkommen von etwaigem Panik-Anflug haben. Insofern ein Tag Aktionstag für alle, die sich sehr viele Sorgen machen bzw. Panik vor bzw. wegen einer Sache haben. Und das ist kein Zustand, den man ins Lächerliche ziehen sollte.

In diesem Sinne: Vermeidet panisches Verhalten und nutzt den heutigen Tag dazu, etwas die Ruhe zu bewahren. Passt nämlich ganz wunderbar zum ebenfalls am 9. März gefeierten US-amerikanischen Finde-Dich-damit-ab-Tag (engl. Get Over It Day). :)

Weitere Informationen und Quellen zum US-amerikanischen Panik-Tag am 9. März