Weltkindertag in Deutschland

Der 20. September steht im Jahreskalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt ganz im Zeichen der Kinder. Zumindest bei uns in Deutschland, wo man dieses Datum seit 1954 als den sogenannten Weltkindertag begeht. Grund genug, die Geschichte dieses Anlasses mit den folgenden Zeilen etwas näher zu beleuchten und zu erklären, wie er in die Liste zahlreicher anderer Aktionstage rund um das Themenfeld Kinder passt.

Kuriose Feiertage - 20. September: Weltkindertag in Deutschland (c) 2017 Sven Giese

Kuriose Feiertage – 20. September: Weltkindertag in Deutschland (c) 2017 Sven Giese

Warum fällt der Weltkindertag in der Bundesrepublik Deutschland auf den 20. September?

Die eigentliche Geburtsstunde des Weltkindertages geht auf den 21. September 1954 zurück. An diesem Datum sprach die 9. UNO-Vollversammlung eine Empfehlung an ihre Mitgliedsstaaten aus, einen internationalen Kindertag ins Leben zu rufen.

Damit griffen die Staatengemeinschaft einen Vorschlag der US-amerikanische Organisation International Union for Child Welfare aus dem Jahr 1952 auf und brachte somit den Universal Children’s Day (dt. Internationaler Tag der Kinderrechte) auf den Weg. Dies sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass viele sozialistische Staaten des ehemaligen Ostblocks schon seit 1950 einen eigenen internationalen Kindertag am 1. Juni etabliert hatten.

Inhaltlich sollte dieser Aktionstag laut der UNO folgende Aspekte in den Fokus rücken:

  • Förderung und Einsatz für Kinderrechte.
  • Förderung der Freundschaft unter den Kindern und Jugendlichen.
  • Verpflichtung der UNO-Mitgliedsstaaten, mindestens einmal pro Jahr die Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF öffentlich zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund wurde UNICEF mit der Ausführung dieses Aktionstages, an dem sich bei der ersten Auflage bereits 40 Nationen beteiligten, beauftragt. Sowohl die Art der Umsetzung als auch das Datum stellt die Generalversammlung ihren Mitgliedern frei.

Dies erklärt dann auch, weshalb es international kein einheitliches Datum für diesen Aktionstag zu Ehren der Kinder gibt. Während in über 40 Ländern der bereits früher etablierte Internationale Kindertag am 1. Juni begangen wird, verteilen die jeweils nationalen Varianten in anderen Staaten über den gesamten Jahreskalender.

Die UNO selbst begeht den Universal Children’s Day (dt. Internationaler Tag der Kinderrechte) jeweils am 20. November und bezieht sich damit auf den Jahrestag der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention von 1989. In Deutschland und Österreich entschied man sich für den heutigen 20. September, wobei nicht mehr ganz klar zu sein scheint, worin diese Wahl des Datums begründet ist. Uwe Kamp, Pressesprecher des Deutsches Kinderhilfswerk e.V. äußerte hier auf meine Nachfrage die Vermutung, dass dies wahrscheinlich als Orientierung an dem ursprünglichen Termin des 21. Septembers 1954 zu verstehen ist. Ganz eindeutig ist die Sache aber eben nicht.

Der Weltkindertag in der Bundesrepublik Deutschland bis 1989

Trotz des UNO-Bezugs lief der Weltkindertag in Deutschland bis 1989 nahezu unbemerkt unter dem Radar der Öffentlichkeit. Exemplarisch dazu der Hinweis, dass sich, im Gegensatz zum Internationalen Kindertag in der DDR am 1. Juni, kaum Hinweise in den enzyklopädischen Nachschlagewerken der Nachkriegszeit finden. Begründet scheint dies vor allem durch zwei Aspekte:

  • Im Gegensatz zur DDR, die ihren Kindertag auch zu Propagandazwecken instrumentalisierte, standen in der BRD vor allem nach innen gerichtete Themen der Familienpolitik im Vordergrund (z.B. Missstände in der Jugendhilfe sowie Forderungen nach einer kindergerechteren Gesellschaftsstrukturen).
  • Nicht zu unterschätzen sind in diesem die starken gesellschaftspolitischen Vorbehalte, die primär im starken Kontrast des damaligen deutschen Familienrechts zur Forderung einer konsequenten Umsetzung einiger der von der UNO geforderten Kinderrechte begründet waren. So unterschrieb die BRD die Kinderrechtskonvention von 1989 auch nur unter Vorbehalt und nahm diesen faktisch erst im Jahre 2010 zurück.

Vor diesem Hintergrund fanden nennenswerte öffentliche Aktionen inkl. politischer Forderungen lediglich durch die deutsche UNICEF-Sektion und den Deutschen Kinderschutzbund statt. Einen politischen Rückhalt durch die Regierung der BRD und die Öffentlichkeit gab es so gut wie nicht.

Der Weltkindertag nach der Wiedervereinigung seit 1990

Erst im Zuge der oben bereits angesprochenen Unterzeichnung der UNO-Kinderrechtskonvention begann der Weltkindertag auch im wiedervereinigten Deutschland an Bedeutung zu gewinnen. Einer der Auslöser war das vom Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW) im Jahr 1989 initiierte Kinderfest in Bonn, welches sich im Laufe der Jahre mit dem Standortwechsel nach Berlin zum größten nichtkommerziellen Kinder- und Familienfest der Bundesrepublik entwickelte. Seit 1990 gibt diese Veranstaltung dann auch das jährlich wechselnde leitmotivische Motto des Weltkindertags in Deutschland vor:

  • 1990: Mehr Politik für Kinder wagen
  • 1991: Kinder reden mit
  • 1992: Kinder kennen keine Grenzen
  • 1993: Keine Zukunft ohne uns
  • 1994: Auf die Kinder kommt es an!
  • 1995: Auf die Kinder kommt es an!
  • 1996: Auf die Kinder kommt es an!
  • 1997: Auf die Kinder kommt es an
  • 1998: Kinder haben Rechte
  • 1999: Kinder haben Rechte
  • 2000: Zeit für Kinder
  • 2001: Lasst uns Kinder sein – Zeit zum Streiten und Vertragen
  • 2002: Alle Achtung: Kinder!
  • 2003: Alle Achtung: Kinder!
  • 2004: Alle Achtung: Kinder!
  • 2005: Alle Achtung: Kinder!
  • 2006: Alle Achtung: Kinder!
  • 2007: Kinder haben Rechte
  • 2008: Alle Kinder haben Rechte
  • 2009: Vorfahrt für Kinderrechte
  • 2010: Respekt für Kinder
  • 2011: Kinder haben was zu sagen
  • 2012: Kinder brauchen Zeit!
  • 2013: Chancen für Kinder!
  • 2014: Jedes Kind hat Rechte!
  • 2015: Kinder willkommen!
  • 2016: Kindern ein Zuhause geben
  • 2017: Kindern eine Stimme geben!

Wie groß die gesellschaftliche Bedeutung bzw. Akzeptanz dieses Anlasses am heutigen 20. September inzwischen ist, zeigt sich u.a. auch in dem Umstand, dass jährlich über 400 Städte und Gemeinden rund um dieses Datum eigenen Aktionen und Veranstaltungen um das Thema initiieren und auch die jeweils amtierende Bundesregierung bzw. diverse Ministerien sich mit einer jeweils eigenen Pressemitteilung öffentlich zu den angesprochenen Themen äußern.

An dieser Stelle auch nochmals meinen ganz herzlichen Dank an Herren Uwe Kamp, den Pressesprecher vom Deutsches Kinderhilfswerk e.V., der mir meine Fragen zum Weltkindertag ausführlich beantwortet und die oben angeführte Jahresübersicht zur Verfügung gestellt hat.

In diesem Sinne: Euch und Euren Lieben einen tollen Weltkindertag. Egal ob in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

Weitere Informationen zum deutschen Weltkindertag am 20. September

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Autor: Sven Giese

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Internationale Kuriositäten, September 20. September, Weltkindertag in Deutschland

4 Kommentare

  1. Aus unserem Land der Ideen kommt die Initiative „EUROPA – Haus mit Herz für Kinder“ und der Vorschlag, den weltweiten „Anti-Mobbing-Tag“ gemeinsam am 2. Dezember zu begehen. – Durch die Berliner Bürgerinitiative www-mobbing-web.de ist es zur „Bremer Erklärung 2013“ gekommen, auf die ich heute – am Weltkindertag 2017 – gern aufmerksam mache.
    Erich K.H. Kalkus, Lehrer i.R.

    • Hallo Herr Kalkus,

      vielen Dank für den Hinweis. Können Sie sich mal per Mail bzw. Kontaktformular bei mir melden? Ich möchte den Anti-Mobbing-Tag gerne mit in die Sammlung aufnehmen. So ein Aktionstag verdient Unterstützung.

      Danke im Voraus und viele Grüße
      Sven Giese

      • Hallo Herr Giese,
        heute – zum Internationalen Weltfriedenstag 2017 – erinnere ich auf dem Bremer Marktplatz mit der „Kinderfrage MACHT MOBBING KRIEG?“ (s. GOOGLE) an die wegweisenden Bemühungen weltweit, schon Kinder und Jugendliche vor der gewaltig zunehmenden sozialen Ausgrenzung – aus welchem Grund auch immer – zu schützen und bleibend daran zu erinnern für die Zukunft. – Weltweit gemeinsam am „Anti-Mobbing-Tag“ an die gewollte Ausgrenzung zu erinnern wie schon in Schleswig-Holstein seit 2010 landesweit am 2. Dezember liegt nahe, nachdem das Parlament der Freien Hansestadt Bremen 2013 einstimmig die Etablierung des Anti-Mobbing-Tages (s. dazu GOOGLE: „Bremer Erklärung 2013“) ebenfalls jahrlich zum 2. Dezember beschlossen hat; darüber hinaus kommt seit 2014 aus dem Europäischen Parlament die Anregung „Europäischer Anti-Mobbing-Tag“ (s. GOOGLE).
        Mit freundlichen Grüßen
        Erich K.H. Kalkus, Lehrer i.R.

        • Hallo Herr Kalkus, vielen Dank für die Informationen. Ich nehme das mal mit auf und komme zu gegebener Zeit auf Sie zurück.
          Beste Grüße
          Sven Giese

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