Tag des Streichholzes

Ein Apotheker, ein Stück Holz und eine Mischung aus Antimon(III)-sulfid und Kaliumchlorat. Das waren die Ursprünge unseres Streichholzes. Der Apotheker John Walker  entdeckte per Zufall, dass die oben genannte Mischung durch Reibung an einer rauen Oberfläche entzündet. Ihm verdanken wir daher nicht nur diesen nützlichen Gegenstand, den er am 27. November 1826 erfand und 1827 auf den Markt brachte, sondern auch den Tag des Streichholzes.*

Kuriose Feiertage- 27. November - Tag des Streichholzes (c) 2012 Sven Giese - 1

Eine kurze Geschichte des modernen Streichholz

Bei näherer Betrachtung reicht die Geschichte der Streichhölzer allerdings wesentlich weiter in die menschliche Kulturgeschichte zurück. So benutze man bereits im China des 6. Jahrhunderts, spätestens aber um 950 n. Chr. kleine, mit Schwefel getränkte Kiefernholzstäbchen, die sich beim Kontakt mit Feuer sofort entzündeten. In Europa waren ähnliche Schwefelhölzer seit etwa dem 13. Jahrhundert bekannt. Entflammt wurden diese durch einen glimmenden Zunderschwamm, den man per Funkenschlag entzündete.

Die Entdeckung des weißen Phosphors

Der wichtigste Schritt in Richtung der Entwicklung des modernen Streichholzes war allerdings die Entdeckung des weißen Phosphors, der auch die Grundlage für die oben beschriebene – eher zufällige – Entdeckung John Walkers im Jahre 1826 bildete. Walkers Streichhölzer hatten allerdings das Problem, dass sie zum einen eine nur unregelmäßig brennende Flamme entwickelten und zum anderen bestialisch gestunken haben müssen.

5 Jahre nach Walkers Entdeckung konnte der Franzose Charles Sauria diese Probleme lösen, indem er Phosphor hinzufügte. Dies führte 1833 auch zur ersten industriellen Fertigung von Phosphorstreichhölzern durch den Deutschen Jacob Friedrich Kammerer, deren leichte Selbstentzündlichkeit durch den ungarischen Chemiker János Irinyi im Jahr 1836 entschärft werden konnte. Trotz dieser stetigen Weiterentwicklung darf nicht übersehen werden, dass durch die Verwendung weißen Phosphors ein extremes Gesundheitsrisiko für alle bestand, die an der Herstellung beteiligt waren. Daher waren vergiftete und verkrüppelte Arbeiter in den Zündholzfabriken keine Seltenheit.

Der Weg zum Sicherheitszündholz und ein staatliches Monopol

Erst die beiden schwedischen Chemiker Gustaf Erik Pasch und Karl Frantz Lundström schafften es 1844, den weißen durch roten Phosphor zu ersetzen. Auf dieser Grundlage und durch Verlagerung des Phosphors vom Zündkopf in die Reibefläche entwickelte der Deutsche Rudolf Christian Boettger 1848 die Form der Sicherheitszündhölzer, die im Prinzip auch heute noch verwendet werden. Boettger verkaufte sein Patent kurz darauf an die schwedische Zündholzindustrie. Dieses Patent beschreibt Streichhölzer mit getrennter Zünd- und Reibmasse. Aufgrund des Verbotes des weißen Phosphors durch die Berner Konvention wurde ab 1906 die ursprüngliche Form der Zündhölzer gänzlich durch diese Sicherheitszündhölzer ersetzt. Eine historische Kuriosität soll in diesem Zusammenhang allerdings nicht unerwähnt bleiben, denn ab 1930 bestand sowohl im Deutschen Reich als auch in der Bundesrepublik Deutschland ein staatliches Zündwarenmonopol, welches auf den schwedischen „Zündholzkönig“ Ivar Kreuger zurückgeht, der dem durch den Ersten Weltkrieg wirtschaftlich geschwächten Deutschland eine Anleihe in Millionenhöhe bewilligt hatte. Dieses gesetzlich verankerte Monopol wurde erst 1984 nach Rückzahlung des Kredits aufgehoben.

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Die Begründung für den Tag des Streichholzes

Da der gute John Walker vor Freude über seine Erfindung letztendlich vergaß, ein Patent auf sein Produkt anzumelden, sind heutzutage die Streichhölzer der Marke „Lucifers“, die Samuel Jones ins Leben rief, die Bekanntesten. Sie schafften es auf Grund des Ideenklaus aber nicht in unsere Reihe der kuriosen Feiertage. Danke John Walker also – dem wahren Erfinder.

*Dieser Feiertag wurde von Timo Lokoschat mit seinem Buch Es wird eng im Kalender. 365 Kuriose Gedenk- und Feiertage (Seite 188) eingeführt.