Tag des Radios in Russland

Auch wenn sich die Situation russischer Journalisten und Medienvertreter in den letzten Jahren nicht unbedingt in eine positive Richtung entwickelt hat, feiert man in der ehemaligen Sowjetunion nach wie vor eine ganze Reihe medienbezogener Ehrentage. Einer davon ist der 7. Mai, den man in Russland seit 1945 als den sogenannten Tag des Radios bzw. dem Radiotag (russ. День радио) begeht. Grund genug, diesen Anlass mit in die Sammlung der kuriosen Feiertage aus aller Welt aufzunehmen und seine Geschichte im Folgenden etwas näher zu beleuchten. Um was geht es dabei?

 Kuriose Feiertage - 7. Mai - Tag des Radios in Russland 2017 Sven Giese

Kuriose Feiertage – 7. Mai – Tag des Radios in Russland 2017 Sven Giese

Warum fällt der Tag des Radios in Russland auf den 7. Mai?

Die Wahl des Datums ist im Falle des russischen Radiotags eine historische Referenz an den 7. Mai 1895, an welchem dem russischen Physiker und Pionier der Funktechnik Alexander Stepanowitsch Popow (1859 – 1906) in Sankt Petersburg die erste erfolgreiche Vorführung einer Funkübertragung gelang.

Bei diesem ehemaligen sowjetischen Gedenktag ist allerdings zu beachten, dass 1895 im russischen Reich noch der julianische Kalender galt und das Datum nach dieser Zeitrechnung auf den 25. April fiel. Dies aber nur als Randbemerkung. Thematisch steht der 7. Mai bei unseren russischen Nachbarn also in direkter Nähe zum UNESCO Welttag des Radios (engl .World Radio Day) am 13. Februar oder dem Weltamateurfunktag (engl .World Amateur Radio Day) (18. April).

Alexander Stepanowitsch Popow sendet Heinrich Hertz

Wie eingangs bereits erwähnt gilt der russische Physiker als einer der Pioniere der Funktechnik, der er sich mit seinen Forschungen zu elektromagnetischen Wellen ab den späten 1880er widmete.

Der konkrete historische Bezug zum heutigen 7. Mai als russischer Tag des Radios ergibt sich dann durch die folgende Begebenheit: Popow hielt am 7. Mai 1895 im Rahmen eines Treffens der Russischen Gesellschaft für Physik und Chemie in Peterburg einen Vortrag über seine Experimente und Forschungen zum Empfang elektromagnetischer Schwingungen auf Distanzen.

Hier präsentierte er seinen Kollegen auch ein entsprechenden Empfänger, für den er einen sogenannten Kohärer (abgeleitet vom engl. Coherer – alternativ auch: Fritter) verwendete, ein elektrisch isolierendes, teilweise mit Metallspänen gefülltes Glasrohr, welches an seinen Enden mit Elektroden die anzuzeigenden elektromagnetische Wellen von der Antenne zugeführt bekommt.

Kurzum, ein Detektor für Radiowellen. Wenige Monate später publizierte der Russe im Journal besagter Gesellschaft dann einen Fachartikel unter dem Titel Gerät zur Aufspürung und Registrierung elektrischer Schwingungen.

Diese im Januar 1896 abgedruckte Publikation beschreibt detailliert den schematischen Aufbau eines solchen Radioempfängers, dessen Praxistauglichkeit er am 24. März 1896 praktisch demonstrieren konnte. An diesem Tag sendete er zu Ehren des gleichnamigen deutschen Physikers und Entdeckers der elektromagnetischen Wellen die Worte Heinrich Hertz über eine Entfernung von 250 Metern und konnte somit den Beweis für seine Theorie erbringen.

Wer erfand das Radio? Popow oder Marconi?

Während Popow damit wissenschaftshistorisch gesehen als Erfinder bzw. Entdecker dieser Sende- und Empfangsmöglichkeit von Radiowellen gilt, braute sich patentrechtlicher Ärger in Großbritannien zusammen. Was war geschehen? Im Juni 1896 ließ sich der Italiener und spätere Physik-Nobelpreisträger Guglielmo Marconi (1874 – 1937) das von Popow beschriebene und entwickelte Gerät zur Aufspürung und Registrierung elektrischer Schwingungen in Großbritannien noch vor seinem russischen Kollegen patentieren.

Obwohl sich Popow darauf hin massiv – und wohl auch mit einigem Recht – in der internationalen Presse darüber beschwerte und sein Prioritätsrecht einforderte, führte dies dazu, dass man im Westen ausschließlich Marconi als Erfinder des Radios ansah, während man in Russland und den späteren Ostblockstaaten diese Ehre Popow erwies.

Der Kalte Krieg und die ideologischen Konflikte zwischen den beiden großen Blöcken haben diese unterschiedliche Anerkennung bzw. Wahrnehmung dann ab 1945 nochmals deutlich befeuert. Die Existenz des russischen Radiotags ist der beste Beweis dafür.

Der oben beschriebene Streit über die Urheberschaft darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeit und Forschung beider Männer wesentlich zur Entwicklung des modernen Radios beigetragen hat.

Allerdings gibt es auch nicht wenige Hinweise, welche den eigentlichen Impuls für diese Forschungen dem kroatischen Physiker Nikola Tesla (1856 – 1943) zuschreiben, dessen Empfänger für Radiowellen bei einem Brand im Jahr 1895 zerstört wurde. Insofern muss diese Behauptung nach wie vor als Spekulation betrachtet werden.

In diesem Sinne: Euch allen einen entspannten Tag des Radios. Egal ob in Russland, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. 🙂

Weitere Informationen zum Tag des Radios in Russland

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Autor: Sven Giese

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Historische Kuriositäten, Mai 7. Mai, Tag des Radios in Russland

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