Tag des Spinnrockens – St. Distaff‘s Day am 7. Januar

Schon gewusst? In vorindustrieller Zeit feierten viele katholisch geprägte Länder des angelsächsischen Sprachraums den 7. Januar traditionell als St. Distaff’s Day (häufig auch Distaff Day, Roc Day oder Rock Day – dt. Tag des Spinnrockens). Grund genug, die Geschichte dieses historischen Anlasses im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt zu erzählen. Worum geht es dabei?

Spinnrocken und aufgewickelte Wolle mit grünem Band liegen geordnet auf rustikalem Holztisch.
Tag des Spinnrockens – Saint Distaff’s Day. Kuriose Feiertage – 7. Januar (c) 2026 Sven Giese – Bild 1

Wer hat den Saint Distaff’s Day ins Leben gerufen?

Der Spinnrockentag ist die deutsche Umschreibung für den angelsächsischen Saint Distaff’s Day oder Distaff Day am 7. Januar. Der Name ist hier natürlich Programm. Denn: Der englische Begriff distaff bezeichnet einen Spinnrocken, also das Teil des Spinngeräts, an dem Flachs oder Wolle zum Spinnen bereitliegt (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Der Tag gehört zu den traditionellen „Old Christmas“-Bräuchen in England und markiert symbolisch den Schritt zurück in den Arbeitsalltag nach den Weihnachtsfeiertagen. Also das Datum nach Epiphanias, dem Fest der Erscheinung des Herrn bzw. dem Dreikönigstag am 6. Januar. In vielen Beschreibungen steht Distaff Day dabei besonders für die Arbeit der Frauen im Haus und im Handwerk, weil Spinnen lange als typische Winterarbeit im Haushalt galt. Siehe dazu auch den Beitrag zum 6. Januar als Women’s Christmas in Irland (manchmal auch: Women’s Little Christmas – irisch: Nollaig na mBan – dt. wörtlich: Weihnachtsfest der Frauen oder Frauenweihnacht).

Gleichzeitig hat der Tag eine zweite, recht irdische Ebene: Er ist nicht nur „feierlich“, sondern auch ein Anlass für Schabernack. In den überlieferten Bräuchen tauchen immer wieder kleine Rangeleien zwischen Männern und Frauen auf, die rund ums Spinnmaterial inszeniert werden. Das klingt heute wie Folklore, war aber damals eine Form, den Neustart nach den Festtagen mit Lachen und Ritualen zu begleiten (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Antike Spinnrocken mit Wollknäuel und Holzspindeln auf stark gemaserter Tischplatte.
Tag des Spinnrockens – Saint Distaff’s Day. Kuriose Feiertage – 7. Januar (c) 2026 Sven Giese – Bild 2

Wann ist der Distaff Day?

Traditionell fällt der St. Distaff’s Day (häufig auch Distaff Day, Roc Day oder Rock Day – dt. Tag des Spinnrockens) auf den 7. Januar. Wer hier in Zukunft mitfeiern möchte, sollte sich für die kommenden Jahre die folgenden Wochentage im Kalender notieren:

JahrDatumWochentag
20267. JanuarMittwoch
20277. JanuarDonnerstag
20287. JanuarFreitag
20297. JanuarSonntag
20307. JanuarMontag
20317. JanuarDienstag
20327. JanuarMittwoch
20337. JanuarFreitag
20347. JanuarSamstag
20357. JanuarSonntag
20367. JanuarMontag

Weshalb fällt der Tag des Spinnrockens auf den 7. Januar?

Die Wahl des 7. Januar als Datum des Distaff Day hängt mit dem traditionellen Ende der Weihnachtszeit auf den britischen Inseln zusammen. Obwohl der Name es eigentlich vermuten lässt, hatte der Saint Distaff Day keinerlei Bezug zu einem Heiligen.

Genauer gesagt: Es gibt keine Heilige Distaff.

Vielmehr ist seine Terminierung direkt nach dem „Twelfth Day“ (Epiphanie/Heilige Drei Könige am 6. Januar) für die Bedeutung entscheidend. Siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten sowie die Beiträge zu La Befana in Italien und dem Tag der Frau Holle, die beide ebenfalls auf den 6. Januar fallen.

Der 7. Januar war daher auch in Anlehnung an einen anderen Namen für den Spinnrocken oder die Spindel als „Rock Day“ bekannt. Er zeigte an, dass dies das Ende der Weihnachtsfeierlichkeiten war und die Rückkehr zur Normalität des Spinnens, wann immer es einen freien Moment gab. So weist sein Platz im Volkskalender auf die Bedeutung des Spinnens in einer Zeit hin, in der dies die einzige Möglichkeit war, die Rohwolle, die Baumwolle oder den Flachs in einen Faden zu verwandeln, der zu Stoff gewebt werden konnte.

In der Praxis ist das weniger eine amtlich verpflichtende Festlegung als ein historisch gewachsener Brauchkalender. Genau deshalb begegnet der Tag primär in Sammlungen alter Fest- und Brauchtage sowie in historischen Einordnungen. Heute wird er häufig in Communitys rund ums Spinnen, Weben und Handarbeiten wieder aufgegriffen, oft als motivierender Start in die Wintersaison der Faserarbeiten (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Eine interessante Randnotiz: Die zuvor erwähnte Bezeichnung Rock Day findet ihren Niederschlag auch in den modernen, englischsprachigen Online-Kalendern, die dieses Datum als Tag der Fossilien und alten Steine (engl. National Old Rock Day – häufig auch nur kurz: Old Rock Day) führen. Inhaltlich liegt der Fokus hier aber auf dem wörtlichen oder geologischen Verständnis von Rock, welches Steine und Fossilien als Aufhänger für diesen kuriosen Feiertag nimmt.

Spinnwerkzeuge und Wollbüschel locker arrangiert auf altem Holztisch im warmen Seitenlicht.
Tag des Spinnrockens – Saint Distaff’s Day. Kuriose Feiertage – 7. Januar (c) 2026 Sven Giese – Bild 3

Tag des Rocken: Bräuche, Spiele und kuriose Details rund um das Spinnen

Steve Roud, ein renommierter britischer Experte für Folklore und Aberglauben, beschreibt in „The English Year. A month-by-month guide tot he nations customs and festivals, from may day to mischief night“ (Penguin 2006), folgende, wiederkehrende Motive als typisch für diese Tradition:

  • Distaff Day wird in einzelnen Darstellungen als Teil einer Phase beschrieben, in der nach Epiphanie die Arbeit wieder anläuft, während Plough Monday als Gegenstück eher die landwirtschaftliche Seite abbildet. So entsteht ein Bild von Januar als Neustartmonat, in dem Handwerk und Feldarbeit symbolisch wieder „hochfahren“.
  • Frauen beginnen am Distaff Day wieder zu spinnen und der Spinnrocken steht bereit, teils sogar dekoriert.
  • Parallel dazu berichten die Quellen von einer spielerischen „Attacke“ der Männer: Sie versuchen, Flachs oder Wolle zu stibitzen oder den Spinnrocken zu sabotieren. Besonders oft erwähnt wird das Anzünden des Spinnmaterials, also Flachs am Rocken, als gezielter Streich.
  • Die Reaktion ist ebenfalls überliefert: Frauen „kontern“ die Störenfriede, unter anderem mit Wasser. Das Ganze wirkt wie ein kleines Theaterstück mit klarer Botschaft: Arbeit startet wieder, aber bitte nicht ohne Humor. Allerdings sollte man das nicht romantisieren: Offenes Feuer und Flachs sind eine riskante Kombination, und die Beschreibungen lesen sich heute eher wie ein Hinweis darauf, wie anders Alltag und Sicherheitsdenken damals funktionierten.

Spannend ist außerdem, wie gut der Tag in die Gegenwart passt, obwohl er aus einem ganz anderen Leben stammt. In modernen Handarbeits- und Spinnkreisen taucht Saint Distaff’s Day als Anlass für kleine Projekte, gemeinsames Spinnen oder „Spin-ins“ auf. Der Fokus verschiebt sich dabei: weniger Streich, mehr Gemeinschaft und ein bewusstes Wiederaufnehmen eines alten Handwerks.

Wer von Euch nichts damit anfangen kann, für den/die bietet der 7. Januar weitere kalendarische Alternativen. So feiern die USA dieses Datum als Tag des Furzens bzw. Furz-Tag (engl. National Pass Gas Day) und als Ich-lasse-mir-das-nicht-mehr-bieten-Tag (engl. I’m Not Going To Take It Anymore Day). In vielen Ländern begehen Monty-Python-Fans dieses Datum auch als International Silly Walks Day (häufig auch: International Silly Walk Day – dt. Internationaler Tag des albernen Gangs).

In diesem Sinne: Euch allen einen produktiven St. Distaff’s Day.

Egal, ob auf den britischen Inseln, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

Weitere Informationen und Quellen zum Tag des Spinnrockens am 7. Januar