Welttag der Poesie – UNESCO World Poetry Day

Schon gewusst? Seit 2000 steht der 21. März als UNESCO Welttag der Poesie (engl. World Poetry Day) im Zeichen von Dichtung, Lyrik und Poesie. Grund genug, diesem poetischen Anlass mit internationaler Ausrichtung einen eigenen Beitrag im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt zu spendieren und seine Geschichte im Folgenden zu erzählen. Worum geht es dabei?

Gwendolyn Brooks-Plakette "Poetry" auf dem Library Way New York. (East 41 Street/Fith Avenue). Kuriose Feiertage - 21. März: Welttag der Poesie - UNSECO World Poetry Day (c) 2019 Sven Giese
Gwendolyn Brooks-Plakette „Poetry“ auf dem Library Way New York. (East 41 Street/Fith Avenue). Kuriose Feiertage – 21. März: Welttag der Poesie – UNSECO World Poetry Day (c) 2019 Sven Giese

Wer hat den World Poetry Day ins Leben gerufen?

Wie bei so vielen anderen Beiträgen aus dem Kalender der literarischen Feiertage und UNSECO-Anlässen gilt auch im Falle des World Poetry Day, dass seine Ursprünge bzw. Hintergründe relativ gut dokumentiert sind. Buchmenschen und Sprachfreunde sind diesbezüglich ja schon eher genau. ;) So geht, wie einleitend bereits ja angedeutet, die Initiative auf eine Initiative der UNESCO (engl. United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization – Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) aus dem Jahre 1999 zurück.

Konkret verabschiedet wurde dieser internationale Aktionstag zu Ehren der Poesie durch die 30. UNESCO-Generalversammlung vom 26. Oktober bis 17. November in Paris mit der Resolution 30C/RES.29. Die erste Auflage fand dementsprechend am 21. März 2000 statt (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Warum fällt der Welttag der Poesie auf den 21. März?

Demgegenüber konnte ich im Zuge der Recherchen für den vorliegenden Beitrag allerdings nicht herausfinden, warum man sich seitens der UNESCO hier den 21. März als Datum des Welttags der Poesie ausgesucht hat. Eine konkrete Begründung bzw. einen spezifisch historischen bzw. poetischen Bezug scheint es für diesen Termin nicht zu geben. Insofern ist davon auszugehen, dass man hier schlichtweg nach einem freien Datum im Jahreskalender der Vereinten Nationen gesucht hatte.

Nicht unerwähnt sollte hier allerdings bleiben, dass die Idee für einen internationalen Poesie-Tag keineswegs eine genuine Idee der UNSECO ist. Denn geht man der Sache nach, so finden sich relativ schnell Hinweis auf einen World Poetry Day, der auf die US-Amerikanerin Tessa Sweezy Web und das Jahr 1936 zurückgeht. Die aus Ohio stammende Sweezy Web hatte in diesem Jahr damit begonnen, lokale Dichter und Poeten am jeweils dritten Samstag im Oktober mit einem eigenen Ehrentag zu feiern. Dies war zugleich aber auch der Startschuss für eine weltweite Verbreitung dieser Idee, die bis 1951 Teilnehmer aus über 41 Nationen gewinnen konnte.

Als Datum kristallisierte sich hier im Laufe der Zeit allerdings der 15. Oktober heraus, der als Referenz an den Geburtstag des römischen Dichters und Epikers Virgil (70 – 19. v. Chr.) verstanden wurde. Diese Tradition hat – unabhängig vom UNSECO World Poetry Day – in vielen Ländern als nationale Variante des Ehrentags der Poesie nach wie vor Bestand (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Ziele und Intention des World Poetry Day: Der Stellenwert der Poesie im Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts

Wie immer bei den von der UNESCO und den unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen initiierten Welttagen gibt es auch im Falle des World Poetry Day einen durchaus ernsten Hintergrund bzw. appellativen Impetus. So soll mit dem World Poetry vor allem an den Stellenwert der Poesie als Ausdruck der Vielfalt des menschlichen Kulturguts Sprache im Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts erinnert werden (siehe dazu auch den Beitrag zum ebenfalls von der UNESCO initiierten Internationalen Tag der Bildung (alternativ auch: Welttag der Bildung – UNESCO International Day of Education) am 24. Januar).

Dabei betonen die Vereinten Nationen in diesem Zusammenhang aber vor allem auch die Bedeutung und Förderung des interkulturellen Austauschs durch die Überlieferung mündlicher Tradition(en). Oder, um es mit den Worten der UNESCO General-Direktorin Irina Bokova aus dem Jahre 2014 zu sagen:

„As a deep expression of the human mind and as a universal art, poetry is a tool for dialogue and rapprochement. The dissemination of poetry helps to promote dialogue among cultures and understanding between peoples because it gives access to the authentic expression of a language.“

(Irina Bokova, Director-General of UNESCO – Quelle: Message for the World Poetry Day – 21. März 2014 – siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten)

Konkret umgesetzt werden soll dies am 21. März durch eine Vielzahl an Veranstaltungen, deren Spektrum von Lesungen über Ausstellungen bis hin zur Rezitation von Lyrik in Medien und kulturellen Einrichtungen reicht. Da die UNESCO mit ihren Welttagen aber immer auch ein Bewusstsein für das jeweilige Thema bei den jüngeren Generationen schaffen will, sollen mit diesen Aktionen vor allem Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt angesprochen und ihr Interesse an der Poesie geweckt bzw. gefördert werden.

Was vor diesem Hintergrund allerdings die globale Aktion des Trommelns für den Frieden um 11:30 Uhr MEZ bedeuten soll, möge man mir seitens der Initiatoren bei Gelegenheit mal erklären. Diese inhaltliche Brücke erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht so ganz. Aber egal, Frieden und Poesie sind ja auch so in die Kategorie des Guten, Wahren und Schönen einzuordnen und das reicht mir dann auch zunächst auch als Hinweis. ;)

Zum Welttag der Poesie: Drei Poesie-Empfehlungen in eigener Sache

Oh, und bevor ich das vergesse, die deutsche Zentralveranstaltung zum Welttag der Poesie wird von der Literaturwerkstatt Berlin und ihrem Webportal lyrikline.org ausgerichtet. Vielleicht sollte ich dort nochmals wegen dem Trommeln nachfragen (…) ansonsten abschließend noch drei Hinweise in eigener Sache bzw. Lyrik-Werke, die ich in den letzten Wochen gelesen habe.

Zunächst die Gedichtsammlung Ein Aquarium des US-Amerikaners Jeffrey Lang (Berenberg 2012). Weiterhin ein Langgedicht in Buchform: Das Ministerium der verletzten Gefühle vom indischen Autor und Poeten Altaf Tyrewala (Berenberg 2013) sowie abschließend die lyrische Maori-Erzählung Sternen-Waka des Neuseeländers Robert Sullivan (MANA Verlag 2012). Alle drei Werke liegen als deutsch-englische Ausgaben vor und wer sich für das Thema moderne (internationale) Poesie interessiert, sollte hier unbedingt mal einen Blick darauf werfen (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten.

Und wer von Euch nichts mit Lyrik anfangen kann, für den/die bietet der 21. März mit dem International Colour Day (dt. Internationaler Tag der Farbe), dem Welttag des Holzes (engl. World Wood Day), dem US-amerikanischen Tag des Baguettes (engl. National French Bread Day), dem Welt-Down-Syndrom-Tag (engl. World Down Syndrome Day) oder dem Welttag der Hauswirtschaft (engl. World Home Economics Day) eine ganze Reihe kalendarischer Alternativen.

In diesem Sinne: Euch allen einen tollen und inspirierenden World Poetry Day. Egal, wo Ihr Euch gerade befindet. :)

Weitere Informationen zum UNESCO Welttag der Poesie