Tag der Pfeffernüsse – National Pfeffernusse Day in den USA

Frisch aus der Weihnachtsbäckerei feiern wir den 23. Dezember als US-amerikanischen Tag der Pfeffernüsse (engl. National Pfeffernuesse Day). Hmmm, lecker. Natürlich verdient ein solcher Food Holiday zu Ehren der typischen Weihnachtsleckerei aus hiesigen Gefilden einen eigenen Beitrag im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Was es damit im Detail auf sich hat, beleuchtet die folgenden Zeilen etwas genauer. Warum feiern wir heute also die Pfeffernüsse?

National Pfeffernusse Day - Tag der Pfeffernüsse in den USA. Kuriose Feiertage - 23. Dezember © 2015 Sven Giese - Bild 1
National Pfeffernusse Day – Tag der Pfeffernüsse in den USA. Kuriose Feiertage – 23. Dezember © 2015 Sven Giese – Bild 1

Wer hat den National Pfeffernusse Day ins Leben gerufen?

Es spricht eine ganze Menge dafür, dass der National Pfeffernuesse Day eine Erfindung des US-amerikanischen Food Bloggers John-Bryan Hopkins ist. Zwar verweisen die meisten der gängigen Websites und Online-Kalender zum Thema kuriose Welttage in diesem Kontext auf eine ergebnislose Recherche, aber diese Aussage lässt sich meiner Meinung nur bedingt aufrechterhalten.

Der aus Alabama stammende Hopkins gilt als echte Instanz in Sachen kulinarischer Feiertage. Immerhin hat er seit 2005/2006 zahlreiche eigene Food Holidays in die Welt gesetzt und präsentiert diese in gesammelter Form seit ca. 2010 auf seinem Blogprojekt foodimentary.com.

Die frühste Version eines Beitrags zum US-amerikanischen Tag der Pfeffernüsse datiert hier für den 23. Dezember 2012, wobei nicht ganz klar ist, ob dies tatsächlich auch das Gründungsjahr dieses kulinarischen Anlasses darstellt. So verweisen die Daten aus Google Trends hier auf den Dezember 2008 als frühstes Interesse für den Suchbegriff National Pfeffernuesse Day (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Weshalb fällt der US-amerikanische Nationaltag der Pfeffernüsse auf den 23. Dezember?

Allerdings erweist sich in diesem Zusammenhang die Suche nach einer Begründung für das gewählte Datum am 23. Dezember als kompliziert. Ausgehend von der Annahme, dass Hopkins tatsächlich der Initiator dieses vorweihnachtlichen Food Holiday ist, macht er in der Regel in seinen Blogbeiträgen keine Angaben zum gewählten Datum.

So hat der US-Amerikaner in mehreren Interviews darauf verwiesen, dass die Anlässe auf foodimentary.com entweder nach saisonalem Bezug oder den vorhandenen Lücken im Kalender platziert seien. Dies vor dem Hintergrund, dass er beim Start von foodimentary.com lediglich 200 bekannte kulinarische Anlässe finden konnte und die restlichen Tage mit seinen eigenen Feiertage füllte.

Abgesehen von dieser bekannten Problematik lassen sich aber zumindest hinsichtlich der Wahl des Datums so kurz vor Weihnachten einige Überlegungen anstellen: Zum einen fällt dieser Ehrentag für eine Gebäckspezialität auf dasselbe Datum wie das berühmt-berüchtigte Festivus und die mexikanische Nacht der Radieschen (span. Noche de Rábanos), zum anderen steht er inhaltlich in enger Verbindung zu einer ganzen Reihe von thematisch verwandten Ehrentagen für die Weihnachtsbäckerei.

Exemplarisch sei dazu u.a. auf den Plätzchen-Tag bzw. Tag der Kekse (engl. National Cookie Day) am 4. Dezember oder den Back-Plätzchen-Tag (engl. Bake Cookies Day) am 18. Dezember verwiesen. Heute also die Pfeffernüsse. Und die sind gemäß der europäischen Tradition in Belgien, Deutschland und den Niederlanden eigentlich ein Gebäck, welches primär zum Nikolaus-Fest am 6. Dezember verschenkt wird. Insofern wäre dieses Datum eigentlich die passendere Variante gewesen.

National Pfeffernusse Day - Tag der Pfeffernüsse in den USA. Kuriose Feiertage - 23. Dezember © 2015 Sven Giese - Bild 2
National Pfeffernusse Day – Tag der Pfeffernüsse in den USA. Kuriose Feiertage – 23. Dezember © 2015 Sven Giese – Bild 2

Zum US-amerikanischen National Pfeffernuesse Day: Eine kleine Kulturgeschichte der Pfeffernüsse

Pfeffernüsse sind heute in der Regel mit einem weißen Zuckerguss überzogen, wobei viele Hersteller inzwischen auch dazu übergegangen sind, die glatte Unterseite mit einem Schokoladenüberzug zu versehen. Alternative Varianten bieten z.B. einen rosa Zuckerguss oder Liebesperlen.

Obwohl die konkreten Ursprünge der heute bekannten Pfeffernüsse im Dunkeln liegen, lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass im 18. Jahrhundert vor allem in Europa populär wurden. Beachten sollte man dabei allerdings, dass der Name etwas irreführend ist, denn das Gebäck besteht zwar aus einem sehr würzigen Teig, enthält in der Regel aber keinen Pfeffer.

Insofern ist hier eine gewisse Verwandtschaft zu den Lebkuchen gegeben, die in einigen Regionen auch unter dem Namen Pfefferkuchen bekannt sind und deren Namen etymologisch ebenfalls auf das Mittelalter zurückzugehen scheint, wo alle exotischen Gewürze unter dem Namen Pfeffer firmierten.

National Pfeffernusse Day - Tag der Pfeffernüsse in den USA. Kuriose Feiertage - 23. Dezember © 2015 Sven Giese - Bild 3
National Pfeffernusse Day – Tag der Pfeffernüsse in den USA. Kuriose Feiertage – 23. Dezember © 2015 Sven Giese – Bild 3

Regionale Varianten der Pfeffernüsse in Deutschland

Während es in den Vereinigten Staaten im Prinzip landesweit zahlreiche Rezepte gibt, finden sich in Deutschland einige regionale Pfeffernuss-Varianten, die sehr spezifisch für ihre Herkunftsorte sind. Folgende lokale Spezialitäten sind in unseren Breitengraden bekannt:

  • Hessen: Hier sind es die sogenannten Offenbacher Pfeffernüsse. Diese Variante zeichnet sich durch ein helles und weiches Plätzchen, dessen Teig verschiedene Gewürze wie Pfeffer, Muskat, Koriander und Zimt enthält. Man geht heute davon aus, dass sie 1757 von dem Offenbacher Zuckerbäcker Philipp Fleischmann kreiert worden sind. Wie populär dieses Gebäck in Hessen war, zeigt sich u.a. in den Umstand, dass die Offenbacher Pfeffernüsse bis 1980 als regionale Spezialität bei Staatsempfängen serviert wurden. Danach gerieten sie allerdings für einige Jahre in Vergessenheit und tauchten erst 2014 wieder in den Bäckereien der Stadt auf.
  • Norddeutschland: Hier kennt man wesentlich zwei Formen der Pfeffernüsse, die vor allem zur Adventszeit serviert werden. Zum einen die weichen, lebkuchenartigen Moppen, die mit Zuckerguss glasiert sind und zum anderen eben die festeren, halbkugeligen Pfeffernüsse.
  • Sachsen: Gegenüber den anderen Pfeffernuss-Varianten fehlt in dieser Tradition die typische Zuckerguss-Glasur. Dadurch sind sie in ihrer Konsistenz relativ trocken und entfalten den typischen Geschmack erst beim Kauen. Weiterhin werden in Sachsen die ca. drei Zentimeter großen Pfefferkuchen vor dem Backen von einer Teigrolle abgeschnitten und haben so eine leicht eckige Form mit klarer Schnittkante.
  • Süddeutschland: Auch diese Backtradition kennt die Pfeffernüsse primär als Gebäck für die Adventszeit. Dabei ist sie hier vor allem ein Eiweißgebäck, dessen Teig mit Zitronat und Orangeat, oft auch Mandeln, geschmacklich veredelt wird. Im Gegensatz zu den anderen regionalen Varianten muss der Teig hier vor dem Backen allerdings erst über Nacht trocknen und die fertigen Pfeffernüsse zeichnen sich im Idealfall durch ein sogenanntes Füßchen aus.

Aber egal welche Variante man letztendlich bevorzugt, lecker sind sie alle. In diesem Sinne: Euch allen einen tollen Tag der Pfeffernüsse. Egal ob in den Vereinigten Staaten, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.:)

Weitere Informationen zum Tag der Pfeffernüsse am 23. Dezember in den Vereinigten Staaten