Tag der Totenschädel in Bolivien – der bolivianische Dia de los ñatitas

Der 9. November führt den Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt u.a. auch nach Bolivien. Genauer gesagt in die Hauptstadt des Landes, nach La Paz. Denn dort feiert man dieses Datum traditionell als den Tag der Totenschädel (span. Dia de los ñatitas). Eine gute Gelegenheit, die Geschichte dieses Festes mit den folgenden Zeilen etwas näher zu beleuchten.

Tag der Totenschädel in Bolivien – der bolivianische Dia de los ñatitas. Kuriose Feiertage - 9. November (c) 2016 Sven Giese
Tag der Totenschädel in Bolivien – der bolivianische Dia de los ñatitas. Kuriose Feiertage – 9. November (c) 2016 Sven Giese

Warum fällt der Dia de los ñatitas auf den 9. November

Ohne an dieser Stelle den genauen Grund für die Wahl des Datums im November zu kennen, scheint es sich bei diesem Fest um eine Mischung der alten indianischen Quechua-Kultur und dem katholisch-christlichen Einfluss der spanischen Eroberer zu handeln.

Nicht wenige Kommentatoren verweisen daher auch auf zeitliche bzw. kalendarische Nähe zum Allerseelen-Fest und den Anschluss an die Feierlichkeiten des mexikanischen Tag der Toten (span. Día de los Muertos) am 2. November.

Was feiert der bolivianische Ehrentag der Schädel?

Für diese These der Vermischung spricht zumindest, dass Hauptort der Feierlichkeiten der Zentralfriedhof in La Paz ist. Dies korrespondiert dann zum einen mit der alten Anden-Tradition, drei Jahre nach Beerdigung einen Tag mit den Gebeinen verstorbener Angehöriger zu verbringen (siehe dazu u.a. auch die Sammlung thematisch verwandter Grusel-Feiertage).

Auch wenn man heute nicht mehr ganze Skelette, sondern nur noch Schädel für den Dia de los Natitas heranzieht. Da der bolivianische Volksglauben bei dieser Tradition davon ausgeht, dass diese Schädel bei entsprechender Behandlung den Nachfahren Glück bringen, werden sie dementsprechend während des ganzen Jahres in den heimischen vier Wänden der Familie gehütet und am heutigen 9. November typischerweise mit folgendem Beiwerk als Dank geschmückt:

  • frische Blumen,
  • Kleidungsstücke und Accessoires wie Hüte, Tücher und Sonnenbrillen,
  • Lebensmittel und kleine Snacks sowie
  • Coca-Blätter, Zigaretten und manchmal auch diverse Spirituosen

Wie fest der Dia de los ñatitas in der bolivianischen Gesellschaft verwurzelt ist, zeigt sich u.a. auch darin, dass selbst die katholische Kirche (wohl eher widerwillig) diese Feierlichkeiten zu Ehren der Schädel als Glücksbringer unterstützt und die Menschen die Totenköpfe zur kollektiven Segnung auf besagten Zentralfriedhof in LaPaz bringen.

Auch wenn sicherlich nicht mehr alle Totenköpfe von verstorbenen Familienmitgliedern stammen. ;) Und wer von Euch nichts damit anfangen kann, für den/die gibt es mit dem im deutschsprachigen Raum gefeierten Tag der Erfinder, dem US-amerikanischen Tag der Neon-Schilder (engl. National Neon Sign Day) oder dem Tag des ewigen Chaos (engl. Chaos Never Dies Day) mindestens drei kalendarische Alternativen.

In diesem Sinne: Euch allen einen Dia de los ñatitas. Egal ob in Bolivien, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

Weitere Informationen zum bolivianischen Schädeltag am 9. November