Schalttag und Schaltjahr – eine kalendarische Kuriosität am 29. Februar 2020

Wohl kaum ein anderes Datum verdient einen festen Platz in der Sammlung der kuriosen Feiertage aus aller Welt wie der heutige 29. Februar. Denn diesen sogenannten Schalttag bzw. das Schaltjahr feiern wir nur alle vier Jahre. Nach 2016 können wir uns 2020 wieder über einen zusätzlichen Tag im Kalender freuen. Grund genug, der Sache mit dem vorliegenden Artikel auf den Grund zu gehen und zu erklären, wie es zu dieser besonderen kalendarischen Konstellation kommt.

Schalttag. Kuriose Feiertage - 29. Februar © 2016 Sven Giese
Schalttag und Schaltjahr. Kuriose Feiertage – 29. Februar © 2016 Sven Giese

Was ist ein Schaltjahr?

Der Begriff Schaltjahr leitet sich vom Verb einschalten bzw. der substantivierten Form Einschaltung ab und bezeichnet wesentlich eine zusätzliche Zeitspanne. Während dies beim Schaltmonat, Schalttag oder Schaltsekunde exakt diese Bonuszeit bezeichnet, gilt im Falle des Schaltjahres, dass hier das kalendarische Gemeinjahr durch zusätzliche Tage, Monate usw. eine Erweiterung erhält. Kurzum, das Schaltjahr ist kein zusätzliches Jahr, sondern eine verlängerte Form des normalen Kalenderjahres.

Weshalb gibt es überhaupt einen Schalttag im Schaltjahr?

Zwar wissen viele Leute, dass das es den 29. Februar nur alle vier Jahre im Kalender gibt, warum es diesen zusätzlichen Tag im zweiten Monat des Jahres aber konkret gibt, erscheint eher rätselhaft bzw. ist gänzlich unbekannt. Im Folgenden daher der Versuch, hier mit einer möglichst einfachen Erklärung etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Beginnen wir mit einem astronomischen Faktum, welches besagt, dass die Umlaufzeit der Erde um die Sonne 365 Tage, also genau ein Jahr beträgt. Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass die angenommene Zeitspanne des Jahres keineswegs so eindeutig ist, wie allgemein angenommen wird. Denn nimmt man es genau – und Physiker und Astronomen tendieren glücklicherweise ja dazu -, benötigt unser Heimatplanet Erde exakt 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden, um einmal vollständig die Sonne zu umkreisen. Kurzum, ein Sonnenjahr ist also um einen Vierteltag länger als das Kalenderjahr.

Dieser Viertel Tag muss also irgendwann wieder aufgeholt werden, logischerweise alle vier Jahre. Und da vor der Einführung des gregorianischen Kalenders das Jahr mit dem Februar endete und im März ein neues begann, wurde hier einfach der benötigte zusätzliche Tag an den letzten Monat angehangen. Auf diese Weise entsteht dann alle vier Jahre der 29 Februar, der dem Schaltjahr seinen typischen 366. Tag hinzufügt. Ohne diese Einschaltung würden sich die Jahreszeiten sukzessive nach hinten verschieben und typische Wintertraditionen wie das Weihnachtsfest fielen dann in den Hochsommer. Insofern ist das Schaltjahr im Sinne der kalendarischen Konsistenz eine sinnvolle und notwendige Lösung (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Interkalation – oder: Die verbesserte Schaltjahresregelung des gregorianischen Kalenders

Betrachten wir dieses Problem und seine Lösungsansätze aus einer historischen Perspektive. Grundlage unseres heutigen Kalenders ist der gregorianische Kalender, der nach Papst Gregor XIII. (1502- 1585) benannt ist und von diesem 1582 mit der päpstlichen Bulle Inter gravissimas eingeführt wurde. Im Kern ist dies eine Reform des zuvor verwendeten julianischen Kalenders, mit der Kalender- und Sonnenjahr besser synchronisiert werden sollten (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten). Worin bestand diese Reform?

Sowohl der julianische als auch der gregorianische Kalender sind Sonnen- bzw. Solarkalender, die sich im Gegensatz zu verschiedenen Formen des Mondkalenders, am Lauf der Sonne orientieren. Richtwert ist hier das sogenannte Tropische Jahr, das eine Länge von exakt 365,24219 Tagen (ca. 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden) aufweist.

Beide Kalender kannten die oben beschriebene Problematik, wobei der Lösungsansatz der nach dem römischen Kaiser Gaius Julius Caesar benannten julianischen Variante dieses Problem nicht vollständig lösen konnte. Diese 45 v.Chr. eingeführte Berechnung rundete die jährlich hinzukommenden 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden auf sechs Stunden auf und führte alle vier Jahre einen Extra-Tag im Februar durch die auf diese Weise gesammelten 24 Zusatzstunden ein.

Dies klingt auf den ersten Blick einleuchtend, der Teufel steckt hier aber im mathematischen Detail. Denn durch die jährlich addierten elf Minuten und 14 Sekunden entstand alle 128 Jahre ein Schaltjahr zu viel. Ergebnis: Der astronomische Frühlingsanfang verschob sich immer weiter in den Winter und fiel 1582 auf den 11. März. Da die katholische Kirche die Frühlingstagundnachtgleiche aber 325 n.Chr. im ersten Konzil von Nicäa für den 21. März festgelegt hatte, sah sich Papst Gregor XIII. zum Eingreifen gezwungen. Er ordnete eine Kalenderreform an, nach der 1582 zehn Kalendertage ausgelassen wurden. Im Detail folgte in diesem Jahr auf den 4. Oktober direkt der 15. Oktober, wobei die Abfolge der Wochentage unverändert blieb.

Damit das erkannte Problem des Auseinanderlaufens von Sonnen- und Kalenderjahr trotz Einschaltung fortan nicht mehr auftrat führte Gregor drei neue kalendarische Regeln ein, die auch unter der Bezeichnung Interkalation bekannt sind:

  • Schaltjahre sind diejenigen Jahreszahlen, die durch vier ganzzahlig teilbar sind. Allerdings mit den folgenden beiden Ausnahmen:
  • Säkularjahre: Jahreszahlen, die den Abschluss eines Jahrhunderts darstellen sind keine Schaltjahre. Also z.B. 1800, 1900, 2100 und 2200. Aber auch hier mit einer kalendarischen Einschränkung.
  • Säkularjahre, die durch 400 ganzzahlig teilbar sind (z.B. das Jahr 2000) sind Schaltjahre.

Nach dieser Zählweise liegt die durchschnittliche Jahreslänge bei 365,2425 Tagen, die den etwa 365,2422 Tagen des Sonnenjahres (Tropisches Jahr) etwas näher kommt als die vorherige Berechnung des julianischen Kalenders mit 365,25 Tagen.

Kurzum, der Kalender geht zwar immer noch etwas vor –  weicht in 3231 Jahren aber lediglich nur einen Tag ab. Legt man die Ausgangsproblematik des sich verschiebenden kalendarischen Frühjahresbeginns zugrunde und behält im Hinterkopf, dass eine Zeitspanne von 400 Jahren 97 Schaltjahre und Schalttage produziert, so muss erst im Jahre 4813 (Jahr 1582 + 3231 Jahre) ein Schalttag ausfallen, um das Kalenderdatum des 21. März wieder korrekt in der Nähe des Zeitpunkts des Frühjahrs-Äquinoktiums zu positionieren.

Der Schalttag 29. Februar

Werfen wir vor diesem Hintergrund einen näheren Blick auf das Datum des Schalttages, dem 29. Februar und die daran gekoppelten Besonderheiten bzw. Kuriositäten.

Weshalb fällt der Schalttag auf den 29. Februar?

Aus der zuvor skizzierten historischen Entwicklung des Schaltjahres ergibt sich auch die Begründung des 29. Februar als Schalttag. Denn bereits der julianische Kalender der römischen Antike behandelte den Februar als kürzesten Monat des Jahres. Im Gegensatz zum modernen Kalendarium hier allerdings noch als letzter Monat des Jahres. Aber egal ob letzter oder zweiter Monat, in einer solchen abweichenden Zeitspanne lässt sich am einfachsten ein zusätzlicher Tag unterbringen. Aus diesem Grund gibt es den Schalttag am 29. Februar.

Wann feiern wir das nächste Schaltjahr und auf welchen Wochentag fällt der 29. Februar?

Nach 2012 und 2016 gibt es den 29. Februar erst wieder in den folgenden Jahren an folgenden Wochentagen:

  • 2020: Samstag, 29. Februar
  • 2024: Donnerstag, 29. Februar
  • 2028: Dienstag, 29. Februar
  • 2032: Sonntag, 29. Februar
  • 2036: Freitag, 29. Februar
  • 2040: Mittwoch, 29. Februar
  • 2044: Montag, 29. Februar
  • 2048: Samstag, 29. Februar
  • 2052: Donnerstag, 29. Februar
  • 2056: Dienstag, 29. Februar

Wie man dieses Datum am besten begeht? Freut Euch einfach über die zusätzliche Zeit und versucht, sie ganz im Sinne von „Carpe Diem“ zu nutzen!

Weitere Informationen und Quellen zum Schaltjahr und Schalttag am 29. Februar

Kategorien Astronomische Kuriositäten, Februar, Kalendarische Kuriositäten Schlagwörter 29. Februar

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