Tag der Bounty – Bounty Day auf Pitcairn Island

Der 23. Januar steht im Jahreskalender der pazifischen Pitcairn Insel (engl. Pitcairn Island) ganz offiziell für den lokalen Bounty Day (dt. Tag der Bounty oder Bounty-Tag). Der hat allerdings weniger mit dem gleichnamigen Schokoriegel zu tun, sondern bezieht sich auf die Ereignisse aus dem Jahre 1789, die als Meuterei auf der HMS Bounty (engl. Mutinity on the Bounty) in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Was es mit diesem Anlass der Britischen Überseegebiete im Detail auf sich hat, beleuchten die folgenden Zeilen aus dem Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt. Was war geschehen?

Tag der Bounty - Bounty Day auf Pitcairn Island. Kuriose Feiertage - 23. Januar (c) 2020 Sven Giese
Tag der Bounty – Bounty Day auf Pitcairn Island. Kuriose Feiertage – 23. Januar (c) 2020 Sven Giese

Ein kurzer historischer Exkurs: Was war die Meuterei auf der Bounty?

Der HMS Dreimaster der britischen Admiralität brach im Jahre 1787 unter Führung von Lieutenant William Bligh zu einer Reise in die Südsee auf. Ziel und Mission des Schiffs: der Erwerb von Stecklingen des Brotfruchtbaums auf Tahiti, um diese zu den Antillen zu bringen. Auf der Rückreise im Jahr 1789 kam es dann zu der berühmt-berüchtigten Meuterei auf der Bounty, die als historisches Ereignis auch Gegenstand von zahlreichen Büchern, Filmen, Theaterstücken und Hörspielen ist. Insofern verdient dieser Anlass definitiv die Aufnahme in den Kalender der maritimen Feiertage.

Die Mission begann im Dezember 1787, wurde aber nie abgeschlossen. Am 28. April 1789, etwa 1.300 Meilen westlich von Tahiti, brach eine Meuterei aus. Das Schiff wurde von den Meuterern unblutig eingenommen und steuerte schließlich die Insel Tubai an, wo die Meuterer versuchten, sich niederzulassen.

Nach ca. drei Monaten blutiger Auseinandersetzungen mit den Einheimischen mussten sie nach Tahiti zurückkehren. Ein Teil der Schiffsbesatzung wurde in Tahiti an Land gesetzt, die verbleibenden Seeleute segelten weiter in der Hoffnung, der Royal Navy zu entkommen. Die Meuterer passierten Fidschi und die Cook-Inseln und setzten ihre Suche nach einem sicheren Hafen fort.

Am 15. Januar 1790 stieß das Schiff auf die Insel Pitcairn, die zu dieser Zeit nicht auf den Seekarten der Königlichen Marine verzeichnet war. In der Annahme den gesuchten sicheren Zufluchtsort gefunden zu haben, beschlossen die Meuterer um ihren Anführer Fletcher Christian, sich auf der Insel niederzulassen (siehe dazu auch den Beitrag zum US-amerikanischen Gründe-Deinen-eigenen-Staat-Tag (engl. Start Your Own Country Day) am 22. November). Das Vieh und die Vorräte wurden vom Schiff entfernt. Um eine Entdeckung und eine mögliche Flucht zu verhindern, wurde die HMS Bounty am 23. Januar 1790 verbrannt (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Weshalb feiert Pitcairn Island den Bounty Day am 23. Januar?

Das Abrennen des Schiffes liefert dann auch die Begründung für das Datum des Bounty Day auf Pitcairn Island. Denn mit diesem inselweiten Feiertag erinnert die Bevölkerung, die größtenteils aus Nachkommen der Meuterer von 1790 und ihren polynesischen Frauen besteht, an dieses Ereignis. Traditionell begeht man diesen Anlass durch das Verbrennen von Modellschiffen in Anlehnung an die HMS Bounty, wobei sich die Teilnehmerzahl in Grenzen halten dürfte. Denn Pitcairn Island ist heute eine der am wenigsten bevölkerten nationalen Gerichtsbarkeiten der Welt. So lebten 2015 nur ca. 50 Bewohner auf der viereinhalb Quadratkilometer großen Insel, die seit Jahren mit massivem Bevölkerungsschwund zu kämpfen hat. In diesem Jahr bot die lokale Regierung der britischen Regierung jedem neuen Bewohner ein kostenloses Stück Land plus Steuerfreiheit an. Ohne Erfolg (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass auch die pazifische Norfolkinsel einen eigenen Bounty Day feiert. Dieser fällt immer auf den 8. Juni und erinnert als Nationalfeiertag an die Ankunft der Pitcairn-Insulaner im Jahr 1856. Vor diesem Datum war Norfolk Island eine britische Strafkolonie, aber die Pitcairner erhielten bei ihrer Ankunft von der damals regierenden britischen Königen Victoria Straffreit und eigene Ländereien zugesprochen.

Und wer von Euch nichts mit der Meuterei auf der Bounty anfangen kann, für den/die bietet der 23. Januar mit dem US-amerikanischen Kuchen-Tag (engl. National Pie Day), dem Tag der Handschrift (engl. National Handwriting Day) und dem Tag des Fußvermessens (engl. Measure your Feet Day) eine ganze Reihe kalendarischer Alternativen.

In diesem Sinne: Euch allen einen tollen Tag der Bounty. Egal ob auf Pitcairn Island, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen und Quellen zum Bounty Day auf den Pitcairn Islands am 23. Januar