Tag des scharfen Essens – National Hot and Spicy Food Day

Die menschlichen Geschmacksnerven sind in der Lage zwischen fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen zu unterscheiden. Dies sind im Detail: süß, sauer, bitter, salzig und herzhaft. Demgegenüber gilt Schärfe aus wissenschaftlicher Perspektive nicht als Geschmack, sonder als Form des Schmerzes. Jeder, der schon mal ein zu scharfes Gericht probiert hat, wird davon ein Lied singen können. Wie dem auch sei, der heutige 19. August steht ganz im Zeichen des scharfen Essens, denn heute wird in den USA der sogenannte National Hot and Spicy Food Day (dt. Tag des scharfen Essens) begangen. Die kuriosen Feiertage aus aller Welt feiern dementsprechend mit. 🙂

 [Kuriose Feiertage - 19. August - Tag des scharfen Essens - National Hot and Spicy Food Day (c) 2015 Sven Giese-2]

Extra scharfer Pfeffer mit Pfeffermühle zum Tag des scharfen Essens

Wer hat den National Hot and Spicy Food Day ins Leben gerufen?

Wie bei vielen anderen kulinarischen Feier- und Aktionstagen aus den Vereinigten Staaten gilt leider auch im Falle des National Hot and Spicy Food Day, dass so gut wie nichts über seine Hintergründe bekannt zu scheint.

So konnte ich im Zuge der Recherchen für diesen Beitrag weder herausfinden, wer ihn ins Leben gerufen hat, seit wann man ihn feiert und warum man sich seitens seiner (unbekannten) Initiatoren ausgerechnet für das Datum des heutigen 19. August entschieden hat. Insofern vemag ich auch nichts über eine mögliche inhaltliche Verbindung zum ebenfalls heute begangenen Nationaler Tag der Luftfahrt in den USA (engl. National Aviation Day), dem Tag der Kartoffel (engl. National Potato Day) oder dem World Photo Day zu sagen.

Ein paar Hintergründe zum Thema Schärfe

Festhalten lässt sich demgegenüber aber, dass scharfes Essen seit fast über 6000 Jahren auf dem menschlichen Speiseplan steht und nahezu jede Kultur ihre eigenen Rezepte und Gerichte mit scharfen Gewürzen hervorgebracht hat. Insofern verwundert es auch nicht weiter, dass weltweit Millionen von Menschen auf scharfe Speisen schwören.

Immerhin, Schärfe bzw. scharfe Speisen – auch wenn sie wissenschaftlich als Schmerz deklariert sind – haben durchaus positive Effekte auf die menschliche Gesundheit. Sie senken die Körpertemperatur (weshalb wohl scharfe Gerichte besonders in heißen Regionen beliebt sind), hemmen Bakterien, schütten Glückshormone aus und verstärken aufgrund einer besseren Durchblutung der Zunge andere Aromen. Kurzum, scharfes Essen hat durchaus auch seine Vorteile. 😉

Kuriose Feiertage - 19. August - Tag des scharfen Essens - National Hot and Spicy Food Day (c) 2015 Sven Giese-1

Schärfegrade messen – die Scoville-Skala

Und auch wenn Schärfe immer dem eigenen Geschmack bzw. subjektiven Empfinden unterliegt, gibt es seitens der Wissenschaft den Versuch, hier eine objektive Richtskala einzuführen. Diese sogenannte Scoville-Skala geht auf den US-amerikanischen Pharmakologen Wilbur L. Scoville (1865 – 1942) zurück, der hiermit den Schärfegrad von Chilischoten mess- bzw. skalierbar machen wollte.

1912 ursprünglich als Scoville-Test (engl. Scoville Organoleptic Test) entwickelt, misst diese Skale den Anteil des in der getrockneten Frucht enthaltenen Capsaicin. Denn dieses Alkaloid ist wesentlich für die Reizung der Schmerzrezeptoren der Schleimhäute verantwortlich und sorgt dafür, dass der Mensch Schärfe überhaupt empfinden kann.

In der Praxis wird im Rahmen Scoville-Skala der jeweilige Capsaicin-Gehalt durch Verdünnung bis zur Wahrnehmungsschwelle indirekt gemessen. Zwar verwendet man heute zur Bestimmung des Schärfe die wesentlich genauere Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) und deren Ergebnisse in Schärfeeinheiten der American Spice Trade Association (ASTA) an; jedoch werden aufgrund des starken Verbreitung der Scoville-Skala die HPLC-Ergebnisse in der Regel nach wie vor in dieses Bezugssystem umgerechnet.

Um einen ungefähren Eindruck der hier gemessenen Schärfegrade zu geben, im Folgenden einige Beispiele (die jeweiligen Zahlen geben den Schärfegrad nach der Scoville-Skala an):

  • 0 = keine Schärfe, kein Capsaicin enthalten
  • 0–10 = die normale rote, grüne oder gelbe Gemüsepaprika
  • ~16 = untere Wahrnehmungsschwelle für Schärfe (Durchschnitt)
  • 100–500 = Peperoni
  • 1.000–10.000 = Sambal
  • 30.000–50.000 = reiner Cayennepfeffer
  • 1.000.000 = Messung bei der Chilisorte Bhut Jolokia
  • 2.000.000 = Pfefferspray wie es im Handel gekauft werden kann
  • 15.000.000–16.000.000 = reines Capsaicin in kristalliner Form

In diesem Sinne: Zum heutigen Tag des scharfen Essens darf es dann auch mal etwas schärfer gewürzt sein. Oder auch nicht. Euch allen einen tollen National Hot and Spicy Food Day. 😀

Weitere Informationen zum Tag des scharfen Essens in den USA

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Autor: Sven Giese

Angesichts des Chaos in der Welt, gegen den Optimismus, der zerplatzt ist, bleibt nur die Aufgabe, den Garten zu bestellen. Dies ist ein solcher Garten. :-) Andere Gartenarbeiten von mir gibt es auch auf: Facebook, Google+ und Twitter.

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