Tag der chinesischen Sprache – der internationale UNO Chinese Language Day

Der 20. April steht laut UNESCO seit 2010 für den internationalen Tag der chinesischen Sprache (engl. Chinese Language Day – chin. 联合国与中文). Was es mit diesem Ehrentag einer der sechs Arbeitssprachen innerhalb der Vereinten Nationen im Detail auf sich hat, beleuchtet der vorliegende Beitrag im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Warum feiern wir heute also das Hochchinesisch Mandarin und die sieben weiteren Formen der chinesischen Sprache?

Kuriose Feiertage - 20. April: Tag der chinesischen Sprache (c) 2018 Sven Giese
Kuriose Feiertage – 20. April: Tag der chinesischen Sprache (c) 2018 Sven Giese

Wer hat den Welttag der chinesischen Sprache ins Leben gerufen?

Insgesamt gibt es im Rahmen der Vereinten Nationen sechs offizielle Amts- bzw. Arbeitssprachen, zu deren Ehren die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) im Jahre 2010 jeweils einem eigenen Welttag, die sogenannten Language Days, initiiert hat. Im Detail sind dies:

  • 20. März: Tag der französischen Sprache (franz. Journée de la langue française)
  • 20. April: Tag der chinesischen Sprache (chin. 联合国中文日)
  • 23. April: Tag der englischen Sprache (engl. English Language Day)
  • 23. April: Tag der spanischen Sprache (span. Día de la lengua española)
  • 6. Juni: Tag der russischen Sprache (russ. День русского языка)
  • 18. Dezember: Tag der arabischen Sprache (arab. اليوم العالمي للغة العربية)

Ziel dieser internationalen Sprachetage ist die gleichmäßige Förderung dieser Sprachen, die in diesem Kontext auch als Ausdruck kultureller Vielfalt verstanden werden. Obwohl Chinesisch als offizielle UN-Sprache bereits seit 1946 etabliert ist, verfügt das Mandarin erst 1973 über den Status einer offiziellen Amtssprache im Kontext der Vereinten Nationen. Immerhin gibt es weltweit ca. 1,3 Milliarden Menschen, die Chinesisch sprechen.

Warum fällt der Tag der chinesischen Sprache auf den 20. April?

Vor diesem Hintergrund verwundert es dann auch nicht weiter, dass es eine offizielle Begründung für das gewählte Datum des Tags der chinesischen Sprache gibt. Denn mit dem 20. April rekurriert die UNESCO auf Gǔyǔ (chin. 谷雨 – dt. Saatregen, manchmal auch Korn- bzw. Hirseregen), das sechste der 24 Sonnenzeichen im chinesischen Sonnenjahr, welches im Reich der Mitte immer um den 20. April herum zu Ehren der mythischen Figur des Cāng Jié (häufig auch: Cāngjié – chin. 仓颉,) gefeiert wird.

Der Legende nach schreibt man Cāng Jié sowohl die Rollen als Historiker des legendären Gelben Kaisers Huáng Dì (chin. 黃帝) als auch die Erfindung der chinesischen Schriftzeichen zu. Entscheidend für den heutigen Welttag der chinesischen Sprache ist natürlich die Sache mit den Schriftzeichen. Cāngjié, der vier Augen mit jeweils doppelten Pupillen gehabt haben soll, erkannte durch die Fußabdrücke der Tiere, wie sich diese in geschriebener Form repräsentieren ließen.

Im Zuge dieser Entdeckung seien durch die mythische Figur allerdings auch die Geheimnisse des Himmels eröffnet worden. Dies brachte die Götter und Geister zum Weinen und ihre Tränen fielen als Saatregen vom Himmel auf die Erde. Aufgrund dieser Verbindung zwischen Sonnenkalender, Ernte und Schriftzeichen feiert man zu Ehren von Cāng Jié den Tag der chinesischen Sprache am 20. April.

Interessante Randnotiz: Cāngjié hat es als Namengeber Cangjie-Eingabemethode (chin. Cāngjié Shūrùfǎ – 倉頡輸入法 / 仓颉输入法 ) zur Eingabe von chinesischen Schriftzeichen tatsächlich auch ins digitale Zeitalter geschafft.

Und wer nicht mit dem Chinesischen anfangen kann, für den/die bietet der 20. April mit dem US-amerikanischen Tag der Doppelgänger (engl. National Look Alike Day) oder dem 420 mindestens zwei kalendarische Alternativen.

In diesem Sinne: Euch allen einen tollen Welttag der chinesischen Sprache. Egal ob im Reich der Mitte, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen zum Internationalen UNESCO-Tag der chinesischen Sprache

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Kategorien April, Internationale KuriositätenTags 20.April

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