Tag der Erfinder – Happy Birthday Hedy Lamarr

Der 9. November steht im Rahmenkalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt ganz im Zeichen des Erfindergeistes und der Schauspielerin Hedy Lamarr. Was diese beiden miteinander zu tun haben und warum dieser Ehrentag der Erfinder definitiv mit in die vorliegende Sammlung kurioser Welttage gehört, soll mit dem vorliegenden Beitrag erzählt werden. Um was geht es beim heutigen Tag der Erfinder?

Kuriose Feiertage - 9. November - Tag der Erfinder (c) 2012 Sven Giese

Kuriose Feiertage – 9. November – Tag der Erfinder (c) 2012 Sven Giese

Wer hat den Tag der Erfinder ins Leben gerufen?

Im Gegensatz zu vielen anderen mehr oder weniger kuriosen Welttagen liegen im Falle des Tag der Erfinder eine ganze Reihe an gut dokumentierten Hintergrundinformationen vor. So geht der heutige Anlass auf die Initiative des Berliner Unternehmers und Erfinders Gerhard Muthenthaler zurück, der mit diesem seit 2005 begangenen Aktionstag den Menschen Mut machen möchte, an sich und die eigenen Ideen zu glauben. Ganz gleich, was andere davon halten.

Ob er dabei aber den ebenfalls heute in den USA begangenen Tag des ewigen Chaos (engl. Chaos Never Dies Day), den Tag der Neon-Schilder (engl. National Neon Sign Day) oder den bolivianischen Tag der Totenschädel (span. Dia de los Natitas) im Blick hatte, konnte ich im Zuge der Recherchen für den vorliegenden Beitrag allerdings nicht herausfinden.

Fakt aber ist, dass die Wahl des Datums durch den Geburtstag der österreichischen Erfinderin und Hollywood-Schauspielerin Hedy Lamarr (1914 – 2000) begründet ist und dieser Anlass zugleich auch eine Hommage an diese bemerkenswerte Frau. Für einen kuriosen Feiertag aus Deutschland eigentlich eher eine ungewöhnliche Wahl des Datums, da – wie bereits mehrfach hier auf den kuriosen Feiertagen angemerkt – dies eher eine Tradition des angelsächsischen Raums ist. Dies aber nur als Randnotiz.

Verschiedene internationale Tage des Erfinders

Zunächst ein paar allgemeine Informationen zu diesem Ehrentag der Erfinder: Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass der 9. November keineswegs der einzige Tag der Erfinder auf der Welt ist. So gibt es in den USA den National Inventor’s Day am 11. Februar, der bereits 1983 anlässlich des Geburtstages  von Thomas Alva Edison vom damaligen US-Präsidenten  Ronald Reagan per Proklamation ausgerufen wurde.

In diesem Zusammenhang sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass auf die Amtszeit der Regierung Reagan eine ganze Reihe von kuriosen Feiertagen zurückgeht. Exemplarisch sei dazu u.a. auf die folgenden Termine verwiesen:

Auch in Südamerika, genauer gesagt in Argentinien feiert man seit 1986 den 29. September als Tag der Erfinder, hier zu Ehren des Geburtstag des Kugelschreiber-Erfinders László József Bíró. Wer sich hier nich entscheiden kann/will, für den/die empfehle ich als ernstzunehmende Alternative den Welttag der Wissenschaft am 10. November. Darunter dürfte so ziemlich alles aus dem Bereich der Erfindungen subsumierbar sein. 😉

Aber zurück zum Tag der Erfinder am heutigen 9. November. Laut der Website des Initiators Gerhard Muthenthaler verfolgt man mit dieser Initiative die folgenden Ziele:

  • Gedenken an vergessene und große Erfinder bzw. ihr Werk
  • Förderung von eigenen Ideen und dem Mut zur Veränderung
  • Verbesserung des Rufes zeitgenössischer Erfinder
  • Aufruf zur Mitarbeit an der Verbesserung der Zukunft

Hedy Lamarr und die Erfindung des Frequenzsprungverfahrens

Die als Hedwig Kiesler geborene Hollywooddiva und ehemals „schönst Frau der Welt“ gilt nach Aussage des Initiators dieses kuriosen Feiertages vor allem als Prototyp eines Erfinders, weil sie unabhängig von ihrem Berufsstand eine Idee hatte und diese umzusetzen versuchte. Im Detail geht es hierbei um das sogenannte Frequenzsprungverfahren, welches auch heute noch gegenwärtig ist, wenn wir ein Mobiltelefon zur Hand nehmen. Wie ist es dazu gekommen?

Hedy Lamarr entwickelte eine 1942 patentierte Funkfernsteuerung für Torpedos, die durch sich selbstständig wechselnder Frequenzen absolut störsicher war. Dabei geht die Erfindung dieses Verfahrens allerdings auf ein gänzlich unkriegerisches Problem zurück:

Lamarr und der Komponist George Anteil suchten eine Lösung, um für ein Stück des Komponisten 16 Klaviere synchronisieren zu können. Gelöst wurde das Problem durch die Verwendung identischer Lochkarten in Sender und Empfänger, welche damit einen zeitgleichen Wechsel der Frequenz ermöglichte. Allerdings setze das US-amerikanische Militär dieses Verfahren während des Zweiten Weltkriegs niemals ein, da man das Patent einer Hollywoodschauspielerin und eines Komponisten nicht ernst nahm und somit den beiden ein finanzieller Nutzen verwehrt blieb.

Erst nachdem das Patent abgelaufen war, wurde dieses Verfahren im Rahmen der Kuba-Kriese in den 1960er Jahren wieder aufgegriffen und für die Entwicklung des Global System for Mobile Communications (früher Groupe Spécial Mobile, GSM), ein Standard für volldigitale Mobilfunknetze, herangezogen.

Endlich eine Würdigung zum 100. Geburtstag von Hedy Lamarr

Mit anderen Worten wäre also ohne Lamarrs Erfindung der Frequenzsprungtechnik heute jede Form mobiler Kommunikation (Bluetooth, GPS, Mobilfunk, WLAN usw.) undenkbar. Umso erstaunlicher ist es eigentlich, dass die gebürtige Wiernerin lange Zeit kaum die ihr gebührende Aufmerksamkeit erhielt. Nach ihrem Tod im Jahr 2000 wurde ihre Asche am nördlichen Wiener Stadtrand verstreut, wobei ihr Sohn Anthony einen Teil der sterblichen Überreste in der Hoffnung zurückhielt, dass seine Mutter eine eigene, gebührende Grabstätte erhalten würde.

In den letzten Jahren änderte sich die Wahrnehmung Lamarrs jedoch und sie wurde zu einer Art bildungspolitischen Rollenmodell. Auch die Sache mit der Grabstätte hat sich im Zuge dieser veränderten Wahrnehmung geklärt. Ursprünglich war diese bereits für das Jahr 2006 geplant, fiel jedoch zunächst der österreichischen Bürokratie zum Opfer.

Denn bei einem Ehrengrab übernimmt die Wiener Gemeinde zwar die Pflege und Schmückung des Grabes, nicht aber dessen Errichtung. So dauerte bis zum 7. November 2014, bis anlässlich des 100. Geburtstags von Hedy Lamarr ihre Urne auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wurde.

In diesem Sinne: Happy Birthday Hedy Lamarr. 🙂      

Weite Informationen zum Tag der Erfinder

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Autor: Sven Giese

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