Fremdworttag

Der 20. Mai ist einer jener Termine im Rahmenkalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt, der für eine ganze Reihe an Anlässen steht. Einer davon ist der heute bei uns in Deutschland erfundene und begangene Fremdworttag, dessen Geschichte mit dem vorliegenden Beitrag erzählt werden soll. Warum feiern wir heute also die Fremdwörter?

Kuriose Feiertage - 20. Mai - Fremdworttag - 1 - (c) 2014 Sven Giese - www.kuriose-feiertage.de

Wer hat den Fremdworttag in Deutschland erfunden?

Im Gegensatz zu vielen anderen kuriosen Feier- und Aktionstagen, deren Ursprünge völlig unbekannt sind, gibt es im Falle des Fremdworttages zumindest einen Hinweis auf seinen Urheber und das Entstehungsjahr. Und der ist niemand anderes als mein lieber, fredtastischer Bloggerkollege und Zeichner Bastian Melnyk, der dieses Datum bereits 2006 zum Fremdworttag erklärt hat. Bastian ist in Sachen kuriose Feiertage in Deutschland wahrlich eine Instanz.

Reiht sich damit also ganz wunderbar in die Liste der erlesenen kalendarischen Kuriositäten aus dem Hause Melnyk und FonFlatter. Exemplarisch sei dazu u.a. auf die folgenden Termine verwiesen:

Ob bei der Wahl des Datums aber der ebenfalls heute gefeierte Pflück-Erdbeeren-Tag (engl. National Pick Strawberries Day) oder der internationale Tag der Maße und Gewichte (engl. Weights and Measures Day) eine Rolle gespielt haben, konnte ich im Zuge der Recherchen nicht herausfinden.

Ein paar Worte zum Hintergrund des Fremdworttages

Auch wenn Melnyk auf seiner Website fonflatter.de keinen konkreten Grund für die Wahl des Datums 20. Mai nennt, lassen sich doch zumindest ein paar definitorische Überlegungen hinsichtlich des heutigen Fremdworttages anstellen. Konkret, eine definitorische Annäherung an das, was in der modernen Sprachwissenschaft, also der Linguistik, unter den Begriff des Fremdworts subsumiert wird. Kurzum, was versteht man überhaupt unter einem Fremdwort?

Zunächst einmal Wörter, die aus anderen Sprachen in die eigene übernommen wurden, sich dabei aber hinsichtlich Betonung, Flexion, Lautstand, Schreibweise und Wortbildung so stark von der Zielsprache unterscheiden, dass sie – konträr zum integrierten Lehnwort – von jedem Muttersprachler sofort als „fremd“ erkannt werden.

Zu beachten ist weiterhin, dass die moderne Linguistik heute auf die Unterscheidung zwischen Fremd- und Lehnwörtern verzichtet, da diese Unterscheidung aufgrund der Vielzahl an Sonder- und Zweifelsfällen für einen wissenschaftlichen Begriff viel zu unpräzise ist. Dementsprechend kommt hier nur der Begriff der sprachlichen Entlehnung bzw. des Lehnwortes zur Anwendung (vgl. dazu auch das engl. loanwords oder das franz. mots d’emprunt).

Kuriose Feiertage - 20. Mai - Fremdworttag - 2 - (c) 2014 Sven Giese - www.kuriose-feiertage.de

Kuriose Feiertage – 20. Mai – Fremdworttag – 2 – (c) 2014 Sven Giese – www.kuriose-feiertage.de

Wie solche Fremd- bzw. Lehnwörter in eine Sprache übernommen werden, wird sprachwissenschaftlich von der Quantitativen Linguistik beschrieben. Und zwar mit Hilfe des sogenannten Piotrowski-Gesetzes (alternativ auch: Sprachwandelgesetz), welches vom russischen Linguisten Rajmund G. Piotrowski als mathematische Formel und empirisch überprüfbares Sprachgesetz modelliert wurde und im Prinzip besagt, dass beliebige Sprachwandelprozesse bestimmten, vorhersagbaren Entwicklungsprozessen unterworfen sind.

Laut diesem Modell folgen solche Sprachwandlungen einem spezifischen Tempo, in dem sie zunächst langsam beginnen, sich beschleunigen und dann wieder verlangsamen. Aus dieser Formel lässt sich weiterhin auch das jeweilige Fremdwortspektrum einer Sprache ableiten.

Wie man den Ehrentag des Fremdworts am besten feiert

Wer heute unbedingt mit zahlreichen Fremdwörtern oder einer besonders gewählten Ausdrucksweise glänzen möchte, sollte folgende Faustregel im Hinterkopf behalten: Wenn, dann aber bitte gekonnt. Nichts ist peinlicher als von Dingen zu reden, von denen man keine Ahnung hat. Fremdwörtertag hin oder her. 😉 Zur Not hilft hier das Fremdwörterlexikon oder ein etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.

Ansonsten kann man sich aber auch getrost auf den eigenen Wortschatz verlassen – so lange man zumindest nicht solche Nullwörter wie proaktiv verwendet – und sich am heutigen 20. Mai auch einfach mal gebildet geben. Warum? Weil man es kann. 😉

Weitere Informationen zum Fremdworttag

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Autor: Sven Giese

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