Thesaurus-Tag – National Thesaurus Day in den USA

Happy Birthday Peter Mark Roget. Der 18. Januar steht im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt ganz im Zeichen eines der bedeutendsten britischen Lexikographen der englischen Sprache. Die Rede ist von dem eingangs genannten Peter Mark Roget (1779 -1869), der mit seinem Thesaurus of english words and phrases eines der relevantesten Werke seiner Art geschaffen hat. Dementsprechend feiern die USA dieses Datum auch als den landesweiten Thesaurus-Tag (engl. National Thesaurus Day). Was es mit diesem Anlass auf sich hat und weshalb er einen festen Platz in der Sammlung der kuriosen Welttage verdient, beleuchten die folgenden Zeilen.

National Thesaurus Day - der amerikanische Thesaurus-Tag. Kuriose Feiertage - 18. Januar © 2016 Sven Giese
Happy Birthday Peter Mark Rogert, Erfinder des Thesaurus © 2016 Sven Giese.

Wer hat den National Thesaurus Day ins Leben gerufen?

Obwohl die meisten der gängigen Quellen zum Thema kuriose Feier- und Aktionstage darauf verweisen, dass aus heutiger Sicht nicht ganz klar ist, wer als Urheber des National Thesaurus Day in Frage kommt bzw. seit wann genau man ihn in den Vereinigten Staaten feiert, gibt es diesbezüglich eine Spur.

So finden sich demgegenüber vereinzelte Hinweise, dass die Initiative auf einen der Verlage zurückgeht, welcher den Thesaurus im Programm hat. Dies ist aber keineswegs belegt und gehört wohl eher ins Fabelreich. Wesentlich ergiebiger ist hier dann aber die Begründung für die Wahl des Datums.

Happy Birthday Peter Mark Roget – Deshalb fällt Nationaltag des Thesaurus auf den 18. Januar

Die vorherigen Ausführungen haben es im Prinzip ja schon angedeutet, aber die Begründung, weshalb der Thesaurus-Tag auf den heutigen 18. Januar fällt, ist zu gleichen Teilen so trivial wie einleuchtend: Es ist das Geburtsdatum von Peter Mark Roget. Entsprechend steht der National Thesaurus Day ganz im Sinne der angelsächsischen Tradition, solche Ehren- und Gedenktage am jeweiligen Geburtstag einer Person zu feiern (siehe dazu auch eine ganze Reihe weiterer Beiträge aus dem Kalender der kuriosen Geburtstage).

Ob es darüber hinaus eine inhaltliche Verbindung zum ebenfalls heute gefeierten Welttag des Schneemanns (engl. World Day of Snowman), dem Tag des Gourmetkaffees (engl. National Gourmet Coffee Day), dem Tag der Pekingente (engl. National Peking Duck Day) oder dem Winnie-Puuh-Tag (engl. Winnie the Pooh Day) gibt, konnte ich im Zuge der Recherchen allerdings nicht herausfinden. Aber wer weiß. ;)

Zum National Thesaurus Day: Acht kuriose Fakten und Hintergründe zu Roget’s Thesaurus

  1. Das eingangs erwähnte Thesaurus of english words and phrases ist im anglo-amerikanischen Sprachraum eher unter dem Namen Roget’s Thesaurus bekannt und wurde in seiner ersten Auflage am 29. April 1852 publiziert. Übrigens mag dies dann auch erklären, weshalb einige der gängigen Quellen und Portale zum Thema kuriose Feiertage den Thesaurus Day auf eben dieses Datum legen. Während Originalausgabe 15.000 Wörter enthielt, die Roget in sechs Wortklassen aufgeteilt hatte, im Laufe der Zeit und weiteren Auflagen aber stetig erweitert wurden. Weiterhin interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Umstand, dass die die Bezeichnung Roget’s Thesaurus im britischen Königreich nach wie vor als Markenname rechtlich geschützt ist, während man in den Vereinigten Staaten den Terminus ganz allgemein zur Bezeichnung von Thesauri verwendet wird. Dabei war Roget keineswegs der erste Sprachwissenschaftler, der einen solchen Ansatz verfolgte.
  2. Beginnen wir die Spurensuche mit etwas Etymologie. Das Wort Thesaurus leitet sich vom griechischen thésauros ab, was wörtlich übersetzt Schatz bzw. Lager mit wertvollen/kostbaren Gegenständen bedeutet. tatsächlich „Schatz“. Nicht umsonst halten die meisten Freundinnen und Freunde des gepflegten Wortschatzes den Thesaurus für eine Schatzkammer der Diktion.
  3. Wie lautet der Plural von Thesaurus? Die korrekte Pluralverwendung eines Begriffs ist tatsächlich nicht immer ganz leicht bzw. eindeutig. Im Falle des Thesaurus gibt es aber gleich zwei korrekte Varianten: Thesaurus oder Thesauri. Obwohl Thesauri technisch korrekt ist – es hängt ein lateinisches Suffix an das lateinische Wort thēsaurus – werden sowohl Thesauri als auch Thesaurus heute allgemein verwendet und akzeptiert.
  4. Auf das antike Griechenland geht auch der erste Versuch einer systematischen Sammlung von Synonymen zurück. Als Verfasser gilt hier der phönikischer Gelehrter, Grammatiker und Historiker Herennios Philon (Philon von Byblos oder Philo von Byblos, lat. Herennius Philo). Das Werk stammt aus dem späten 1. oder frühen 2. Jahrhundert n. Chr. und listet griechische Wörter auf, die sich in ihrer Bedeutung ähneln. Leider ist das Werk im Laufe der Zeit verschollen, so dass kaum Details über diese Sammlung bekannt sind. Erhalten sind lediglich einige byzantinische Exzerpte unter dem Titel Peri diaphorōn sēmainomenōn (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).
  5. Die ersten Thesauri waren eigentlich Wörterbücher. In den frühen 1530er Jahren veröffentlichte ein französischer Drucker namens Robert Estienne den Thesaurus Linguae Latinae, ein umfassendes lateinisches Wörterbuch, das primär Begriffe aller bekannten bzw. überlieferten lateinischen Texte versammelte. 1572 veröffentlichte Estiennes Sohn Henri dann den Thesaurus Linguae Graecae, der einen ähnlichen Ansatz für das Griechische verkörperte. Obwohl die Bücher der Estiennes Thesaurus genannt wurden, waren wesentlich klassische Wörterbücher, die aus alphabetischen Wortlisten und deren Bedeutungen bestanden (siehe dazu auch den Beitrag zum US-amerikanischen Tag des Wörterbuchs (engl. National Dictionary Day) am 16. Oktober).
  6. Im 4. Jahrhundert n. Chr. verfasste der indische Dichter und Grammatiker Amara Sinha einen Thesaurus von Sanskrit-Wörtern unter dem Titel Amarakosha. Die Besonderheit dieses Thesaurus liegt in der Form eines langen Gedichts, das sich in drei große Abschnitte unterteilt: Begriffe, die sich auf das Göttliche, die Erde und das tägliche Leben beziehen. Auf diese Weise sollten sich die Leser die Worte leicht einprägen können. Dieser Thesaurus ist das älteste, noch existierende Werk seiner Art.
  7. Ein kleiner Exkurs: Der Thesaurus hat eine überraschende Verbindung zu einem mathematischen Werkzeug. Denn im 1815 erfand Roget den Rechenschieber (engl. Slide rule oder Slipstick), ein Lineal-ähnliches Gerät, mit dem man leicht die Wurzeln und Exponenten von Zahlen berechnen kann. Während der Erfinder des Thesaurus also Wörter für seinen Wälzer zusammenstellte, arbeitete er auch intensiv an dem Log-Log-Schieberegler. Ein echter Tausendsassa.
  8. Aber zurück zur Geschichte des Thesaurus, die auch im 20. Jahrhundert noch nicht zu Ende erzählt ist. 1965 schlug ein Professor für englische Sprache an der Universität Glasgow vor, dass Wissenschaftler einen historischen Thesaurus auf der Grundlage von Einträgen im Oxford English Dictionary erstellen sollten. Das Projekt war ein gewaltiges Unterfangen, da Menschen aus mehreren Ländern 44 Jahre lang daran arbeiteten, Wörter zu sammeln und zu klassifizieren. Der 2009 veröffentlichte Historische Thesaurus zum Oxford English Dictionary enthält 800.000 Wörter, die nach Thema und Datum geordnet sind. Dieser Thesaurus deckt Wörter und Synonyme vom Altenglischen bis ins 21. Jahrhundert ab.

In diesem Sinne: Happy Birthday Peter Mark Roget und Euch allen einen wortreichen Thesaurus-Tag. Egal ob in den Vereinigten Staaten, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt. :)

Weitere Informationen und Quellen zum US-amerikanischen Thesaurus-Tag am 18. Januar