Das chinesische Fest Qixi – Elsterfest oder die Nacht der Siebenen am 19. August 2026

Der 19. August 2026 birgt im Kalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt auch eine romantische Komponente. Zumindest wenn es nach unseren asiatischen Nachbarn in China geht, die dieses Datum als Qixi (chin. 七夕 – qīxī), die Nacht der Siebenen bzw. das Elsterfest feiern. Was es mit diesem chinesischen Pendant zum Valentinstag auf sich hat, beleuchten die folgenden Zeilen aus der Sammlung der kuriosen Welttage.

Elster mit blaugrün schimmernden Flügeln und langem Schwanz steht auf sandigem Boden.
Qixi – Elsterfest oder die Nacht der Siebenen in China. Kuriose Feiertage © 2026 Sven Giese – Bild 1
Inhaltsverzeichnis

Wann feiern die Chinesen das Fest der Siebenen?

Beim chinesischen Fest der Siebenen handelt es sich um einen beweglichen Anlass. Qixi fällt stets auf den siebten Tag des siebten Monats des traditionellen chinesischen Lunisolarkalenders. Im gregorianischen Kalender besitzt die Nacht der Siebenen deshalb kein festes Datum.

Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Länge von Mond- und Sonnenjahr. Zwölf Mondmonate umfassen zusammen rund 354 Tage und sind damit etwa elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Um diese Differenz auszugleichen, sieht der traditionelle chinesische Kalender regelmäßig zusätzliche Schaltmonate vor. Innerhalb eines Zyklus von 19 Jahren werden sieben solcher Monate eingeschoben.

Entsprechend wandert auch Qixi durch unseren Kalender. Häufig fällt das Fest etwa zehn bis elf Tage früher als im Vorjahr; durch einen Schaltmonat kann sich der Termin stattdessen um ungefähr 19 Tage nach hinten verschieben. Vereinfacht lautet die Regel:

Qixi = 7. Tag des 7. Monats des chinesischen Lunisolarkalenders.

Für die Jahre 1901 bis 2100 ergibt sich daraus eine mögliche Spanne vom 31. Juli bis zum 30. August. Im 21. Jahrhundert reicht sie vom 31. Juli bis zum 29. August. Der früheste Termin tritt 2006, 2044 und 2082 auf; besonders spät fiel, genauer gesagt fällt, Qixi am 29. August 2025 und 2055. Für die kommenden Jahre ergeben sich daraus folgende Termine des chinesischen Qixi-Festes:

JahrWochentagDatum
2026Mittwoch19. August
2027Sonntag8. August
2028Samstag26. August
2029Donnerstag16. August
2030Montag5. August
2031Sonntag24. August
2032Donnerstag12. August
2033Montag1. August
2034Sonntag20. August
2035Freitag10. August
2036Donnerstag28. August

Aufmerksamen Leserinnen und Lesern dürfte in diesem Zusammenhang längst aufgefallen sein, dass diese Geschichte wesentlich den Hintergründen des japanischen Tanabata, des Sternenfest entspricht. Während die Japaner aber die ursprüngliche Datumsangabe auf den 7. Juli, also die Rechnung des gregorianischen Kalenders, verlegt haben, feiert man in China dieses Fest nach wie vor am jeweiligen Termin des chinesischen Mondkalenders.

Unter welchen Namen ist Qixi bekannt?

Qixi ist in China auch unter den Bezeichnungen Qixi-Fest, Nacht der Sieben, Nacht der doppelten Sieben oder Elsterfest bekannt. Im Kern bezeichnen sie alle das chinesische Fest der Liebenden, welches zugleich ein Pendant zum westlichen Valentinstag verkörpert.

Neben diesen Bezeichnungen findet sich für den Anlass auch der Name Qiqiao-Fest (chin. 乞巧节 – Qǐqiǎo Jié). Sinngemäß lässt sich dies als Fest des „Bittens um Geschicklichkeit“ übersetzen. Und dieser Name verweist auf einen Aspekt, der bei der heute verbreiteten Beschreibung von Qixi als chinesischem Valentinstag schnell untergeht: Traditionell stand der Anlass keineswegs ausschließlich im Zeichen romantischer Liebe. Vor allem junge Frauen baten Zhinü auch um Geschicklichkeit, Weisheit und Können bei Handarbeiten sowie um Glück bei der späteren Partnerwahl.

Wie alt ist das chinesische Qixi-Fest?

Die kulturellen Wurzeln von Qixi reichen deutlich weiter zurück, als die moderne Bezeichnung als chinesischer Valentinstag vermuten lässt. Motive rund um die himmlischen Figuren des Kuhhirten und der Weberin finden sich bereits in sehr alter chinesischer Literatur. Die Verbindung dieser Überlieferung mit dem Qixi-Fest lässt sich spätestens für die Zeit der Han-Dynastie nachweisen.

Allerdings sollte man bei konkreten Altersangaben etwas vorsichtig sein. Zwar wird häufig auf mehr als 2.600 Jahre alte Passagen aus dem chinesischen Buch der Lieder bzw. Classic of Poetry verwiesen. Diese frühen Texte belegen hauptsächlich die alten literarischen und astronomischen Motive. Daraus folgt nicht automatisch, dass das Qixi-Fest schon damals exakt in seiner später überlieferten Form gefeiert wurde.

Mehrere sternförmige Lichter in goldenen Tönen leuchten auf einem unscharfen Hintergrund.
Qixi – die Nacht der Siebenen in China. Kuriose Feiertage © 2017 Sven Giese – Bild 2

Qixi: Die Legende vom Hirtenjungen Niúláng und dem Webermädchen Zhīnǚ

Wie bei so vielen Festen aus dem asiatischen Raum liegt auch im Falle von Qixi eine Volkssage der inhaltlichen Bedeutung bzw. Ausgestaltung zugrunde. Diese erzählt eine ziemlich tragische Liebesgeschichte von einem Hirtenjungen und einem Webermädchen und die Legende berichtet von folgender Gegebenheit:

Der Hirtenjunge (chin. 牛郎 – niúláng) lebte nach dem Tod seiner Eltern im Hause seiner Schwägerin, die den Waisen schließlich verstieß. Niúláng führte daher ein hartes und entbehrungsreiches Leben eines Kuhhirten. Im Laufe der Zeit verliebte sich eine Fee in den Jungen und sie kam schließlich auf die Erde, wo beide heirateten. Während er das Feld bestellte und die Rinder hütete, webte das Mädchen (chin. 織女 oder 织女 – zhīnǚ), verrichtete im Haus Webarbeiten. Vollkommen wurde ihr Glück durch die Geburt eines Sohnes und einer Tochter.

Soweit alles gut, zumindest bis Zhīnǚs Vater, der Himmelskaiser, davon erfuhr und seine Gemahlin zur Erde sandte, um seine Tochter zurückzuholen. Niúláng verfolgte Mutter und Tochter auf einem Rind, doch die Himmelskaiserin zog mit einer goldenen Haarnadel einen Himmelsfluss, den der Sterbliche nicht überwinden konnte. Fortan waren die Liebenden getrennt und standen sich mit Tränen in den Augen an den Flussufern gegenüber.

Hilfe erhielten die beiden durch die Elstern, die, bewegt von der Trauer, den beiden eine Brücke über den Himmelsfluss errichteten, auf der sie sich treffen konnten. Auch die Himmelskaiserin zeigte Erbarmen und erlaubte dem Paar, sich einmal im Jahr, nämlich am siebten Tag des siebten Monats des chinesischen Kalenders, auf dieser Elsterbrücke zu treffen. Daher firmiert dieser Anlass häufig auch unter dem Namen Elsterfest bzw. Fest der Elstern.

Die Geschichte von Niulang und Zhinü hat außerdem Spuren weit über China hinaus hinterlassen. Das bereits erwähnte japanische Tanabata geht auf dieselbe Überlieferung zurück. Verwandte Feste sind das koreanische Chilseok sowie Thất Tịch in Vietnam, wobei sich Termine, Bräuche und kulturelle Bedeutungen regional unterschiedlich entwickelt haben.

Die Rolle des Wetters und der Sterne am siebten Tag des siebten Monats im chinesischen Kalender

Der Legende nach soll es an diesem Tag jedes Jahr regnen. Die Begründung dafür hängt allerdings von der Sichtweise des Betrachters ab. Denn während die einen darauf verweisen, dass es Tränen der Freude über das Wiedersehen sind, sehen andere hier einen Ausdruck der Trauer angesichts der erzwungenen Trennung. Siehe dazu den thematisch verwandten Beitrag zum US-amerikanischen Tag des Regens (engl. Rain Day) am 29. Juli.

Wobei man den Chinesen diesbezüglich auch einen gewissen Pragmatismus nicht absprechen kann. Immerhin dürften die meisten Menschen wohl grundsätzlich eher auf gutes und trockenes Wetter hoffen, um die Nacht der Siebenen auch im Freien mit Blick auf die Sterne feiern zu können.

Während die Legende Niulang und Zhinü einmal jährlich zusammenführt, bleibt dieses Wiedersehen aus astronomischer Sicht natürlich symbolisch.

Wega im Sternbild Leier und Altair im Sternbild Adler sind zwei voneinander getrennte Sterne. Zusammen mit Deneb im Sternbild Schwan bilden sie das sogenannte Sommerdreieck, das während der Sommermonate auf der Nordhalbkugel besonders gut zu beobachten ist. Das helle Band der Milchstraße verläuft dabei aus unserer Perspektive zwischen Wega und Altair – eine Konstellation, die das Bild vom trennenden Himmelsfluss ziemlich anschaulich macht.

Elster mit schwarz-weißem Gefieder steht aufmerksam auf kiesigem Weg und blickt nach links.
Qixi – Elsterfest oder die Nacht der Siebenen in China. Kuriose Feiertage © 2026 Sven Giese – Bild 3

Wie feiern die Chinesen das Qixi-Fest?

Wer Qixi lediglich als chinesischen Valentinstag beschreibt, lässt einen guten Teil seiner Geschichte unter den Tisch fallen. Zu den traditionellen Bräuchen gehörten vorwiegend Rituale junger Frauen zu Ehren der Weberin Zhinü. Sie baten die Himmelsfigur um Weisheit, handwerkliches Geschick und Aussicht auf eine glückliche Ehe. Dazu gehörten regional auch Opfergaben und Wettbewerbe, bei denen die Teilnehmerinnen beispielsweise bei schwachem Licht Nadeln einfädelten und auf diese Weise ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellten.
Auch für frisch verheiratete Frauen besaß Qixi traditionell eine besondere Bedeutung. Entsprechende Rituale konnten symbolisieren, dass die Frau nach ihrer Hochzeit von der Familie ihres Mannes angenommen und wertgeschätzt wurde.

Kulinarisch gehört Qiaoguo (巧果) zu den traditionellen Spezialitäten des Festes. Dabei handelt es sich um süßes Gebäck, dessen Bezeichnung wiederum auf das für Qixi zentrale Motiv der Geschicklichkeit verweist. Dass diese Tradition bis heute gepflegt wird, zeigen etwa aktuelle chinesische Qixi-Veranstaltungen, bei denen Qiaoguo gemeinsam hergestellt wird.

Im modernen China hat sich Qixi zugleich stark zu einem romantischen Anlass entwickelt. Paare gehen gemeinsam essen, verschenken Blumen, Schmuck oder andere Geschenke und nutzen den Tag für Dates und romantische Botschaften. Handel, Restaurants und andere Unternehmen greifen Qixi entsprechend intensiv für Aktionen und Werbung auf. In dieser heutigen Form kommt der Vergleich mit dem westlichen Valentinstag also hin – kulturhistorisch besitzt Qixi jedoch wesentlich ältere und breitere Wurzeln.

In diesem Sinne: Euch allen ein tolles Qixi-Fest.

Egal, ob in China, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

Weitere Informationen und Quellen zum chinesischen Qixi-Fest im August