Tag der Versöhnung – der südafrikanische Day of Reconciliation

Jedes Jahr am 16. Dezember wird in Südafrika ein weniger kurioser Feiertag, als vielmehr ernstzunehmender Gedenktag gefeiert: der Tag der Versöhnung (Day of Reconciliation). Dieser verbindet zwei historisch wichtige Ereignisse der Geschichte des Staates am Kap der Guten Hoffnung.

Schwarz gegen Weiß – Die geschichtlichen Hintergründe

Mit der britischen Übernahme der Gebiete am südafrikanischen Kap im Jahr 1814 begann auch der holländische Einfluss in dieser Region zu schwinden: Eine steigende Zahl britischer Einwanderer, Englisch zur offiziellen Amtssprache und vor allem die Rechtsprechung des British Empire, welche 1834 die Sklaverei abschaffte, entzog vielen der Buren die Existenzgrundlage. Um sich dem britischen Einflussbereich zu entziehen, zogen über 6000 Buren zwischen 1836 und 1840 als sogenannte Voortrekker in das südafrikanische Hinterland und besiedelten die Gebiete nördlich des Oranje-Flusses.

Die Ursprünge des heutigen südafrikanischen Gedenktages gehen auf diese Zeit zurück, in der viele Siedler im Rahmen des sogenannten Großen Treks sich auf die Suche nach einer neuen Heimat im Landesinneren begaben. Von Kapstadt aus zogen diese burischen Voortrekker vor allem durch Zulu-Gebiete in Natal und man ahnt schon – selbst ohne historisches Detailwissen -, dass hier Konflikte vorprogrammiert waren. Zwar gab es einige Verhandlungsversuche zwischen Siedlern und den einheimischen Zulu-Stämmen, jedoch blieben diese erfolglos. So auch im Dezember 1838, in dem es zu den Vorfällen kam, denen mit dem heutigen Tag der Versöhnung gedacht werden soll.

Ausgangspunkt dieses Konfliktes war das Handeln des burischen Trekführers Piet Retief, der dem Zulu-König Dingaan dabei half, gestohlenes Vieh zurück zu erlangen. Im Gegenzug und als Dank übertrug der Zulu-König den Siedlern die Landrechte für ein Gebiet am Ncome River. Jedoch wurden Retief und seine Gruppe von ca. 500 Siedlern kurz darauf in einen Hinterhalt im königlichen Kraal in uMgungundlovu gelockt und getötet. Dingaan entsandte seine Krieger, um sich endgültig der verbleibenden Voortrekker zu entledigen und am 16. Dezember 1838 kam es zur Schlacht am Ncome River.

An diesem Tag wurden 486 Buren unter der Führung von Andries Pretorius von ca. 10.000 Zulu-Kriegern eingekesselt. Und trotz dieser numerischen Überlegenheit hatten die Krieger der Eingeborenen keine Chance gegen die Gewehre und Kanonen der Voortrekker, die sich in einer Wagenburg verschanzt hatten. Innerhalb von nur wenigen Stunden wurden über 3000 Zulus getötet, während die Buren lediglich 4 Opfer zu beklagen hatten. Die verbleibenden Voortrekker griffen dann am 20. Dezember uMgungundlovu an und machten die Hauptstadt des Zulu-Reiches dem Erdboden gleich. Aufgrund eines Gelübdes, das Pretorius und die Voortrekker ein paar Tage zuvor, am 9. Dezember, abgegeben und bis zum Tag des Sieges in der Schlacht täglich erneuert hatten, wurde der 16. Dezember bis 1994 als Geloftedag bzw. Day of the Vow (Tag des Gelübdes) bezeichnet.

Seit dieser Schlacht wird Ncume River auch als Blood River bezeichnet und eine in Bronze gegossene Wagenburg erinnert an dieses schreckliche Blutbad. Allerdings nur an die gefallenen Voortrekker, nicht an die gefallenen Zulus.

Vom Day of the Vow zum Day of Reconciliation

Wie zuvor aber bereits angemerkt, ist der 16. Dezember noch aus einem anderen Grund ein bedeutsames Datum in Südafrika: Denn an diesem Tag wurde 1961 der militärische Flügel des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Umkhonto we Sizwe, gegründet. Dieser setzte sich gegen die Apartheid in Südafrika ein und führte regelmäßig Sabotageaktionen gegen das verantwortliche Regime durch. Die erste demokratisch gewählte Regierung Südafrikas stellte den 16. Dezember als wichtiges Datum sowohl für die Afrikaner als auch für die Befreiungsbewegung fest und ernannte ihn zum offiziellen Feiertag, dem Tag der Versöhnung. Begangen wurde er erstmals im Jahre 1995.

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Autor: Sven Giese

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